Bözen
Wirtepaar Kistler feiert im Gasthaus zum Bären gleich zwei Jubiläen

Das Ehepaar Getty und Hans Kistler wirtet seit 25 Jahren im 500-jährigen Gasthaus zum Bären in Bözen.

Irene Hung-König
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1517 errichtete der Berner Rat die Taverne in Bözen.
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Hans Kistler arbeitete früher als Gärtner und in einem Gstaader Blumenladen, Getty Kistler kam vom Kaufmännischen und wollte eigentlich nicht wirten.
Die Gaststube mit der «Chouscht», in der Hans Kistler heute noch Brot bäckt.
Gasthaus zum Bären Bözen

1517 errichtete der Berner Rat die Taverne in Bözen.

Mario Heller

Seit 1753 ist das Gasthaus zum Bären im Familienbesitz der Kistlers. Dass mit Getty und Hans Kistler die 8. Generation während nunmehr 25 Jahren wirtet, war zunächst unklar.
Ein Montagnachmittag im Juni: Bei schönstem Wetter geniessen die Stammgäste «ihre Beiz», lachen und scherzen.

Sie sitzen in der Gartenwirtschaft am runden Tisch, Autos und Lastwagen fahren auf der Hauptstrasse vorbei. Vorbei am eisernen Bären, den der Effinger Künstler Daniel Schwarz geschaffen hat. 1517 errichtete der Berner Rat die Taverne, in der Gericht gehalten wurde. «Die neuen Herren bestimmten Bözen als Gerichtssitz. Der Gerichtskreis umfasste die Dörfer Bözen, Effingen und Elfingen», heisst es in der «Bären»-Chronik.

Volksfest zur Jubiläumsfeier

Getty und Hans Kistler sitzen in der Gartenwirtschaft. «Seit über 15 Jahren feiern wir an Auffahrt ein Fest. Da diesmal die Jubiläen 500 und 25 Jahre zusammenkamen, haben wir dies in die Festivitäten eingebunden», sagt Hans Kistler. «Das halbe Dorf ist gekommen und feierte mit uns.» Auf der Kutsche sitzend, gezogen durch den Feldschlösschen-Sechsspänner, genossen die Kistlers mit ihren Söhnen Sven und Lars das Fest. «Feldschlösschen gehört auch zur Geschichte, denn über 120 Jahre bezogen wir von dort das Bier.» In Bözen, früher eine der grössten Weinbaugemeinden, war es verpönt, Bier zu verkaufen. «Wer das gemacht hat, war ein halber Verbrecher», sagt Hans Kistler und lacht.

Die Firma Feldschlösschen spielte auch sonst eine wichtige Rolle in Kistlers Leben: Bevor er ins Wirtebusiness einstieg, arbeitete er dort als Gärtner. Seine Frau Getty kam vom Kaufmännischen, half hie und da mal ihren späteren Schwiegereltern in der Beiz aus und sagte zunächst: «Ich wirte nicht.» Später machte sie die Wirteprüfung und ehe die beiden 1992 den Bären von Hans Kistlers Eltern übernahmen, absolvierten sie eine sechswöchige Stage bei einem befreundeten Wirt: «Das war toll, dort haben wir sehr viel gelernt», sagt Getty Kistler.

Blumen für Roger Moore

Doch bevor es soweit war, zog es Hans Kistler in die Berge. «Ich wollte einfach Ski fahren und arbeitete während zweier Saisons in einem Gstaader Blumenladen.» Noch heute strahlt er, wenn er erzählt, wie er den Stars Roger Moore und Liz Taylor Blumen in ihre Chalets lieferte. «Da fühlte ich mich selbst wie ein Star.» Der «Bären»-Wirt schwelgt in Erinnerungen und beschreibt, wie ihn sein Chef zu Gunter Sachs beorderte, um dessen Pool von Blättern zu säubern. «Diese Arbeit dauerte eigentlich nicht sehr lange, doch ich brauchte vier Stunden», sagt er lachend. So war er auch oft im Hotel Palace, schlenderte dort durch die Küche und kam mit den Köchen ins Gespräch. Das Ambiente in der Gastroszene, verbunden mit dem Glamour gefiel ihm.

Weniger glitzernd, dafür umso arbeitsintensiver waren die bislang 25 Jahre im «Bären». Das Positive überwiege, bestätigen die beiden. «Doch wir hatten auch unsere Höhen und Tiefen», gesteht Getty Kistler. Täglich zusammenzuarbeiten, die Buben erziehen und auch die Sorgen der Gäste anzuhören, sei auch anstrengend gewesen.

