Was hatten sich Brugg und Windisch nicht alles vom Bau des Fachhochschul-Campus erhofft: Tausende neue Studierende, die der Region neues Leben einhauchen, die Wirtschaft ankurbeln, die Cafés füllen und vielleicht sogar die Brugger Altstadt wieder beleben. Man dachte sogar darüber nach, in Umiken ein Wohnhaus für Studierende zu bauen. Nun, bald sechs Jahre nach der Eröffnung, hat der Campus vor allem die Landschaft auf der Windischer Seite des Bahnhofs massgeblich verändert. Windisch kommt heute auf den ersten Blick moderner und urbaner daher, die neue Infrastruktur kann durchaus als Aufwertung gesehen werden.

Auf der Brugger Seite des Bahnhofs hingegen spürt man wenig von der Studierendenschar, die die Gegend hätte neu beleben und womöglich bevölkern sollen. Man wird den Eindruck nicht los, dass die meisten Studierenenden direkt vom Bahnhof zu ihren Hochschulgebäuden laufen, nach dem Unterricht dann schleunigst wieder in die Züge steigen und in ihre Wohnorte verschwinden.

Wie viele haben sich bereits auf die andre Seite des Bahnhofs gewagt? Was wissen sie von Brugg und interessieren sie sich überhaupt für die Region (siehe Umfrage unten)? Auf Anfrage gibt die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) nun erstmals Zahlen zu den Studierenden bekannt, die in den Hochschulen des FHNW-Standorts Brugg-Windisch eingeschrieben sind. Dazu ein kleiner Vorbehalt: Offenbar können nicht alle Studierende genau einem Standort zugeordnet werden. «Je nach Schwerpunkt gehen unsere Energie- und Umwelttechnik-Studierenden beispielsweise nach Muttenz», sagt die Ansprechperson für Medienschaffende der FHNW, Sandro Nydegger. Ähnliche Fälle gäbe es auch bei beiden anderen Hochschulen am Campus.

  

Aarau auf Platz eins

Zu den Daten: Am Stichdatum 15. Oktober 2018 waren über 3500 Studierende am Campus Brugg-Windisch eingeschrieben (siehe Tabelle). Die meisten von ihnen besuchen die Technische Hochschule. Studierende aus dem Aargau besuchen hingegen die meisten die Pädagogische Hochschule. Aus dem Kanton Zürich gehen auffallend viele an die Wirtschaftliche Hochschule. 70 Studierende kommen aus abgelegenen Kantonen, darunter etwa 13 aus St. Gallen, 8 aus dem Wallis, 5 aus dem Tessin und einen aus Genf.

Aarau ist die Stadt, die am meisten Studierende nach Brugg-Windisch schickt (132), gefolgt von Zürich (128) und Basel (113). Im Aargau steht nach der Kantonshauptstadt, Windisch auf Platz zwei (102 Studierende wohnen dort), Baden dicht dahinter auf Platz drei (101 Studierende), dann Brugg und Wettingen (beide 89), weiter abgelegen Wohlen (60) und Lenzburg (52). In der nahen Region hervorzuheben wären Unter- und Obersiggenthal (38 respektive 37), Birr-Lupfig, Fislisbach und Neuenhof (je 26), Turgi (25) oder Hausen (20).

Über 3000 nicht aus der Region

Proportional zur Anzahl Einwohner schickt Windisch am meisten Studierende an die Fachhochschule. Es lässt sich vermuten, dass einige fürs Studium eher nach Windisch gezogen sind als etwa nach Brugg. Es ist zwar möglich, dass mehr Studierende von weiter weg in die Region gezogen sind, als offizielle Adresse aber weiterhin das Haus ihrer Eltern angeben. Dennoch aber zeigt sich, dass über ein Drittel aller Studierenden nicht aus dem Kanton Aargau stammen und innerhalb des Kantons nur knapp 15 Prozent im Bezirk Brugg wohnen. Über 3000 Menschen fahren also tagtäglich von weiter weg nach Brugg-Windisch nur wegen der Fachhochschule – Dozierende und weitere Angestellte nicht mit einberechnet.

Lebensmittelpunkt ist nicht hier

Die Hoffnung, dass die Altstadt dank der Studierenden wieder etwas belebter wird, hat sich also nicht erfüllt. Barbara Horlacher, Frau Stadtammann in Brugg, sagt dazu: «Auf dem Campus-Areal steht den Studierenden ein breites Angebot inklusive verschiedener Verpflegungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Ausserdem erlaubt es die gute öV-Anbindung der FHNW den Studierenden, ihren Lebensmittelpunkt und Wohnsitz ausserhalb der Region Brugg-Windisch beizubehalten.» Das sei auch der Grund, warum eher wenige Studierende in Brugg selber wohnen.

Die Stadt unterstütze aber den Verein für studentisches Wohnen Region Brugg-Windisch, der sich für die Bereitstellung von preisgünstigem und geeignetem Wohnraum für Studierende einsetzt, sowohl finanziell als auch durch das Engagement eines Mitglieds des Stadtrats im Vereinsvorstand.

Der erwähnte Verein mietet zurzeit Wohnungen im Umfang von 57 Zimmern an und vermietet diese den Studierenden, sagt die Windischer Gemeindepräsidentin Heidi Ammon. «Von diesen 57 Zimmern liegen rund zwei Drittel auf dem Gemeindegebiet Windisch.» Damit lässt sich erklären, warum mehr Studierende in Windisch als in Brugg wohnen. Die grösste Einheit bildet die Liegenschaft Steinackerstrasse 9 vis-à-vis der FHNW. Ansonsten unternehme die Gemeinde keine speziellen Aktivitäten, die auf Studierende ausgerichtet sind.

«Wir unterstützen aber das Angebot der FHNW, das zur Belebung des Campus führt», so Ammon. Denn die Fachhochschule Nordwestschweiz biete den Studierenden einiges an Treffmöglichkeiten. Ammon erwähnt die grossen Treppen, die Bar oder die Fitnessräumlichkeiten in der Sportanlage Mülimatt. Zudem biete die Region eine schöne Freizeit- und Erholungszone mit dem Wasserschloss, dem Bruggerberg und dem Bözberg sowie dem Gebenstorfer Horn.

Kennst du Sehenswürdigkeiten in Brugg, oder hältst du dich nur auf dem Campus-Gelände auf? Kennst du das Campus Cinema für Studenten?

von Manuel Funk