«Es liegt noch ein langes Verfahren vor uns», stellte Gemeinderat Donat Gubler zur Revision der Nutzungsplanung fest. «Und es ist noch nichts in Stein gemeisselt.» Damit dürfte er den Nagel auf den Kopf getroffen haben. An einer öffentlichen Orientierungsveranstaltung, zu der ein gutes halbes Hundert Interessierter – und vor allem Engagierter – erschien, ist der in Zusammenarbeit mit dem Büro Steinmann Ingenieure, Geomatiker, Planer (Brugg) erarbeitete Planungsentwurf vorgestellt worden.

Entwicklung nach innen

Bei ihrer Arbeit stützt sich die Kommission, die sich mit der Revision der Nutzungsplanung befasst und in der alle Interessengruppen vertreten sind, unter anderem auf die Ergebnisse einer Umfrage in der Bevölkerung. Ziel ist es, mit dem Zeithorizont 2030, einer Bevölkerung von 1800 Personen ein Dorf mit guter Lebensqualität zu bieten. Dabei soll, nachdem Einzonungen aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht möglich sind, die Entwicklung nach innen erfolgen. Das wird durch eine Vereinfachung der Bestimmungen über den Ausbau von bestehenden Gebäuden angestrebt.

Grundsätzlich sieht der Entwurf der Nutzungsplanung vor, anstelle der bisherigen Dorfzone künftig zwei Dorfzonen – eine Dorfkernzone und eine Dorfzone II – zu schaffen. Der Dorfkernzone würde ein Streifen westlich des Dorfbaches zugeschlagen, der Dorfzone II ein östlich des Baches gelegener Streifen. In der Dorfkernzone sollen der Erhalt und die Pflege des Ortsbildes – das im Inventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) als von regionaler Bedeutung eingestuft wird – im Vordergrund stehen. In der Dorfzone II soll eine Entwicklung möglich sein. Vorgesehen ist die Aufhebung des Volumenschutzes. Künftig sollen aber bestimmte Gebäude einem Substanzschutz unterstellt werden. Das bedeutet, dass sie ohne ein Fachgutachten nicht ersetzt werden dürfen.

Gegen diesen Substanzschutz wurde vehementer Widerstand laut. «Substanzschutz heisst totaler Schutz», war es aus dem Publikum zu hören. «Das kommt nicht infrage. Zudem hat Villnachern gar keinen richtigen Dorfkern.» Manuel Basler vom Büro Steinmann wandte zwar ein, dass gewisse Sachen vorgegeben seien, das Ortsbild von regionaler Bedeutung sei und bei vollständiger Lockerung der Bestimmungen der Charakter verloren gehe. Dem wurde aber aus dem Publikum entgegengehalten: «Den Substanzschutz braucht es nicht. Eine Kernzone reicht völlig. Wir wollen keinen Ballenberg. Wir wollen uns, wie andere Gemeinden auch, entwickeln können.»

Novum Arbeitszone

Eine weitere wesentliche Änderung in der Nutzungsplanung betrifft eine neue Gewerbe- respektive Arbeitszone. Sie soll ins Gebiet Annamatt, anschliessend an die Ara, zu liegen kommen, eine Fläche von 0,75 Hektaren umfassen und mit einer Gestaltungsplanpflicht belegt werden. Das vorgesehene Areal befindet sich im Eigentum der Einwohnergemeinde. «Beim lokalen Gewerbe besteht dringender Bedarf nach einer solchen Zone», betonte Donat Gubler. «Es gibt bereits vier konkrete Interessenten.» Die Ausscheidung einer Arbeitszone sei aber nur durch eine flächengleiche Kompensation möglich, räumte er ein. Und die Machbarkeit einer solchen Kompensation, die zulasten einer bestehenden Spezialzone und der Zone für öffentliche Bauten gehen würde, sei noch nicht abschliessend geklärt. Als Alternativen sind Standorte für eine Arbeitszone im Gebiet Unterbalm oder bei der Badi in Betracht gezogen worden. Auch die Arbeitszone schien nicht nur Freude auszulösen. Kritisiert wurde ihre eher bescheidene Grösse. Zudem wurden Befürchtungen über zusätzlichen Verkehr vorgebracht.

Ernüchterndes Fazit aus dem Publikum zum bisherigen Verlauf der Revision der Nutzungsplanung: «Der Berg hat eine Maus geboren. Man sollte alles beim Alten lassen.» Dazu gab aber Donat Gubler zu bedenken: «Usestüdele ist keine Lösung.» Jedenfalls soll noch in diesem Jahr der Entwurf zur ersten Vorprüfung an den Kanton gehen. Vorgesehen ist, die Nutzungsplanung im Winter 2016 vor die Gemeindeversammlung zu bringen.