Seit 2010 gibt es die die Veranstaltungsreihe «Wirkstoff – Wirtschaft und Wissenschaft im Gespräch». Die Gewerbevereine «Zentrum Brugg» und «Windisch Plus» spannen in diesem Bereich jeweils mit der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zusammen.

So kamen auch am Mittwochabend zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region auf den Campus, um sich das Referat von Professorin Martina Dalla Vecchia anzuhören. Sie ist Dozentin für E-Commerce, Online-Marketing und Social Media an der FHNW. Während des rund einstündigen Referats, zeichnet Martina Dalla Vecchia ihre Ausführungen via iPhone, das auf einem Stativ steht, auf.

Die Norddeutsche kommt auch gleich zum Punkt, was die sozialen Medien sind und was es für die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) bedeutet: «Nur das, was sie auf Social Media rein stellen, können andere Menschen auch sehen.» Genau das sei ihr Credo: «You are what you share.» Übersetzt: «Du bist, was du teilst.»

Zwei Zielgruppen im Fokus

Beim Gang auf die Rennstrecke der sozialen Medien im Internet, sollte man stets zwei Zielgruppen im Auge behalten: Erstens seien dies die Menschen. Zweitens arbeite man hier auch für Suchmaschinen wie Google, welche die Websites untersuchen und so Wissen zusammentragen. «Jedes ‹like›, jedes ‹gefällt mir›», wird so registriert.

Martina Dalla Vecchia wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: In 60 Sekunden werden 5,5 Millionen Videos auf Facebook angeschaut, 42 Millionen Nachrichten auf Whatsapp oder Facebook verschickt. Mit rund 3,76 Millionen Facebook-Nutzern in der Schweiz, erachtet sie Facebook als Werbeplattform für die KMU. «Social Media ist nicht verkaufen, sondern Kompetenz.»

Als KMU müsse man sich auf sein Thema konzentrieren, im Sinne eines Leuchtturms, woran keiner vorbeikommen dürfe. Sie vergleicht das Agieren und Navigieren im Internet mit Pflicht und Kür. Die Pflicht sei, via Themenvorherrschaft gesehen zu werden. Als Kür betitelt sie die Interaktion, die mit Kunden via Internet Gespräche führt, Empfehlungen abgibt. Die Frage sei: «Wollen wir das? Und wer macht das?»

Austausch im «World café»

Die Stolperfallen lauerten darin, nur schnell mal etwas rein stellen, posten zu wollen: «Denken sie realistisch und langfristig. Wie wollen sie in drei Jahren auf Social Media wahrgenommen werden», fragte sie in die Unternehmerrunde. Als Tipps gibt sie Facebook als Werbeplattform, Linkedin als Netzwerk für internationale Kontakte und Xing als Vernetzungsplattform für den deutschsprachigen Raum an. Aber auch das Videoportal Youtube empfiehlt die Professorin.
In einer zweiten Runde tauschen die Unternehmerinnen und Unternehmer an Stehtischen ihre Erfahrungen in Sachen «Social Media».

Drei Fragen werden hierzu gestellt, nach zehn Minuten müssen die Gäste einen anderen Tisch aufsuchen und dort weiter diskutieren. «Zeitgründe», sagen einige, auf die Frage, warum man nicht auf Facebook und anderen Plattformen aktiv sei. Anderen fehlen die Kenntnisse. Es komme auch darauf an, wie viele Kunden man habe, sagt ein Mann. «Bei einer Migros beispielsweise lohnt sich der Aufwand natürlich.» Die Inhaberin einer Visagistenschule erzählt an diesem Abend davon, dass sie während eines Kurses ein Video gedreht und dieses auf Facebook gestellt habe. «Ich hatte noch nie so viel Kommentare und Likes.»