Entlang der Bahnhofstrasse in Lupfig spriessen die Firmen fast wie Pilze aus dem Boden. Gleich hinter dem markanten Gebäude von Stiebel Eltron hat Festo Schweiz einen modernen Neubau erstellt und vor kurzem den Hauptsitz von Dietikon in den Aargau verlegt.

Nach 3,5 Jahren intensiver Planung sei aus einem grünen Stück Wiese ein weisser Schwan entstanden, sagte CEO Bruno Huber an der offiziellen Einweihung. Lange bevor man von Globalisierung sprach, gründete das deutsche Unternehmen in der Schweiz und in Italien die ersten Zweigstellen.

«Die ersten Verkaufsaktivitäten in der Schweiz fanden vor 58 Jahren am Zürcher Bellevue statt», erzählte Senior-Gesellschafter Kurt Stoll von der Gründerfamilie. Er lobte die effiziente Zusammenarbeit am neuen Standort und die beteiligten Baufirmen, die «für echte Schweizer Qualität» sorgten.

Sohn Curt-Michael Stoll räumte zwar ein, dass das Leben mit der Schweiz seit der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar schwieriger geworden sei. Ausschlaggebend für die Investition in der Schweiz sei aber die technische Überlegenheit gewesen. Und diese dürfe auf keinen Fall dem Preiskampf zum Opfer fallen, so Curt-Michael Stoll.

Aargau Services half beim Umzug

Bildungsminister Alex Hürzeler, sprach der Festo den Dank der Aargauer Regierung aus, nicht nur auf den Vertriebsplatz, sondern auch auf den Werkplatz Schweiz zu setzen.

Dass der Entscheid für den Neubau auf den grössten Industriekanton im Land fiel, sei auch der kantonalen Standortförderung Aargau Services zu verdanken.

Sie war es nämlich, die für Festo mehrere Grundstücke evaluierte und das Unternehmen beim Umzug ins Eigenamt begleitete. Alle Beteiligten hätten jederzeit mitgeholfen, schnelle und unbürokratische Entscheide zu treffen, sagte Hürzeler. Das galt auch für die Gemeinde Lupfig.

Gemeindeammann Richard Plüss betonte: «Festo passt gut zu unserem Industrieareal und bereichert die Branchenvielfalt.» Das trage zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Denn es sei sehr unwahrscheinlich, dass alle Branchen gleichzeitig in eine Krise geraten.

In Anspielung auf den nicht ganz ausgeschöpften Baukredit überreichte Plüss der Firma Festo eine Lupfiger Fahne und sagte: «Vielleicht reicht das Geld ja noch für die Anschaffung einer Fahnenstange vor dem Neubau.»

Kreativecke für Angestellte

Mit dem Umzug vom Kanton Zürich in den Aargau hat sich der Arbeitsweg für einige Mitarbeitende leicht verlängert und für andere verkürzt. Auch im kompakten Neubau wird grossen Wert auf kurze Wege gelegt.

Das Treppenhaus und die Korridore sind bewusst breit angelegt, damit sich die Leute begegnen sowie in der Kreativecke entweder auf einem grossen Sitzsack ausruhen oder an der weissen Wand zeichnen können.

«Seltsamerweise getraut sich bisher kaum jemand, sich hier auszuspannen», verriet Hansruedi Hager von der Geschäftsleitung auf dem Rundgang. Auch das Kundenkontaktcenter ist ein offener Raum. Mit Teppich sowie schallschluckenden Schränken und Decken wurde darauf geachtet, dass die Arbeitsatmosphäre angenehm ist.

Der Blick fällt auf die Sonnenterrassen mit den grossen Schirmen, die sich – wie könnte es bei Festo anders sein – automatisch öffnen lassen. Mit Luftkugeln gefüllte Decken halfen mit, Baumaterial einzusparen. Zum neuen Hauptsitz gehören neben der Planungs- und Entwicklungsabteilung auch Lager, Produktionshallen und mindestens so wichtig die Seminarräume Festo Didatic mit unterschiedlichen Lernsystemen für Kunden, Lernende und Studierende.