Hausen
«Wir sollten das Leben feiern» – Pfarrer Vogel sagt, warum Ostern der wichtigste Feiertag ist

Auch mit 94 Jahren gestaltet Pfarrer Eugen Vogel aus Hausen noch die Osternachtfeier in der Marienkirche. Er sagt, warum Ostern das wichtigste Fest im Jahreszyklus ist und was er von Rom noch erwartet.

Claudia Meier
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Nach seiner letzten Station als Pfarrer in Wohlenschwil hat Eugen Vogel in Hausen ein neues Daheim erworben. Am Stubentisch zündet er eine Kerze an.

Nach seiner letzten Station als Pfarrer in Wohlenschwil hat Eugen Vogel in Hausen ein neues Daheim erworben. Am Stubentisch zündet er eine Kerze an.

Chris Iseli

Offiziell ist der katholische Pfarrer Eugen Vogel schon seit Jahren im Ruhestand. Das steht auch auf dem Namensschild an seinem Briefkasten in Hausen. Tatsächlich feiert er aber noch immer etwa dreimal pro Monat Eucharistie – und das im hohen Alter von beinahe 94 Jahren.

Heute Abend beispielsweise gestaltet der rüstige Pfarrer, nur die Beine sind nicht mehr so flink, um 21 Uhr die Osternachtfeier in der Marienkirche in Windisch zusammen mit Seelsorgerin Veronika Werder.

Am vergangenen Sonntag stand er bestens gelaunt mit der Seelsorgerin Dorothee Fischer während des Palmsonntag-Gottesdiensts in der Pauluskirche in Birr im Einsatz. «Das ist für mich Motivation fürs Leben», sagt der engagierte Pfarrer beim Gespräch am Stubentisch.

Überhaupt sei Ostern vom christlichen Denken her das wichtigste Fest im Jahreszyklus und die Auferstehung Christi das A und O. «Die Jünger waren nach dem Tod Christi am Boden und hielten es nicht für möglich, dass er auferstehen würde», betont Vogel.

Ostern bildet deshalb die Basis für den Glauben an ein weiteres Leben. «Daraus schöpfen die Christen Kraft. Wer nicht daran glaubt, kann diese Kraft nicht erfahren», so der Pfarrer weiter.

Ein Jahr lang waren sie zu dritt

Kraft hat Eugen Vogel in seinem langen Leben immer wieder geschöpft. Sei es als Vikar in Aarau und Brugg oder von 1965 bis 1992 als erster Pfarrer in der neu gegründeten Pfarrei Windisch. Seine letzte Station als Pfarrer war zwischen 1992 und 1999 in Wohlenschwil.

Bereits seit 49 Jahren lebt der gebürtige Entlebucher mit seiner Haushälterin Elisabeth Zöllig zusammen. Während eines Jahres ab Sommer 1973 waren sie sogar zu dritt im Windischer Pfarrhaus. Auf die Bitte von Leuten aus Uganda, die in Windisch zu Gast waren, kümmerten sich der Pfarrer und die Haushälterin um die wenige Wochen alte Sarah aus dem ostafrikanischen Land.

Fast wie Mutter und Vater gingen sie am Sonntagnachmittag jeweils mit dem Mädchen spazieren. «Es gab immer wieder Passanten, die sehen wollten, ob die Kleine in unserem Kinderwagen wirklich dunkelhäutig ist», erinnert sich der Pfarrer und lacht. Der Abschied von Sarah fiel den beiden sehr schwer. Der Kontakt mit der Frau aus Uganda blieb bestehen.

Herausforderung war das Zölibat

Als Vogel die Pfarrei in Windisch aufbaute, war die Nachfrage vor allem dank den italienischen Gastarbeitern so gross, dass man sich sogar zeitweise überlegte, eine zweite katholische Kirche zu bauen.

«Und heute ist die Kirche während der Gottesdienste nur noch halb gefüllt», fährt Vogel fort. Doch das sei der Lauf der Zeit. Krisen habe es in der Kirchengeschichte immer gegeben. «Als ich in der Region anfing, trennte man die Pfarreien Brugg und Windisch. Und jetzt sind sie wieder zusammengekommen. Das ist sagenhaft. Vielleicht lebe ich einfach auch zu lange», scherzt Vogel.

Der akute Priestermangel hat zu einer Gemeinschaft von Laientheologen und schliesslich zur Bildung eines Pastoralraums im Bezirk Brugg geführt. Dadurch gehe zwar für einige Gläubige die Heimat etwas verloren.

Solange aber das Pflichtzölibat in der katholischen Kirche bestehen bleibt und Frauen nicht zu Priesterinnen geweiht werden können, dürfte sich der Priestermangel laut Vogel weiter verschärfen. Er begrüsst, dass nun von unten her Druck auf Rom aufgebaut wird, «um die Reformbestrebungen unseres Papstes Franziskus zu unterstützen».

«Das Zölibat war auch für mich eine Herausforderung», sagt Eugen Vogel. «Ich hatte eine wunderbare Pfarrei und fand so meine Erfüllung.» Doch heute machten das die meisten jungen Männer nicht mehr mit. Vogel bezeichnet Papst Franziskus als ein Riesengeschenk, als einen Praktiker, der vorangeht und mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

Mit dem Smartphone übt er noch

Nach eigenen Angaben ist der Pfarrer bis 83 mit den Ski noch den Titlis heruntergefahren. Mittlerweile ist er mit dem Berg lediglich über seine Wohnadresse an der Titlisstrasse verbunden. Aus Vernunft habe er mit 90 Jahren den Führerausweis fürs Auto abgegeben, fährt Vogel fort.

Dank seiner Neugier macht er sich dennoch stets mit den technischen Errungenschaften vertraut. «Seit drei Wochen habe ich ein Smartphone. Ich bin zwar noch immer am Üben, aber Whatsapp habe ich bereits installiert», erzählt der beliebte Pfarrer, der täglich am Computer arbeitet, selber seine Visitenkarten gestaltet und zudem auf Facebook vertreten ist.

Nur wenige Tage nach Ostern, am Mittwoch, 11. April, kann Eugen Vogel seinen 94. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass wird er dann um 9 Uhr in der Marienkirche in Windisch die Messe zelebrieren. Im Anschluss daran lädt er alle Besucher zu einem Apéro in den kleinen Pfarrsaal ein.

Vogel war das fünftjüngste von insgesamt elf Kindern. Von seinen zehn Geschwistern lebt nur noch die sieben Jahre jüngere Schwester, und zwar in Escholzmatt. Da, wo Eugen Vogel am Ende seines Lebens im Priestergrab seine letzte Ruhestätte finden möchte. Bereitet ihm der Gedanke an den Tod Unbehagen?

«Nein», sagt er. «Christ zu sein und vor dem Tod Angst zu haben, das passt nicht zusammen. Wenn unser Glaube wahr wird, so ist der Tod lediglich eine Tür zu einem neuen Leben. Ich bin jeden Tag bereit dafür.» Hätte er diesen Glauben nicht, wäre er bestimmt nicht so zufrieden. Ja, dieser Glaube an das ewige Leben sei mit zunehmendem Alter sogar noch viel intensiver geworden, betont Vogel.

Was wünscht er sich? «Ich freue mich, wenn ich noch möglichst lange Eucharistie feiern kann. Wir sollten das Leben feiern. Es ist schon toll, dass ich so alt werden darf.»