Rüfenach

Wirt des «Blauen Engels» feiert sein 10-Jähriges – trotz Krise

Christophe «Kiki» Martin: «Ich denke, dass wir im Juni – in irgendeiner Form – wieder aufmachen dürfen.»

Christophe «Kiki» Martin: «Ich denke, dass wir im Juni – in irgendeiner Form – wieder aufmachen dürfen.»

Christophe «Kiki» Martin, der Wirt des «Blauen Engels» in Rüfenach, feiert Jubiläum liefert Festtagsmenü an Stammkunden.

Heute feiert Wirt Christophe «Kiki» Martin sein 10-Jahr-Jubiläum im «Blauen Engel» in Rüfenach. 2010 übernahm er die Pacht der altehrwürdigen Speisewirtschaft. Jedes Jahr wird seither der Jubiläumstag mit einem Festessen im Restaurant gefeiert. Nicht so in diesem Jahr. Die Coronakrise und der Lockdown des Bundesrats machen den Plänen des Wirts einen Strich durch die Rechnung. Das Lokal ist seit dem 17.März geschlossen.

Der gebürtige Romand – der Vater Lausanner, die Mutter Badenerin – verbrachte den Grossteil seiner Kindheit in Baden. Bereits als Kind besuchte er mit der Familie jeweils den «Blauen Engel», nicht wissend, dass er diesen eines Tages führen würde. 20 Jahre lang war Martin als Sportjournalist tätig, bevor es ihn in die Gastronomie zog. «Der Journalismus fehlt mir nicht», sagt Martin. Dies, obwohl er nun doppelt so viel arbeite und dabei halb so viel verdiene. «Gastronomie muss eine Leidenschaft sein», sagt er.

Das Geschäftsumfeld in den vergangenen zehn Jahren habe sich verändert. «Wir stehen für währschaftes, urschweizerisches Essen.» Die junge Generation von diesem Angebot zu überzeugen, sei nicht einfach. Es gäbe aber durchaus auch einen Trend zurück zum authentischen, regionalen Essen. «Wir machen das, was man immer weniger findet.» Pommes frites und Chicken Nuggets sucht man auf der Karte vergebens: «Wir sind eine Fritteuse­freie Zone», sagt Martin.

60 Portionen werden an die Stammgäste verteilt

Für den Jubiläumstag musste er umdisponieren. Anstelle des geplanten Waadtländer Saucissons im «Blauen Engel» gibt es Kalbsbrustschnitte mit Kartoffelstock an Wurzelgemüse und selbst gemachtem Jus per Take-away. Seinen Stammgästen möchte er so ein Stück «Blauen Engel» nach Hause liefern. «Das Feedback ist sehr erfreulich.» 60 Portionen wird er für heute Mittag zubereiten und an die angemeldeten Gäste verteilen.

Ende Juni wäre zudem eine ganze Jubiläumswoche geplant gewesen mit Konzerten, einer Filmpremiere und einer Lesung. Diese hat Martin vorsorglich bereits abgesagt. Mit den beteiligten Künstlern zeigt sich Martin solidarisch: «Ich weiss, dass es vielen schlechter geht als uns.» Deshalb versucht er – im Rahmen seiner Möglichkeiten – trotzdem einen Teil der Gage zu überweisen. Die Jubiläumswoche wird auf 2021 verschoben.

Sein Personal ist derzeit in Kurzarbeit. Er selber verbringt viel Zeit beim Joggen in der Natur. Der Lockdown habe auch seine positiven Seiten, sagt Martin: «Man hat wieder mehr Zeit für sich selber. Man kann sich erholen und Energie für Neues sammeln.»

Die finanzielle Lage des Lokals sei noch entspannt. «Wir sind nicht am Rande der Existenz», sagt Martin. Zu verdanken ist dies unter anderem der Vermieterfamilie Vogt, die von sich aus anbot, auf zwei Monatsmieten zu verzichten. Für die Zukunft ist Martin optimistisch: «Ich denke, dass wir im Juni – in irgendeiner Form – wieder aufmachen dürfen.»

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