Villigen
Wissenschaft weckt alte Instrumente aus ihrem Dornröschenschlaf

Wie klang ein Blasorchester in früheren Zeiten? Das erforschten die Hochschule der Künste Bern und das PSI Villigen gemeinsam. Jetzt wurden ihre ersten Ergebnisse an einem Konzert im Neutronenraum des PSI vorgestellt.

Vera Frey
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Im speziellen Rahmen der Neutronenhalle im PSI erklingen die 150-jährigen Instrumente erstmals wieder im Zusammenspiel. Vera Frey

Im speziellen Rahmen der Neutronenhalle im PSI erklingen die 150-jährigen Instrumente erstmals wieder im Zusammenspiel. Vera Frey

Vera Frey

Seit 2011 ging die Hochschule der Künste Bern in Zusammenarbeit mit dem PSI Villigen, Instrumentenbauern und einem Projektorchester des Schweizerischen Militärspiels in einem interdisziplinären Forschungsprojekt folgenden Fragen nach: Wie hat ein Blasorchester zu seinen Anfangszeiten geklungen und wie ist es möglich, diesen Klang heute wiederherzustellen?

Die ersten Ergebnisse wurden im Rahmen eines Konzerts mit Kurzpräsentationen der beteiligten Forscher in der Neutronenhalle des PSI vorgestellt. Das Dilemma von alten Instrumenten besteht laut Projektleiter Adrian von Steiger darin, dass diese häufig aus Angst vor dem Zerfall «in Museen stillgelegt und so ihrem Zweck des Musikmachens beraubt werden».

Dies sei im Bereich der Blasinstrumente ein bisher ungelöstes Dilemma. Zu dessen Lösung gäbe es jedoch zwei Ansätze: Zum einen können die Instrumente nachgebaut und so zumindest der Klang erhalten bleiben, zum anderen können die alten Instrumente so schonend genutzt werden, dass keine Schäden entstehen.

150-jährige Saxhörer überprüft

Der erste und nun abgeschlossene Teil der Forschung widmete sich dem Nachbau der historischen Instrumente. Zu diesem Zweck mussten die 150-jährigen Saxhörner eingehend auf Material und Verarbeitungstechnik untersucht werden. Diese Aufgabe übernahmen die Abteilung Neutron Imaging and Activation Group (NIAG) des PSI und David Mannes.

Er stellte die Methode des «Neutron Imaging» vor, die ähnlich funktioniert wie die Erstellung von Bildern mit Röntgenstrahlen und mit deren Hilfe digital auch dreidimensionale Modelle der Instrumente erstellt werden können.

Angaben für exakten Nachbau

So ist es den Forschern gelungen – ohne die Instrumente zerstören zu müssen – Angaben für einen exakten Nachbau der Instrumente zu liefern.

Den praktischen Beweis für die Berechtigung dieser aufwendigen Forschungsarbeit lieferte das Konzert von Musikern des Schweizer Armeespiels; die meisten junge Berufsmusiker oder Musikstudenten, die normalerweise in einem der vier Eliteorchester des Armeespiels ihren Militärdienst leisten.

Sie spielten – mit einer Ausnahme – auf den originalen Blechblasinstrumenten aus dem 19. Jahrhundert. Dazu passend erklang Musik von Ale-xandre-Charles Fessy, Edmond Juvin und Jules Demersseman, die aus dem Umfeld des belgischen Instrumentenbauers und Musikers Adolphe Sax, dem Entwickler des Saxofons und der Saxhörner, stammen.

Zeit der ersten Brassbands

Die historischen Instrumente sind in ihrem Klangvolumen zwar etwas eingeschränkt. Die jungen Musiker unter der Leitung von Oberst Philipp Wagner machten dies jedoch mit äusserst differenzierter Dynamik längstens wieder wett.

Und so konnten die Konzertbesucherinnen und -besucher vor allem den ausgewogenen und weichen Klang dieser Instrumentenzusammensetzung geniessen und sich – zumindest bei geschlossenen Augen – ganz in die Zeit der ersten Brassbands versetzt fühlen.