Der Kanton Aargau ist auf der Suche nach geeigneten Standorten für zwei zusätzliche Mittelschulen. Als diese Pläne im vergangenen Herbst publik wurden, war einerseits die Rede von einem neuen Gymnasium im Fricktal, andererseits von einem im Raum zwischen Aarau und Baden, also in Lenzburg oder Brugg.

Mit diesen Standortfragen beschäftigen sich aktuell nicht nur das kantonale Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), sondern auch die Regionen. Aus dem Fricktal ist bereits bekannt, dass sich Rheinfelden und Möhlin gemeinsam als Mittelschulstandort beim Kanton bewerben. Auch andere Gemeinden wie Frick und Stein haben Interesse. Was tut sich in Brugg? In den diese Woche bekannt gewordenen Leitsätzen steht dazu: «Der Bildungsraum Brugg-Windisch hat auf allen Bildungsstufen eine starke städtische und regionale Ausstrahlung.» Der Stadtrat erwähnt als geplante Massnahme, «aktiv an der Diskussion und Evaluation eines neuen Kantonsschulstandorts teilzunehmen».

Nicht auf Kosten der Berufsschulen

An der letzten Vorstandssitzung des regionalen Planungsverbands Brugg Regio habe ein BKS-Vertreter informiert, dass im Raum Brugg–Lenzburg ein Standort oder ein ideales Objekt für eine Kantonsschule gesucht wird, sagt Richard Plüss, Präsident von Brugg Regio, auf Nachfrage der AZ. «Es haben alle Gemeindevertreter zugehört. Sie sind aufgerufen worden, wenn sie entsprechende Möglichkeiten gemäss den Anforderungen sehen, sich entweder direkt oder über Brugg Regio zu melden.»

Die Vorgaben des BKS sind laut Plüss eigentlich klar. «Es braucht in erster Linie eine gute Verkehrsanbindung, sprich öffentliche Verkehrsverbindungen vor allem an einer Bahnlinie.» Brugg Regio machte dem Kanton klar: «Wir wollen keine Kanti auf Kosten der bestehenden Berufsschulen.» Es mache wenig Sinn, Berufsschulen an bester Verkehrslage wegzunehmen und mit einer neuen Mittelschule zu ersetzen. Eine Mittelschule müsste langjährig gesichert sein. Die Standorte Brugg und Fricktal würden sich von Anfang an konkurrieren, fährt Plüss fort.

Je nach Vorschlag wird gekämpft

Auf der anderen Seite könnte eine Mittelschule in der Nähe des Fachhochschul-Campus Brugg-Windisch interessant sein, weil sich da viele Synergien ergeben würden. Auf einen entsprechenden Vorstoss von drei SVP-Grossräten aus dem Bezirk Brugg – darunter auch Richard Plüss – vor etwa 12 Jahren ging die Politik nicht ein. Heute sagt Plüss: «Ich frage mich wirklich, ob der Bau respektive die Bildung von zwei neuen Mittelschulstandorten für den Kanton die billigste und qualitativ beste Lösung ist, oder ob er einfach einmal mehr die Regionen stärken will.»

Fest steht für Plüss, dass der Erhalt der Berufsschulen eine höhere Priorität hat. Die Region Baden-Brugg sei eine starke Wachstumsregion. Sollte die Regierung vorschlagen, Berufsschulen zu schliessen, sei von der Region Brugg der Kampf angesagt.