Verkehrskonzept OASE

«Wollen nicht noch mehr Lärm»: Windischs Quartierverein befürchtet massive Verkehrszunahme

Präsidentin Claudia Schilling und Fredy Bolt vom Quartierverein stehen in Windisch auf der Habsburgbrücke. Für die neue Strasse müssten Bäume weichen.

Präsidentin Claudia Schilling und Fredy Bolt vom Quartierverein stehen in Windisch auf der Habsburgbrücke. Für die neue Strasse müssten Bäume weichen.

Windischs Quartierverein Klosterzelg-Reutenen ist gegen die Festsetzung des Brugger Astes im Richtplan. Dies führe zu deutlich mehr Verkehr im Quartier, sagen die Verantwortlichen. Zudem kritisieren sie den Gemeinderat scharf.

Noch dieses Jahr will der Kanton für das Regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) den Brugger Ast vom Grossen Rat im Richtplan auf Stufe Festsetzung eintragen lassen. Mit dem Badener Ast will der Regierungsrat noch warten. Das Zentrum Brugg-Windisch soll entlastet werden, indem vom Kreisel in Lauffohr eine neue Strasse über das Aufeld gebaut wird, die dann via Tunnel unter der Aare durch beim Kabelwerk Brugg wieder an die Oberfläche kommt. Dort ist ein Betriebsanschluss Industrie vorgesehen und anschliessend eine oberirdische Querung des Bahndamms bis zum Anschluss an die Südwestumfahrung. Dagegen regt sich heftiger Widerstand – insbesondere vom Windischer Quartierverein Klosterzelg-Reutenen.

Präsidentin Claudia Schilling und Fredy Bolt von der Arbeitsgruppe Quartierentwicklung stehen auf der vor wenigen Wochen wiedereröffneten Habsburgbrücke. «Das Areal um den Brugger Bahnhof mit Industrie ist ein zentrales Entwicklungsgebiet, das dereinst vor allem mit Wohnungen bebaut werden soll», sagt Fredy Bolt. «Es ist von grösster Bedeutung, wie sich die Siedlungsstruktur in den nächsten Jahren hier verändern wird, damit sich die Bevölkerung wohlfühlt.» In Bezug auf das Oase-Projekt fordert der Quartierverein deshalb eine durchgehend unterirdische Linienführung bis hin zum Anschluss an die Südwestumfahrung Brugg (beim linken Bildrand) und einen Verzicht auf den Anschluss Kabelwerk. «Denn dieser wäre der einzige Windischer Anschluss an die Oase und würde das Quartier mit Verkehr überschwemmen. Wir wollen aber nicht noch mehr Lärm im Quartier. Die Verkehrszunahme wäre massiv», sagt Präsidentin Claudia Schilling.

Ohne Badener Ast wären es über 30'000 Fahrzeuge pro Tag

Auch eine grosse Mehrheit des Windischer Einwohnerrats teilt die Meinung des Quartiervereins und überwies im Januar ein entsprechendes Postulat an den Gemeinderat. Würde gleichzeitig mit dem Brugger Ast, wie vom Kanton ursprünglich vorgesehen, der Badener Ast gebaut, sei in Brugg-Windisch auf der neuen Strasse mit zirka 22'000 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen, fährt Bolt fort. Ohne Badener Ast wären es weit über 30'000 Fahrzeuge pro Tag.

Weil der Kanton derzeit auf die Festsetzung des Badener Astes im Richtplan verzichtet (er will ihn auf Stufe Zwischenergebnis belassen), fordert der Quartierverein Klosterzelg-Reutenen, dass sich der Gemeinderat Windisch «energisch und unmissverständlich gegen den Eintrag des Brugger Astes im Richtplan auf Stufe Festsetzung wehrt». Und zwar so lange, bis der Badener Ast auf gleicher Stufe im kantonalen Richtplan eingetragen wird. Denn der Quartierverein hält es für absolut möglich, dass der Badener Ast der Oase nie gebaut wird, falls der Brugger Ast jetzt im Richtplan festgesetzt wird. Der Widerstand der Gemeinden im Siggenthal sei einfach zu gross, so Bolt und Schilling.

«Unwahrscheinlich, dass der Tunnel später verlängert wird»

Windischs SVP-Gemeindepräsidentin Heidi Ammon sagte nach Bekanntgabe des gestaffelten Vorgehens durch den Kanton: «Die Gegner verstehen manchmal die Flughöhe, Zusammenhänge und Abhängigkeiten des Projektschrittes nicht richtig.» Dieses Zitat stiess dem Quartierverein sauer auf. «Heidi Ammon hat leider nicht ausgeführt, was die Gegner falsch verstehen», sagt Claudia Schilling. Stattdessen beschwichtigte die SVP-Politikerin, dass der spannende Teil des Projekts mit den weiteren Planungsschritten folge, nach der Festsetzung in den Richtplan. «Erst dann wird metergenau bestimmt, wo der Tunnel hinkommt», sagte Heidi Ammon. Das sieht Fredy Bolt anders: «Wenn der kürzere Tunnel mit dem Industrieanschluss im Richtplan festgesetzt ist, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass der Tunnel später noch verlängert wird.»

Bolt verweist ausserdem darauf, dass der aktuelle Kurs von Heidi Ammon der offiziellen Stellungnahme vom Januar 2020 des Gemeinderats Windisch gegenüber dem Kanton grundsätzlich widerspricht. Dem Gemeinderat erschien es damals wichtig, «dass durch die neue Strasseninfrastruktur auf keinen Fall zusätzlicher übergeordneter Verkehr aus dem süddeutschen Raum angezogen wird».

Offene Strecke würde zentrales Entwicklungsgebiet abwerten

Inhaltlich sah die Gemeinde Windisch vor der Festsetzung im Richtplan noch grundsätzlichen Handlungsbedarf. «Eine offene Hauptverkehrsachse mitten durch das zentrale Bahnhofsgebiet mit zusätzlicher Umlagerung von Durchgangsverkehr aus dem Raum Baden (übergeordnetes Verkehrsmanagement) steht im Widerspruch zur proklamierten Siedlungsverträglichkeit», heisst es in der Stellungnahme, die von Heidi Ammon und Verwaltungsleiter Marco Wächter unterschrieben wurde. «Die Zentrumsentlastung im Abschnitt Süd darf erst im Richtplan festgesetzt werden, wenn die Abstimmung mit der Gebietsentwicklung Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch (Entwicklungskonzept) erfolgt ist», lautete im Januar 2020 einer der Anträge des Gemeinderats Windisch. Der offene Streckenabschnitt würde laut der Behörde zu einer Abwertung des zentralen Entwicklungsgebiets führen.

Gemeindepräsidentin Heidi Ammon nimmt am Freitag in der AZ zum kritisierten Kurswechsel Stellung.

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