Riniken
Wo der Abfallsack in der Region Brugg dreimal mehr kostet als anderswo

Zwischen 1 und 3.20 Franken. So viel kostet ein Abfallsack in der Region Brugg. Am teuersten ist die Gemeinde Riniken. Trotz tieferen Entsorgungskosten will man an der hohen Gebühr festhalten.

Matthias Hausherr
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Wo kostet der Abfallsack in der Region Brugg am meisten? (Symbolbild)

Wo kostet der Abfallsack in der Region Brugg am meisten? (Symbolbild)

Keystone

Die Abfallwirtschaft ist Sache der Gemeinden. Die Tarife für den Hauskehricht liegen in der Kompetenz von Gemeinde- und Stadtrat und können von ihnen angepasst werden. Gemäss dem Umweltschutzgesetz des Bundes und des Kantons soll die Abfallwirtschaft im Grundsatz aber kostendeckend und verursachergerecht ausgestaltet sein. Bei den Kehrichtsäcken haben im Bezirk Brugg mittlerweile alle Gemeinden verursachergerechte, das bedeutet mengenabhängige Abfallgebühren mit Abfallmarken eingeführt. Es gibt grosse Tarifunterschiede. In Schinznach beispielsweise kostet eine 35-Liter-Abfallmarke Fr. 1.50. Die gleiche Marke kostet in Riniken mehr als doppelt so viel, nämlich Fr. 3.20.

Neben Riniken gibt es weitere Gemeinden, in denen man für eine Abfallmarke 3 Franken bezahlen muss. Demgegenüber stehen sechs Gemeinden, in denen eine vergleichbare Abfallmarke weniger als 2 Franken kostet. Neben Schinznach sind dies Auenstein, Mandach, Schinznach-Bad, Veltheim und Windisch. Auf Anfrage bestätigen drei dieser Gemeinden, dass die derzeitigen Abfallgebühren kostendeckend sind.

Sinkende Entsorgungskosten

Die mit Abstand günstigste Gemeinde im Bezirk ist Mandach. Dort zahlt man für eine 35-Liter-Marke seit Anfang dieses Jahres nur noch 1 Franken. Doch dieser Tarif ist laut Gemeindeammann Lukas Erne nicht kostendeckend. Grund für die enorme Preisreduktion von zuvor Fr. 2.50 seien Rückstellungen in der Abfallkasse von mehreren zehntausend Franken. Die Gelder aus den Gebühren sind für die Abfallwirtschaft zweckgebunden. «Diese grossen Rückstellungen will man nun abbauen und an die Bevölkerung zurückgeben», sagt der Mandacher Gemeindeammann auf Anfrage. Er rechnet mit rund 2 Jahren, in denen die Abfallgebühren so tief bleiben sollen. Danach müssten die Tarife wieder angepasst werden, um die Kosten langfristig decken zu können.

Neben Mandach gibt es weitere Gemeinden, die ihre Gebühren auf dieses Jahr hin oder schon früher reduziert haben. Der Grund dafür liegt auch hier in Ertragsüberschüssen in den letzten Jahren. Einerseits weil die Gebühren zu hoch angesetzt waren, andererseits weil auch die Preise der Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) in Turgi – wo die meisten Gemeinden im Bezirk Brugg ihren Kehricht entsorgen – und in Buchs in den letzten zwei Jahren gesunken sind. Von allen Gemeinden im Bezirk Brugg hat einzig Thalheim die Gebühren in den letzten fünf Jahren von Fr. 1.60 auf neu 2 Franken erhöht, um einen neuen Entsorgungsplatz zu finanzieren.

Die teuersten Abfallmarken im Bezirk hat die Gemeinde Riniken. Gemäss Gemeindeammann Ueli Müller ist momentan auch nicht vorgesehen, diese Gebühren zu senken. «Die Gemeinde hat zurzeit mehrere zehntausend Franken in der Abfallkasse, die wir benötigen, um allfällige Aufwände decken zu können.» Im letzten Jahr wurde etwa in die Neugestaltung des Entsorgungsplatzes investiert, sodass von diesen Rückstellungen gezehrt werden musste. Hinzu kommt, dass die Gemeinde mit den hohen Kosten für die Graugutentsorgung die Grüngutentsorgung quersubventioniert.

Laut Ueli Müller ist dies dadurch gerechtfertigt, dass es ein zusätzliches Ziel der verursachergerechten Abfallgebühren sei, die Leute zum Abfalltrennen zu bewegen. «Durch die Quersubventionierung der Grüngutentsorgung werden mehr Leute dazu animiert, ihre Abfälle zu trennen. Müsste die Grünabfallwirtschaft ihre Kosten selber decken, würden die Leute ihren Abfall nicht mehr in diesem Ausmass trennen», so der Gemeindeammann.

Gebühren wirken bedingt

Tatsächlich hat Riniken von allen Gemeinden im Bezirk Brugg, die ihre Abfälle in der KVA Turgi entsorgen, die tiefste Abfallmenge pro Kopf. In Riniken beträgt der entsorgte Abfall pro Jahr 102 Kilogramm pro Einwohner. In Veltheim, wo eine Gebührenmarke für einen 35-Liter-Kehrichtsack nur halb so viel – nämlich Fr. 1.60 – kostet, ist die zu entsorgende Abfallmenge pro Einwohner und Jahr hingegen rund doppelt so gross.

Laut Peter Ender, Direktor der KVA Turgi, ist aber nicht alleine die Höhe der Gebühren massgebend: «Wir beobachten, dass die Abfallmenge bei Einführung einer Gebühr sofort auf rund die Hälfte einbricht und dann wieder auf 75 Prozent der früheren Menge ansteigt, wo sie sich relativ stabil einpendelt. Dies unabhängig davon, wie hoch die Gebühren sind.»

Noch höher als in Riniken ist die Abfallmenge pro Kopf in Birrhard. Die Einwohner von Birrhard produzieren rund 220 Kilogramm Abfall pro Jahr. Die Abfallgebühr beträgt Fr. 2.20. Je nach Abfallreglement der Gemeinden wird dabei aber auch der Abfall aus Industrie und Gewerbe mitgezählt, falls dieser Abfall nicht von den Unternehmen selber nach Turgi gebracht wird.

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