Beim Kraftwerk Wildegg-Brugg müssen der Geschiebehaushalt sowie die Fischwanderung saniert werden. Zur Vorbereitung führt der Energiekonzern Axpo einen Fliessversuch in der Aare durch. Bei diesem Test, der voraussichtlich bis Oktober dauert, soll sich zeigen, welche Auswirkungen die dauerhafte, vollständige Öffnung der beiden Hilfsstauhaltungen hat: Hilfswehr in Villnachern/Schinznach-Bad sowie Dachwehr in Brugg. Geprüft wird, ob Letzteres dereinst ganz entfernt werden kann.

«Damit kann erreicht werden, dass die Fische wieder hindernisfrei wandern und das Geschiebe im Fluss wieder vom Wasser weitertransportiert werden kann», nannte der Energiekonzern diesen Monat in einer Medienmitteilung die Vorteile. Durch den Wegfall der zwei eingestauten Bereiche hinter den Wehren erhalte der Auenschutzpark Aargau zwei Kilometer neue Fliessstrecke. «Damit kann der Auenlebensraum deutlich aufgewertet werden.»

Auch Hängebrücke ist denkbar

Was aber bedeutet dieser Testversuch für den Umikersteg, der seit Jahrzehnten ein Thema ist in Brugg und der über das Dachwehr führen kann? Wird das Vorhaben still in die Aare versenkt, wie als Befürchtung bereits geäussert wurde?

Stefan Zinniker, Bereichsleiter Tiefbau bei der Abteilung Planung und Bau in Brugg, gibt Entwarnung. «Nein, das Projekt ‹Sanierung Geschiebehaushalt und Wiederherstellung Fischwanderung› der Axpo und des Kantons hat grundsätzlich nichts mit dem Vorhaben ‹Bau Umikersteg› für den Langsamverkehr zu tun», stellt er auf Nachfrage klar. Aber im Wissen, dass bei einem positiven Verlauf des Testversuchs das Dachwehr abgebrochen werden könnte, habe der Stadtrat eine neue Variante der Stegverbindung ins Auge gefasst: einige Meter nördlich des Dachwehrs ohne Stützen in der Flusssohle. Diese Projektidee, Zinniker spricht von einer Variante «Hängebrücke» analog Auenstein und Rupperswil, sei dem Regierungsrat im Sommer 2017 mit dem Realisierungswunsch vorgelegt worden.

Im Frühling 2018 fand mit Vertretern der Abteilung Landschaft und Gewässer sowie dem Stadtrat ein Augenschein mit Besprechung vor Ort statt, fährt Zinniker fort. Der Kanton habe dem Stadtrat empfohlen, den Fliessversuch genauso abzuwarten wie den Schlussbericht. Dieser soll im Sommer 2019 vorliegen.

Parallel dazu möchte die Abteilung Landschaft und Gewässer, fügt Zinniker an, das Projekt «Auenschutzpark» vorantreiben. «Kanton und Stadtrat sind sich grundsätzlich einig, dass der Umikersteg nur in der Gesamtbetrachtung und koordiniert mit dem Auenschutzpark-Projekt eine zukünftige Realisierungschance hat», fasst der Bereichsleiter Tiefbau zusammen und ergänzt: «Die Kantonsvertreter haben einen Einbezug der Bedürfnisse der Stadt Brugg bezüglich einer Langsamverkehrs-Verbindung in der Projektbearbeitung des Auenschutzparks in Aussicht gestellt.» Anders gesagt: «Damit werden die einzelnen Projekte im Sommer 2019 zwischen den Beteiligten besprochen, koordiniert und konkretisiert.»

Beim Kanton ist neben der Abteilung Landschaft und Gewässer auch die Abteilung Verkehr involviert. Die Projektverantwortlichen sind sich bewusst, dass die unterschiedlichen Interessen bezüglich Naturschutz, Langsamverkehr und Freizeitnutzung im Bewilligungsverfahren «eine intensive Abwägung erfordern. Dies wird bestimmt auch in einem künftigen Auflageverfahren die eine oder andere Diskussion auslösen.»

Schon in Sechzigern lag Offerte vor

Zur Erinnerung: Für den Bau eines Fussgängerstegs über die Aare im Umiker Schachen – zwischen dem Ortsteil Umiken sowie dem Altenburg-Quartier – lag schon Ende der Sechzigerjahre eine Offerte vor. Kosten: 210 000 Franken. Die Gemeindeversammlung in Umiken wollte seinerzeit aber nichts wissen von den Plänen.

Im Juni 2013 reichte der damalige FDP-Einwohnerrat Alois Wyss ein Postulat ein und lud den Stadtrat ein, den Bau eines Fussgängerstegs zu prüfen. Wyss zeigte sich überzeugt, dass eine direkte Verbindung unmittelbar beim Frei- und Hallenbad Brugg nach Umiken über die bestehende Wehranlage mit relativ geringem Aufwand realisiert werden könnte und eine Aufwertung wäre.

Im Juli 2016 lancierte der Stadtrat das Projekt einer Ziehbrücke über die Aare für Fussgänger und Velofahrer. Das lückenlose – attraktive und sichere – Fuss- und Radwegnetz ist auch ein Thema mit der aktuellen Revision der Ortsplanung und als ein Ziel definiert im Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV).