Brugg

Wird das Stadtfest zum Problem fürs Gewerbe?

In Scharen strömten die Besucher 2013 ans Stadtfest Brugg. (Archiv)

In Scharen strömten die Besucher 2013 ans Stadtfest Brugg. (Archiv)

In der Brugger Altstadt freut man sich grundsätzlich aufs Brugger Stadtfest im Sommer. Doch es gibt auch Bedenken: Einzelne Gewerbler fürchten Einbussen.

Einen Tag vor dem letzten Stadtfest hiess es, viele Gewerbetreibende der Altstadt fühlen sich von den Festverantwortlichen im Stich gelassen. Wer nicht Mitglied beim Gewerbeverein ist, sei nicht direkt angeschrieben worden. Susanne Voser vom Hunde- und Katzensalon in der Altstadt sagte gegenüber der AZ: «Ich hätte im Voraus alle Gewerbetreibenden und Anwohner zu einem Apéro eingeladen und offen über die Festplanung orientiert.»

Gesagt, getan: Diese Woche informierte das Organisationskomitee des diesjährigen Stadtfests im Salzhaus samt Apéro über die wichtigsten Punkte betreffend Strassensperrung, Zufahrt oder Parkplätze. Bewohner und Gewerbetreibende der Altstadt werden etwa gratis auf der Schützenmatt parkieren können, zudem bleibt das Parkhaus Eisi während des Fests offen. Eineinhalb Wochen vor dem ersten Festwochenende beginnt der Aufbau, Freitag um 16.30 Uhr wird die Altstadt dann komplett für den Verkehr gesperrt. Lieferungen sollten am besten schon Tage zuvor erfolgen, bat Regionalpolizist René Schneider die Gewerbetreibenden. Der Wochenmarkt wird auf den Neumarktplatz verlegt.

Fragen gab es nur vereinzelte. «Wann soll ich meinen Laden am besten auftun?», fragte etwa eine Geschäftsführerin. Ein Altstadtbewohner wollte wissen, was zu tun sei, wenn jemand vor seiner Haustüre urinieren oder sich übergeben würde. Andere wiederum nervten sich darüber, dass das Festkomitee keine Eintritte an die Altstadtbewohner verschenken wird. «Wir brauchen diese Einnahmequelle», hiess es vonseiten des Festkomitees. Mit 10 Franken für einen Eintritt oder 30 Franken für einen Pass für alle sechs Festtage sei der Preis gering gehalten. Zudem zahlen Kinder nichts.

Sorge oder Segen fürs Gewerbe?

Kann das Gewerbe in der Altstadt überhaupt vom Fest profitieren, oder stellt es für sie eher ein Problem dar? Christian Meier, Geschäftsleiter des Bioladens Buono, hält zwar fest, dass das Stadtfest für ihn als Bürger sowie fürs Brugger Standortmarketing «primär gut» sei. Doch gerade sein Lokal werde rund zwei Wochen lang «regelrecht zugemauert»: Eng ans «Buono» wird eine dreistöckige Beiz zu stehen kommen, die höchste unter allen Bauten vom «kleinen Manhattan» am Fest.

Dass das Stadtfest neue Kunden in seinen Laden lockt, denkt Christian Meier deshalb nicht. Vielmehr befürchtet er grosse Einbussen. Immerhin habe er nach Absprache mit dem Festkomitee erreicht, dass ein grosses Schild mit Hinweis auf seinen Laden aufgestellt wird. «Dieses Mal nehmen wir es so in Kauf. Für das nächste Fest wünsche ich mir aber, dass wir nicht so sehr verdeckt werden.» Zudem hoffe er, dass seine Kunden «ohne Zollgebühren» – sprich, ohne Eintritt zahlen zu müssen – seinen Laden erreichen.

Ähnlich sieht es Hildegard Burgener von der «Wollboutique». «Ich nehme es so, wie es kommt», sagt sie. Klar sei es nicht gut, wenn ihre Kunden nicht mehr vorfahren können. Doch sie passe sich an, anderes bliebe ihr auch nicht übrig. Michelle Wernli vom Coiffeursalon La Estrada freut sich hingegen, «dass in Brugg etwas läuft». Ihre Öffnungszeiten werde sie für das Fest wohl anpassen. «Wenn schon mehr Leute in der Altstadt sind, müssen wir dann auch geöffnet haben.»

Gastrolokale teilweise skeptisch

Bei den Gastrobetrieben sind die Meinungen geteilt. Kenan Selcuk vom Restaurant La Dolce Vita wird vor seinem Lokal einen Stand betreiben mit Glace, Getränken und Speisen. «Ich hoffe, das Fest bringt mehr Leben in die Altstadt», sagt er. Der Zeitpunkt des Stadtfests nach den Sommerferien sei für ihn auch viel intelligenter gewählt als 2013, als es im Mai stattfand. «Wir werden viel arbeiten und hoffen auf mehr Einnahmen als letztes Mal.»

Skeptischer gibt sich Ahmet Kamis, Geschäftsführer von «Pizza Fulmine». Auch er wird einen Stand führen, aber eher gegen seinen Willen. «Wenn ich das nicht mache, wird mein Lokal von jemand anderes zugedeckt», sagt er. So fühle er sich durch die Umstände quasi gezwungen, mitzumachen. Dass das Fest ihm Gewinn einbringen werde, denkt er nicht – eher im Gegenteil: «Ich werde mehr arbeiten am Wochenende und viel mehr Ausgaben haben.» Den Kurierdienst wird er während den Festtagen auch einstellen müssen. «Das ist blöd für unsere Kunden.»

Sri Sellathurai vom benachbarten Pizzakurier La Shara sieht die Sache etwas gelassener, habe sich aber auch noch nicht gross informiert, wie er sagt. Einen Stand aufstellen wird er nicht, für die Pizzalieferungen werde er mit einer Box von der Altstadt zu seinem Auto laufen.

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