Gewerbe
«Wirtschaftlich am Anfang der Krise»: So reagiert die Stadt Brugg auf die Coronakrise

Appell an die Solidarität: So reagieren die Stadt und der Gewerbeverein Zentrum Brugg auf die Auswirkungen der Coronapandemie.

Janine Müller
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Dietrich Berger, Präsident, Zentrum Brugg, und Barbara Horlacher, Stadtammann Brugg

Dietrich Berger, Präsident, Zentrum Brugg, und Barbara Horlacher, Stadtammann Brugg

zVg/AZ

Die Stadt Aarau greift ihren Gewerbetreibenden mit Krediten unter die Arme, Baden unterstützte die Gründung eines Einkaufsdiensts. Von der Stadt Brugg hingegen erhalten die lokalen Gewerbetreibenden keine finanzielle Unterstützung. Das sagt Frau Stadtammann Barbara Horlacher auf Nachfrage. Dies, obwohl ein Gewerbetreibender sich bei der Stadt erkundigt hat, ob diese ein Unterstützungsangebot für Kleinbetriebe analog zu Aarau anbietet.

Bezüglich Mieten reagiert die Stadt aber. «Verschiedene Mieter von städtischen Gewerbeliegenschaften haben sich mit der Bitte um Mietzinsreduktion an die Stadt gewandt», sagt Horlacher. «Um Härtefälle zu vermeiden, hat der Stadtrat entschieden, die Mietzinse von sämtlichen Gewerbeliegenschaften, die durch die Einwohner- und Ortsbürgergemeinde Brugg vermietet werden, für die Monate April bis Juni 2020 zu stunden.»

Stadt definierte drei weitere Massnahmen

Die Stadt hat zudem drei weitere Massnahmen definiert, die zur Entlastung der Unternehmen und Privatpersonen beitragen sollen: Kreditorenzahlungen werden umgehend ausgelöst, was der üblichen Praxis entspricht. Zum Tragen kommen auch die vom Kanton vorgegebene steuerliche Massnahmen im Zusammenhang mit der Coronapandemie wie zum Beispiel das Einreichen der Steuererklärung. Weiter können budgetierte Beitragszahlungen im Bereich Kultur jederzeit abgerufen werden.

Horlacher weist weiter auf die guten Netzwerke hin, die in Brugg bestehen. Beispielsweise im Bereich Alter mit der Koordinationsstelle Alter oder dem Seniorenrat. «Erfreulicherweise wurde mit ‹Brugg hilft – jetzt› auf privater Initiative sehr schnell ein Angebot zur Nachbarschaftshilfe aufgebaut», sagt Horlacher. «Die Stadt ist sehr froh über all diese Angebote und unterstützt bei deren Bekanntmachung.» Der Dank gehe an all jene, die sich in dieser Zeit engagieren.

Wie verändert sich das Konsumverhalten?

Bis anhin bezüglich allfälligen Hilfeleistungen noch keinen Kontakt zum Stadtrat aufgenommen hat der Gewerbeverein Zentrum Brugg. Das Brugger Gewerbe sei unterschiedlich stark von der Krise betroffen, sagt Präsident Dietrich Berger. «Aber wir stehen wirtschaftlich gesehen am Anfang der Krise. Da kommt noch eine grosse Welle im Frühsommer.» Das lokale Gewerbe versuche zwar, – wo möglich – mit Online-Handel oder Online-Beratungen etwas zu kompensieren. «Die Detaillisten stehen da aber in sehr starker Konkurrenz zu den grossen Online-Händlern», sagt Berger. Er sei aber überzeugt, dass durch die Krise «sehr viele Innovationen entstehen werden». Aus Sicht von Berger stellt sich auch die Frage, wie sich das Konsumverhalten nach der Krise verändert. Zum Beispiel, ob der Online-Handel nochmals einen Boost erfährt.

Berger, der ein offenes Ohr für die Vereinsmitglieder signalisiert, hofft auf die Solidarität der Bevölkerung, damit sich das lokale Gewerbe rasch erholt. «Kaufen Sie hier ein, bestellen Sie ihre Waren nicht online und wenn, dann bei Händlern aus der Region», appelliert er. Dienstleistungen und Handwerkerarbeiten sollen nur aus der Region bezogen werden. «Wenn wir alle zusammenstehen und uns gegenseitig unterstützen, können wir das schaffen.»

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