Das Mädchen beugt sich konzentriert über die Leinwand, pinselt grüne Quadrate auf die weisse Fläche. «Schön exakt machst du das», lobt die ältere Frau daneben im Rollstuhl. Das Mädchen lächelt, arbeitet weiter.

Es könnte eine Szene zwischen Grossmutter und Enkelin sein, doch sie findet statt im Altersheim Schenkenbergertal. Hier sind während vier Morgen die 4. und 6. Klasse der Schule Schinznach zu Besuch. Rund 40 Schülerinnen und Schüler malen und singen im Altersheim, die Bewohnerinnen und Bewohner können sich dazugesellen.

Schüler malen im Altersheim Schenkenbergertal

Schüler malen im Altersheim Schenkenbergertal

Die Gerontologin Emmi Wernli hat mit zwei Schulklassen ein Projekt gestartet. Die Kinder malen und singen im Altersheim, die Bewohner können zuschauen oder mitmachen. Es geht um den Austausch zwischen den Generationen.

Initiiert hat dieses Projekt Gerontologin Emmi Wernli. Das Ziel: «Ich möchte die jungen Menschen ins Altersheim holen, damit diese von den Betagten lernen können und die Betagten wiederum die Jugend nicht vergisst und merkt, dass es viele junge Menschen gibt, die positiv auffallen.»

"Die Begegnungen fehlen"

Emmi Wernli findet es schade, dass die Kinder zwar auf dem Weg in die Schule und zurück nach Hause am Altersheim vorbeigehen, aber dennoch kein Kontakt zwischen den Generationen stattfindet.

«Mir fehlten die Begegnungen», sagt sie. Darum hat sie nun dieses Projekt ins Leben gerufen und ist hell begeistert, wie es letzten Dienstag angelaufen ist. «Bei den Bewohnern kommen Erinnerungen von früher auf, sie geniessen es, dass mal etwas Trubel herrscht», sagt Emmi Wernli. «Es ist eine positive Art von Unruhe.»

Um die Kinder auf den Besuch im Altersheim vorzubereiten, machte Emmi Wernli einen Schulbesuch. Die Sechstklässler hätten sich sehr für das Thema Demenz interessiert. «Und die Viertklässler haben vor allem von ihren eigenen Grosseltern erzählt», sagt Emmi Wernli. «Da ist auch die eine oder andere Träne geflossen.»

Heute Donnerstag, sowie nächsten Dienstag und Donnerstag sind die Kinder noch zu Besuch im Altersheim. Am 16. März werden die Bilder dann aufgehängt, am 17. März findet die Vernissage statt.

Inzwischen hat die Schülerin ihr Bild fertig gemalt. Die betagte Frau will wissen, wie es denn jetzt weitergeht. «Im unteren Stock singen noch die Kinder, wollen Sie da hin?», fragt Emmi Wernli. Und die Frau entgegnet: «Ja gerne, ich habe ja sonst nichts auf dem Programm.»