Region Brugg
Würden Sie ein lesbisches Paar segnen, Herr Pfarrer?

Der Fall Bürglen wirft hohe Wellen und wird auch unter katholischen und reformierten Pfarrern diskutiert. Die az hat die hiesigen Pfarrer nach ihrer Meinung gefragt.

Janine Müller
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Sollen homosexuelle Paare den kirchlichen Segen erhalten? (Symbolbild)

Sollen homosexuelle Paare den kirchlichen Segen erhalten? (Symbolbild)

Keystone

Der Fall hat hohe Wellen geworfen: Wendelin Bucheli, katholischer Pfarrer in der Urner Gemeinde Bürglen, hat im letzten Herbst ein lesbisches Paar gesegnet. Vor kurzem ist diese Nachricht an die Öffentlichkeit gedrungen. Das hatte Folgen: Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, will Bucheli entlassen. Die Reaktionen aus der Bevölkerung sind bekannt: Die Menschen wehren sich gegen die Entlassung von Bucheli, unterstützen ihren Pfarrer, der nicht bereut, was er getan hat.

Gegenüber dem «Badener Tagblatt» sagte Gregor Domanski, Pfarradministrator mit Pfarrverantwortung für die Kirchgemeinden Lengnau-Freienwil, Unterendingen und Würenlingen: «Ich würde kein homosexuelles Paar segnen. So einen Segen darf man nicht vergleichen mit beispielsweise dem Segnen von Motorrädern, da es hier auch um eine Art Legitimation geht.» Doch wie sehen es die Pfarrer aus der Region Brugg? Simon Meier-Spichtig, Gemeindeleiter der Pfarreien Brugg und Windisch, lässt sich nicht auf die Äste hinaus, reagiert aber auch nicht so wie Domanski. Meier-Spichtig meint: «Es muss klar herauskommen, dass dem Paar etwas an diesem Segen liegt.» Er weist auf den Unterschied zwischen dem Sakramentalen der Eheschliessung und der Segnung zweier Menschen, die sich für einen gemeinsamen Lebensweg entschieden haben, hin. Das sei keinesfalls dasselbe.

Der Unterschied zur Segnung

Zur Erklärung: In der katholischen Kirche bedeutet eine Segnung nicht dasselbe wie eine sakramentale Ehe vor Gott. Der Bund fürs Leben kann in der katholischen Kirche nicht aufgelöst werden. Scheiden lassen kann man sich zwar, vor Gott bleibt ein rechtmässig geschlossener Ehebund jedoch unauflösbar. Simon Meier-Spichtig ergänzt: «Die sakramentale Eheschliessung bleibt unsere Kernaufgabe.»

Mit einer Anfrage von einem homosexuellen Paar wurde Meier-Spichtig bisher nicht konfrontiert. Er findet aber: «Eine Segnungsfeier dürfte man sicher nicht verweigern. Man müsste aber eine von der katholischen Kirche aus vertretbare Form finden.» Er weist auf die Veranstaltung der katholischen Kirche in Aarau hin, die morgen am 14. Februar, dem Valentinstag, stattfindet. Da sind auch homosexuelle Paare willkommen.

Etwas mehr Erfahrung mit homosexuellen Paaren hat der reformierte Pfarrer von Brugg, Christoph Suter. Er hat in einer seinen früheren Gemeinden ein gleichgeschlechtliches Paar gesegnet. Und er würde es auf jeden Fall wieder einmal tun. Nachfragen danach sind allerdings selten. In Brugg jedenfalls hat er dies noch nicht erlebt. «Das ist in der Kirchenordnung der Reformierten überhaupt kein Problem», sagt er.

Es darf kein Zwang sein

Er gibt jenen Personen recht, die sagen: «Jeder Töff, jeder Raum wird gesegnet, aber homosexuelle Paare nicht. Das kann nicht sein.» Christoph Suter mahnt aber auch. Sagt, dass man nicht jede Pfarrerin, jeden Pfarrer dazu verknurren soll, wenn sie oder er dies nicht mit sich vereinbaren kann. «Es muss auch für die Person, die die Segnung vornimmt, stimmen.»

Bereits im Jahr 2001 hat sich die Synode der reformierten Landeskirche Aargau mit der Frage auseinandergesetzt, ob gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden dürfen. Die Synode hat dann entschieden: Ja, eine Segnungsfeier zu besonderen Lebenssituationen ist möglich. Damit die Segnung sich von der Trauung abhebt, werden bei der Segnung homosexueller Paare keine gegenseitigen Versprechen abgenommen.

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