Brugg

Wo der Arbeitsweg ein Abenteuer ist – Lea Eichenberger ist Lehrerin in Sambia

Lea Eichenberger mit ihren Schülern in Lusaka.

Lea Eichenberger mit ihren Schülern in Lusaka.

Lea Eichenberger aus Villnachern arbeitet derzeit an einer Schule im Armenviertel der sambischen Hauptstadt.

Es ist ein Abenteuer, ja vielleicht sogar ein Wagnis: Die 26-jährige Villnacherin Lea Eichenberger ist für drei Jahre nach Lusaka gezogen. In der sambischen Hauptstadt ist die Primarlehrerin an einer Schule im Armenviertel tätig. Nach drei Monaten zieht sie nun erstmals Bilanz.

Rund eine Stunde dauert Lea Eichenbergers Arbeitsweg. In ihrem Bericht schreibt sie, wie dieser aussieht: «Sobald es hell wird, verlasse ich nach dem Abschliessen von insgesamt sechs Schlössern mein kleines Häuschen und warte am Strassenrand auf den nächsten Minibus. Da diese nicht nach Fahrplan verkehren, jedoch zahlreich vorhanden sind, dauert es meistens nicht lange, bis einer anhält und ich mich zu den anderen Mitfahrenden auf die Sitze oder auf deren Schoss zwänge. So startet die rasante und sehr holprige Busfahrt in Richtung Stadtzen­trum. Inzwischen ist sich mein Kopf an Beulen gewohnt und die meisten Hosen haben wegen der abstehenden Drähte oder nicht vorhandenen Polstern Risse. An einem grossen Busbahnhof ­steige ich um und suche inmitten eines unübersichtlichen ­Gewühls von Bussen und laut schreienden Ausrufern meinen zweiten Bus. Dieser bringt mich in das Armenviertel Matero im Norden Lusakas. Nach einem 15-minütigen Marsch durch den Compound, so werden die Armenviertel hier in Sambia genannt, und vielen ‹Muzungu! Muzungu!› (Weisse! Weisse!) Rufen, erreiche ich die Destiny Community School.»

Kurz nach 7 Uhr trifft Lea Eichenberger an ihrem Arbeitsort ein. Tritt sie durch das Schultor, wird sie von vielen Kindern freudig und von den Jüngeren mit einer Umarmung begrüsst. Sie geht von Schulzimmer zu Schulzimmer, sagt den Lehrern «Hallo» und nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch mit jedem. «Der für uns belanglos erscheinende Austausch nach Wohlergehen und Familie hat für die Sambier eine grosse Bedeutung», schreibt Lea Eichenberger. «So tausche ich auch viele Male ein ‹Muli Bwanji?› (Wie geht es dir?) mit den Schülern im Pausenhof aus.»

Zmittag gibt es nicht für jedes Kind

Der Schulalltag beginnt mit dem Wischen des gesamten Schulareals und dem Versprühen von Wasser auf dem sandigen Boden gegen den Staub. Den Tag verbringt die Villnacherin entweder in den verschiedenen Klassen und lernt so den Unterrichtsalltag kennen oder versucht mit der Schulleitung zu planen, in welchen Bereichen Veränderungen angestrebt werden sollen. Um 13 Uhr schrillt jeweils die Sirene und kündigt die Mittagspause an. Zeit, Nshima zu essen. «Zumindest für die Kinder, deren Familien sich zwei Mahlzeiten am Tag leisten können», schreibt Lea Eichenberger. «Nicht wenige der Schüler bleiben oft hungrig in der Mittagspause.» Der Unterricht dauert übrigens für alle Kinder täglich bis 16 Uhr. Eine Pause zum ­Spielen sei nicht üblich.

Sport in den eigenen vier Wänden

Nach den Besprechungen des Tages macht sich Lea Eichenberger dann wieder auf, um die lange Fahrt mit dem Minibus nach Hause anzutreten. «Diese ist jedoch am Abend – bedingt durch den Verkehr – um einiges länger und die enge Sitzordnung mit viel Körperkontakt sorgt für durchgeschwitzte Kleider», schildert sie die Situation. «Am Busbahnhof kaufe ich häufig nach Verhandlungen über den Preis frische Früchte oder Gemüse von den Marktfrauen und erreiche dann gerade rechtzeitig vor der schnell einbrechenden Dunkelheit mein Zuhause.» Das ist wichtig, denn in der Dunkelheit sollte sie nicht mehr zu Fuss unterwegs sein. Darum tobt sie sich dann in den eigenen vier Wänden noch sportlich aus, kocht etwas Kleines und geht dann jeweils früh zu Bett.

Bisher bereut sie ihren Entscheid, in Sambia zu arbeiten, nicht. «Ich durfte in den vergangenen Wochen viel Beeindruckendes und Berührendes erleben», schreibt sie. Lea Eichenberger leistet in Lusaka einen dreijährigen Einsatz in der sogenannten Personellen Entwicklungszusammenarbeit (Peza) an einer Community School. Organisiert ist der Aufenthalt von Comundo, einer Schweizer Organisation, die sich für weltweite soziale Gerechtigkeit einsetzt.

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