Thalheim

Wirtschaft und Glaube sind für Simon Hostettler kein Widerspruch: «Das E abzulegen, wäre undenkbar»

Will das «Zünglein an der Waage» sein: Simon Hostettler auf der alten Aarebrücke in Brugg.

Will das «Zünglein an der Waage» sein: Simon Hostettler auf der alten Aarebrücke in Brugg.

Simon Hostettler aus Thalheim will für die EVP in den Grossen Rat. Er bezeichnet sich selbst als Ordoliberalisten. So solle der Staat zwar gewisse Rahmenbedingungen festlegen, darin müsse sich aber die Wirtschaft frei entfalten können.

«Der Glauben ist etwas, das mein ganzes Leben prägt», sagt der 23-jährige Simon Hostettler. Für die Evangelische Volkspartei (EVP) kandidiert der Wirtschaftsstudent auf Listenplatz Nummer 5 im Bezirk Brugg für die Grossratswahlen am 18. Oktober. Aufgewachsen auf dem Chilholzhof, einem abgelegenen Bauernbetrieb mit Mutterkuhhaltung in der Bergzone I der Gemeinde Thalheim, interessierte sich Hostettler schon früh für das politische Geschehen.

Sein christlich geprägtes Elternhaus machte einen Beitritt zur EVP naheliegend. «Es war eine sehr bewusste Entscheidung von mir», sagt Hostettler und meint damit nicht nur die Parteiwahl, sondern auch seinen Weg, «Jesus zu folgen», wie er sagt. Nach einer Lehre als Bankkaufmann studiert er nun im fünften Semester Volkswirtschaftslehre, Angewandte Wahrscheinlichkeit und Statistik an der Universität Zürich. «Die Wirtschaft liegt mir am Herzen», sagt Hostettler. In Wirtschaftsfragen vertritt er liberale Ansichten, setzt sich für einen schlanken Staat ein. Tatsächlich stimmen viele seiner Positionen mit jenen des Freisinns überein.

Umweltschutz lässt sich staatlich nicht verordnen

Als Ordoliberalisten bezeichnet Hostettler sich selbst. So solle der Staat zwar gewisse Rahmenbedingungen festlegen, darin müsse sich aber die Wirtschaft frei entfalten können. «Unternehmen sollen die Freiheit haben, innovativ zu sein», sagt er. Das unternehmerische Tun sieht er denn auch als «Gottes Geschenk». Die liberale Gesinnung setzt sich auch beim Umweltschutz durch, einem Thema, das sich die EVP ganz oben auf die Wahlagenda gesetzt hat. «Umweltschutz kann man nur schwer staatlich verordnen», sagt Hostettler. «Es muss eine persönliche Einstellung sein.»

Alle Grossratskandidaten aus dem Bezirk Brugg

Beim Thema Ökologie hofft er darauf, dass Unternehmen das Bedürfnis der Kunden nach mehr Umweltschutz aus ei­genem, ökonomischem Interesse umsetzen. So offen er sich in Wirtschaftsanliegen zeigt, so zurückhaltend ist er gesellschaftlichen Themen gegenüber. Er spricht sich etwa gegen die «Ehe für alle» aus. Zwar sei er nicht dagegen, homosexuellen Paaren eine fast gleichwertige Stellung zu ermöglichen, der Begriff Ehe solle aber weiterhin für einen Mann und eine Frau als Paar gelten. Zudem würden weiterführende Fragen wie die Samenspende für lesbische Paare oder das Thema Leihmutterschaft noch nicht ausreichend diskutiert. In jedem Falle müsse das Wohl des Kindes an oberster Stelle stehen.

«Das E abzulegen, wäre für die EVP undenkbar», sagt Hostettler, der seit April 2019 das Amt des Präsidenten der jungen EVP Aargau innehat. «Es ist unsere Aufgabe, die christ­lichen Werte in der Politik einzubringen.» Tatsächlich verbindet die Mitglieder der Evange­lischen Volkspartei ein zentrales Thema: der Glaube an Gott. «Die EVP wird durch gemein­same Werte zusammengehalten, nicht durch Positionen», sagt Hostettler. Diese Heterogenität an politischen Ansichten zeichne die Partei aus.

Von manchen wird er für seine Gesinnung belächelt

«Gott zwingt niemanden, an ihn zu glauben», sagt Hostettler. So bedauert er zwar die steigende Anzahl an Konfessionslosen, sieht aber auch die Kirche selbst in der Pflicht. «Die Kirche muss offener werden.» So würde er es begrüssen, wenn auch der EVP mehr Katholiken oder gar Muslime beitreten würden.

Als junger religiöser Mann trifft Hostettler nicht nur auf Verständnis in seinem Umfeld: «Die meisten meiner Freunde finden es gut, dass ich mich politisch engagiere.» Nur wenige würden sich am E seiner Partei stören. Die jüngere Generation ruft er dazu auf, sich aktiv an der Politik zu beteiligen: «In einem freien Land wie der Schweiz zu leben, mit einer direkten Demokratie, um die uns viele beneiden, zieht auch Verantwortung mit sich. Wir müssen dieses Privileg zu schätzen wissen.»

Die Aufgabe der kleinen EVP im Grossen Rat sieht er in der Funktion als Brückenbauerin zwischen den grossen Parteien: «Wir stehen für Verhandlungen und Kompromisse ein und können als Zünglein an der Waage so zu griffigen Lösungen beitragen.» Dazu möchte auch er seinen Beitrag leisten, sollte er – «mit Gottes Hilfe» – in den Grossen Rat gewählt werden.

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