Scherz

Wirtin Tamara Richner suchte einen Koch – und fand eine neue Liebe

Sind beruflich und privat ein Paar: Küchenchef Daniel Zurkinden und Wirtin Tamara Richner im «Leue»-Saal.

Sind beruflich und privat ein Paar: Küchenchef Daniel Zurkinden und Wirtin Tamara Richner im «Leue»-Saal.

Mit dem «Leue» hat Tamara Richner nochmals den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Bei der Suche nach einem neuen Koch fand sie sogar einen neuen Partner. Mittlerweile finden auch alte Stammgäste aus «Cockpit»-Zeiten den Weg nach Scherz.

Tamara Richner ist Gastgeberin aus Leidenschaft. 15 Jahre lang wirtete die sie im Restaurant Cockpit auf dem Flugplatz Birrfeld. Anfangs gemeinsam mit ihrem Mann, nach dessen Tod als Geschäftsführerin des neu gegründeten Restaurants Cockpit Birrfeld AG. Nach drei Jahren als Angestellte entschloss sich die 55-Jährige, ihren eigenen Weg zu gehen. Bekannt und verankert in der Region, wollte sie das Eigenamt nicht verlassen. «Nach so vielen Jahren kennt man mich hier und ich kenne meine Gäste», sagt sie.

Durch einen Stammgast, der im Immobilienhandel tätig ist, bekam sie den Hinweis, dass der «Leue» in Scherz allenfalls etwas für sie wäre. Tatsächlich hatte das damalige Wirtepaar Yong Ly und Hans Fiebig entschieden, sich nach dreijähriger Tätigkeit in Scherz, beruflich neu zu orientieren. So konnte Richner die Pacht des traditionsreichen Lokals – mit der schmucken Terrasse unter den Linden, nur einen Steinwurf vom Dorfbrunnen entfernt – übernehmen. Für den «Leue» zog Richner von Lupfig nach Scherz und wohnt nun keine 100 Meter von ihrem Lokal entfernt.

Beruflich waren die beiden auf Anhieb ein Team

Nun hatte Richner zwar ihr Restaurant gefunden, noch fehlte aber ein Küchenchef. Empfohlen wurde ihr Daniel Zurkinden. Der Mägenwiler hat selbst schon als Wirt verschiedene Restaurants geführt, darunter den «Lindenberg» in Muri und den «Löwen» in Schwarzenbach LU. Geschäftlich harmonierten die beiden sofort. Sie teilen die gleichen Vorstellungen und denselben gastronomischen Hintergrund. Und aus der Arbeit wurde Liebe. Seit ein paar Monaten sind die beiden auch privat ein Paar. «Wir sind ein super Team», sagt Richner und meint damit nicht nur sich und ihren Partner, sondern auch die beiden Angestellten. «Jeder macht ein bisschen alles. Wir helfen uns gegenseitig», sagt sie.

Die Verantwortungsbereiche haben die beiden allerdings klar getrennt: «Ich rede ihm in der Küche nicht drein und er mir nicht im Service. Wir bemühen uns jedenfalls beide», sagt Richner schmunzelnd. Die Menuplanung obliegt Zurkinden, während Richner für die Dekoration der Gaststube zuständig ist. Schwarz-weiss-Fotografien an der Wand zeugen von der bewegten Vergangenheit des ehrwürdigen Restaurants.

Der Pizzaofen dient nur noch der Gemütlichkeit

1913 erbaut, fanden während Jahrzehnte im grossen Saal sowohl die Gemeindeversammlungen als auch das Schulturnen und das Brötliexamen sowie Vereinsanlässe statt. Auch das erste Telefon des Dorfs wurde im «Leue» installiert. Mehrfach wurde das Gebäude umgebaut und ergänzt. Nach kleinen Renovationsarbeiten eröffneten Richner und Zurkinden ihren «Leue» am 15.November 2019.

Nachdem das Lokal in den vergangenen Jahren unter diversen Vorpächtern einmal zur Pizzeria, dann zum Asiaten mutierte, fokussiert sich das Duo wieder auf die gutbürgerliche Schweizer Küche. Kalbsläberli, Züri-Geschnetzeltes und Ochsenmaulsalat stehen auf der Karte. Steckenpferd von Zurkinden sind seine reich gefüllten Cordon bleus in allen Variationen. Unter der Woche gibt es jeweils zwei täglich wechselnde Menus und einen Wochenhit. Gekocht wird frisch und regional. Der Pizzaofen in der Gaststube, der noch von einem Vorgänger stammt, wird im Winter jeweils eingefeuert, der Gemütlichkeit halber. Bei Gelegenheit wird aber auch schon einmal ein Schmorbraten darin zubereitet.

Nach dem Lockdown ist der «Leue» nun seit dem 11. Mai wieder geöffnet. Viele Gäste, auch Stammgäste aus «Cockpit»-Zeiten, finden den Weg nach Scherz. Wie bereits im letzten Jahr, soll im November eine Metzgete stattfinden und im Dezember dann der «Sau-Jass», bei dem in Zweierteams um Fleischpreise gejasst wird.

Aargauer Gastro-News 2020

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