Exotisches aus Sri Lanka

Heute ist der «Bären» für seine gutbürgerliche Küche und seine Metzgete bekannt. Exotisches gibts, wenn Kellner Kuru und Koch Aki aus Sri Lanka das Buffet mit ihren Speisen herrichten. «Die kochen so, wie sie es zu Hause in Sri Lanka machen. Da kann ich voll dahinterstehen», erklärt Hans Kistler.

Hans Kistler steht auf, läuft in Richtung Hauptstrasse, um den Gästen «sein» Gasthaus zu zeigen. Stolz zeigt er auf die früheren Pferdestallungen, die einst als Pferdewechselstationen genutzt wurden. Gleich daneben ist die Gasthaus-Eingangstür, die den Blick freigibt auf die 500-jährige Treppe: «Das muss man sich vorstellen: Diese Treppe ist 500 Jahre alt, hat 1618 bis 1648 den 30-jährigen Krieg erlebt, die Hungersnot um 1800 sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg.» Über die Treppe gehts hinauf in die Gaststube mit der «Chouscht», in der Kistler heute noch Brot bäckt. Nebenan ist das Säli, das heute 35 Personen Platz bietet und wo früher Tanz- und Theaterabende stattfanden. Einen Stock höher befinden sich vier Gästezimmer und ans Gasthaus angebaut sind das ehemalige Tenn mit Stall. Die 2001 umgebaute Bären-Scheune wird für grössere Anlässe gebucht und hat Platz für 60 Personen.

Mittlerweile sind einige Stammgäste gegangen, neue hinzugekommen. «Dass nachmittags um drei Uhr so viele Leute hier sind, ist nicht selbstverständlich», meint Getty Kistler. Kistlers und ihr «Bären» – das gehört zusammen.

500 Jahre Gasthaus zum Bären, Auszug aus der «Bären»-Chronik. Geschrieben von Hans Kistler, Vater des heutigen Wirts

1517 errichtete der Berner Rat die Taverne in Bözen.

1753 müssen vermutlich die Kistlers den «Bären» übernommen haben. Ein Sohn war Bäcker, vis-à-vis vom «Bären». Jakob Kistler war Wirt. Ausserdem gab es noch einen Kaspar Kistler.

1819 muss ein grösserer Umbau stattgefunden haben, denn das antike Buffet im Restaurant trägt diese Jahreszahl.

1900 Um die Jahrhundertwende war der ganze vordere Stock ein Saal für rund 100 Personen, in welchem grössere Bankette stattfanden.

1910 wurde das erste Telefon für das ganze Dorf im «Bären» eingerichtet. Dort, wo sich heute der Kühlraum befindet, wurde extra ein Zimmer zur Verfügung gestellt.

1920 baute Reinhard Kistler diesen Saal in Zimmer um. Diese waren nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zur Autobahn-Eröffnung durch den Belchen sehr begehrt. Bei einer Zimmerrenovation kamen hinter alten Tapeten bis zu 300-jährige Unterschriften von Gästen aus halb Europa hervor. Eine Fuhrhalterei war lange Zeit ein weiterer Erwerbszweig im «Bären».

1932 Hinter der Küche war der sogenannte Tanzboden, der 1932 beim Sausertanz teilweise einstürzte. Einige Tanzpaare landeten im Keller auf einem Runkelnhaufen.

1934 wurde der Saal neu aufgebaut und zwar mit der damals modernsten Bühne in der Gegend. Bis zum Bau der Turnhalle.

1962 fanden alle Veranstaltungen wie Tanzanlässe und Theater darin statt. Während der Kirchenrenovation wurde gar der Gottesdienst während eines Jahres darin abgehalten. Die Kriegsjahre sind nicht (mehr) dokumentiert: «In der Chronik meines Vaters hat er die Seiten dieser furchtbaren Zeit herausgerissen. Denn damals galt das Kriegsrecht. Auch in Bözen waren fast ein Jahr lang vier Kompanien, eine davon im Bärensaal, und über 100 Pferde einquartiert.»

Anfang der 1960er-Jahre wurde die «Metzgete» eingeführt.
1992 übergaben Hans und Sylvia Kistler das Gasthaus an die 8. Generation mit Hans und Getty Kistler

2001 wurden das einstige Tenn und der Stall zur «Bären-Scheune» umgebaut.

2017 Jubiläumsjahr mit kulinarischen Lesungen der Gasthaus-Geschichte in der «Bären-Scheune». Die erste findet am 30. Juni statt.