Schinznach

Wirbelnde Röcke, adrette Westen: Seit 90 Jahren pflegt die Trachtengruppe ihren Brauch

Die Trachtengruppe Schinznach-Dorf feiert am 17. Juni mit einem Unterhaltungsabend ihr grosses Jubiläum.

90 Jahre alt wird die Trachtengruppe Schinznach-Dorf in diesem Jahr. Am 17. Juni wird das Jubiläum mit einem Unterhaltungsabend gross gefeiert. Entsprechend laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Auch die Trachtengruppe übt fleissig.

Die Trachtengruppe Schinznach-Dorf bei der wöchentlichen Probe.

Die Trachtengruppe Schinznach-Dorf bei der wöchentlichen Probe.

An diesem milden Montagabend treffen sich die Mitglieder wie immer um 20.30 Uhr in der Aula beim Schulhaus in Schinznach-Dorf. Extra für die Zeitung haben sich die Frauen und Männer in die Tracht gestürzt, damit es auf den Fotos nach etwas aussieht. Normalerweise wird in gewöhnlichen Kleidern geübt, um die Tracht zu schonen und Zeit zu sparen. Denn eine Tracht anzuziehen, braucht relativ viel Zeit und Geduld.

Tanzleiter Werner Vogel (65) fackelt nicht lange. Er drückt den Play-Knopf auf dem CD-Gerät, Ländler-Musik ertönt, im Saal formieren sich die vielen Frauen und wenigen Männer, darunter Ehrenpräsident Walter Rogenmoser, zu einem Kreis. Werner Vogel ruft ein paar Anweisungen und schon geht es los.

Rhythmisch klopfen die Tanzschuhe auf dem Parkett, die bunten Röcke und Schürzen wirbeln durch die Luft, blähen sich auf wie Blütenblätter im Wind. Das Lied wird durchgetanzt, auch wenn zwischendurch nicht alles so klappt, wie es sollte. Danach wird kurz besprochen, was nicht funktionierte. «Hier ist die Drehung anders», sagt eine. «Da musst du früher den Schritt machen», eine andere. Wer nicht mehr jeden Tanz mitmachen mag, kann ungeniert ausserhalb der Tanzfläche Platz nehmen und für ein Stück aussetzen.

Der Nachwuchs ist da

Es sind hauptsächlich Frauen, die sich am Montagabend jeweils zur Probe treffen. Die Suche nach Männern, die gerne tanzen würde, verläuft etwas harzig. «Viele sagen, dass sie nicht tanzen können», weiss Werner Vogel um die Sorgen der Männer. «Aber das lernt man doch bei uns.» Wichtig seien vor allem die Motivation und der Spass. Alles andere sei eine Sache der Übung, verspricht der Tanzleiter.

Ansonsten kann sich die Trachtengruppe nicht über Nachwuchssorgen beklagen, obwohl bis anhin der grosse Ansturm, wie ihn beispielsweise das Schwingen erlebt, ausblieb. «Wir kämpfen nicht ums Überleben», bestätigt Werner Vogel, der seit kurzem auch Präsident der Trachtengruppe Schinznach-Dorf ist. «Es braucht aber immer wieder Junge, die nachkommen und weiterziehen», gibt er zu bedenken.

Bedenken, mit der Tracht gesehen zu werden

Vor allem junge Menschen hätten Bedenken, sich in der Öffentlichkeit mit einer Tracht zu zeigen. Sie würden befürchten, dass sie ausgelacht werden, erklärt Werner Vogel. «Häufig erleben wir es aber so, dass man dank der Tracht Kontakte knüpfen kann, dass einen die Leute ansprechen.» Um auch Kinder künftig wieder gewinnen zu können, wünscht sich Werner Vogel, der selber Choreografien erarbeitet, wieder eine Kindertanzgruppe in Schinznach-Dorf.

In der Zwischenzeit haben die Mitglieder der Trachtengruppe zwei, drei Tänze absolviert. Der letzte Tanz war ziemlich rasant, entsprechend sind die Tänzerinnen und Tänzer leicht ausser Atem. Genau das sei es, was viele suchen, sagt Werner Vogel. «Der Volkstanz fordert Hirn und Körper gleichermassen.» Daher sei es auch für ältere wie auch jüngere Menschen ein geeignetes Hobby. «Am allerwichtigsten ist sowieso die Freude, egal ob jemand 30 oder 70 Jahre alt ist», betont Werner Vogel.

Den Unterhaltungsabend übrigens wird die Trachtengruppe Schinznach-Dorf nicht alleine bestreiten. Mitwirken werden auch das Schwyzerörgeli-Quartett Schenkenberg, das Chinderjodlerchörli Frick sowie zwei Hackbrettspielerinnen begleitet von einer Akkordeonistin.

Lesen Sie auch:

Meistgesehen

Artboard 1