Brugg/Untersiggenthal
Wo Fasnachtsfahnen noch werben dürfen

Darf auf Fasnachtsfahnen Sponsoring draufstehen? Die Brugger dürfen solche Fahnen nicht aufhängen, die Untersiggenthaler hingegen schon. Die Fasnachtsposse ist perfekt.

Marc Reinhard
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Bruno Schuler (Mitte) und zwei «Fluehgeischter» mit den Fahnen. BY

Bruno Schuler (Mitte) und zwei «Fluehgeischter» mit den Fahnen. BY

An zwei fast benachbarten Orten hängen seit kurzem farbenfrohe Fasnachtsfahnen an den Kandelabern. In beiden Orten wurden sie durch Sponsoring finanziert: Logos, Privat- und Vereinsnamen sind aufgedruckt.

In Brugg hat die Konfettispalterzunft die Werbeflächen in nerviger Nacharbeit durch ein schwarzes Zensurvlies abdecken müssen (az vom 1.2.). Wenige Kilometer entfernt wird das Gesetz anders interpretiert: In Untersiggenthal dürfen die Fahnen mit Werbung hängen. Gleiches wird nicht überall gleich behandelt.

«Das darf ja wohl nicht wahr sein»

Bruno Schuler wohnt und arbeitet in Brugg und ist als Mitglied der Untersiggenthaler Fasnachtsgesellschaft Fluegeischter der geistige Vater dieses farbigen Dorfschmucks. Notabene an beiden Orten. Schuler ist gut befreundet mit dem Brugger Zunftmeister Hugo Schmid, der die Idee mit den Fasnachtsfahnen begeistert übernommen hat. Wie Hunderte andere Fasnächtler schüttelt auch Schuler über die «engstirnige Brugger Gesetzesauslegung» den Kopf. «Ein absoluter Witz. Ich dachte: Das darf ja wohl nicht wahr sein.»

Warum dürfen die einen, die anderen aber nicht? «Weil es die einen halt einfach so entscheiden, und die anderen anders», erklärt Gemeindeammann Marlène Koller lapidar. Sie selbst hat eine Fahne gespendet und steht mit ihrer Funktion auf dem grünen Tuch, das die nächsten 14 Tage lang an den Siggenthaler Lampen hängen wird. «Es ist doch Fasnacht, da kann man doch auch es Foifi lo grad si›. Wegen dieser kurzen Zeit machen wir kein Aufhebens.»

Anders in Brugg: Obschon die Fahnen bereits letztes Jahr problemlos mit Werbung hängen durften, bezweifelte die Brugger Regionalpolizei die Legalität der Werbung auf den Fahnen. Weil Fremdwerbung an Strassen die Autofahrer ablenken könnte, seien die Fahnen in dieser Form nicht erlaubt. Auf diese Begründung stützte der Brugger Stadtrat seinen Entschluss: «Weder Sponsorenlogos noch Privat- oder Vereinsnamen dürfen auf die Flaggen, sonst gibt es keine Bewilligung zum Aufhängen.» Als mutlos kann der Entscheid deshalb gesehen werden, weil die kantonalen Richtlinien über Strassenreklamen vom ersten Mai 2011 klar dem Stadtrat die Bewilligungsautorität überlassen. Daraus folgt: Der Stadtrat hätte die Bewilligung ohne weiteres erteilen können.

Sowohl bei Hugo Schmid als auch bei Bruno Schuler ist der Ärger inzwischen leisem Spott gewichen: Es liege damit auf der Hand, welche Gemeinde die weltoffenere Haltung einnehme.

Der Fall Brugg ist einzigartig

Der Fahnenlieferant Crazyflag beliefert mehrere andere Gemeinden mit solchen Fahnen. Der Fall Brugg sei in dieser Form einzigartig. Verkaufsleiter Roland Brauchli ist der Meinung, man müsse die ganze kantonale Verordnung über den Aushang von Plakaten und Fahnen ohnehin längst überarbeiten. Der Aargau sei diesbezüglich «in seinem Gründungsjahr 1798 stehen geblieben».