«Ich hatte die Wohnung verlassen, um ein neues Handy zu kaufen», liess der gut 40 Jahre alte Mann vor Gericht durch die Übersetzerin ausrichten. «Da rief mich eine Kollegin an und sagte, meine Wohnung würde brennen. Erst dachte ich, dass sie Spass machen würde.» Leider wars kein Jux. Der Balkon der Wohnung im zweiten Obergeschoss eines Hauses im Villiger Ortsteil Stilli stand in Flammen.

Der Feuerwehr gelang es zwar rasch, den Brand zu löschen. Allerdings war am Gebäude ein Schaden in der Höhe von rund 136'000 Franken entstanden. Zudem wurde eine Wohnung im ersten Geschoss in Mitleidenschaft gezogen. Der Brandermittler der Kantonspolizei stiess schnell auf die Ursache des Feuers: Eine Zigarettenkippe war zwar in einen Aschenbecher entsorgt worden. Der Aschenbecher war dann aber in einen Abfallsack entleert worden, der in einer Plastikwanne auf dem Balkon stand.

Wohnung in Stilli komplett ausgebrannt:

Wohnung in Stilli komplett ausgebrannt

Bericht vom 20. August 2017

Abfallsack als einzige Zündquelle

In der Folge wurde gegen den Inhaber der Wohnung Anklage wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst erhoben. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 110 Franken sowie eine Busse von 400 Franken. Zudem machte die Aargauische Gebäudeversicherung als Zivilklägerin eine Forderung von rund 43'000 Franken geltend. Vor Gericht erklärte der als Zeuge geladene Brandermittler, dass das Spurenbild darauf hingedeutet habe, dass der Brand von der Kunststoffwanne ausgegangen sei. «Es gab auf dem Balkon kein selbstentzündliches Material und auch keine technische Zündquelle», stellte er fest. «Die einzige Zündquelle war der Abfallsack in der Wanne.» Der Beschuldigte erklärte auf die Frage von Bezirksgerichtspräsident Sandro Rossi, dass er, der Beschuldigte, an jenem Tag von der Arbeit nach Hause gekommen sei, geduscht habe, sich dann einen Kaffee gemacht und auf dem Balkon eine Zigarette geraucht hätte. Dann hätte er das Haus verlassen.

Auf die Frage, wer sich denn alles auf dem Balkon aufgehalten habe, entgegnete der Beschuldigte, dass sein Sohn und dessen Freundin in der Wohnung, nicht aber auf dem Balkon gewesen seien. Die beiden seien jedoch noch vor ihm weggegangen. Er hätte die Kippe seiner Zigarette in ein Blechgefäss mit Wasser entsorgt, das stets auf dem Grill auf den Balkon gestanden habe. Er könne sich nicht erklären, wie dieses Gefäss in die abgebrannte Kunststoffwanne gekommen sei. Er jedenfalls habe an diesem Tag keine Zigarettenstummel in den Güselsack gekippt.

«Habe Zigarette gelöscht»

Zur Schadenersatzforderung meinte er: «Ich möchte keine Probleme haben. Ich möchte das alles zum Abschluss bringen. Ich weiss aber nicht, wie ich diesen Betrag bezahlen soll. Ich weiss auch nicht, ob ich schuldig bin. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Hätte ich die Dummheit gemacht, würde ich die Schuld anerkennen. Ich weiss aber, dass ich meine Zigarette gelöscht habe. Ich weiss eben nicht, wie das alles geschehen ist. Das Gericht wird schon wissen, was das Beste ist.»

Gerichtspräsident Rossi als Einzelrichter sprach den Beschuldigten von Schuld und Strafe frei. Die Zivilforderung verwies er auf den Zivilweg. «Alle verwertbaren Beweismittel sind geprüft worden», stellte er fest. «Der Bericht der Brandermittlung ist schlüssig und nachvollziehbar. Der Beschuldigte macht einen ehrlichen und aufrichtigen Eindruck. Wenige, die auf dem Anklagestuhl sitzen, sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Der Beschuldigte ist dazu bereit. Für eine Verurteilung ist aber der Nachweis der Schuld erforderlich. Dieser Nachweis kann jedoch nicht erbracht werden.»