Das Thema Lärmschutzwand beschäftigt die Familie Jeremic aus Windisch schon seit vier Jahren. Um bei den Bewohnern der Liegenschaften entlang der Hauserstrasse die Verkehrslärmbelastung zu reduzieren, hat der Kanton in den letzten Monaten 2,3 Meter hohe Lärmschutzwände aus schallabsorbierenden Holzelementen bauen lassen. Nicht so vor dem Haus Nummer 31 der Familie Jeremic.

Dieses hat Baujahr 1939 und befindet sich vis-à-vis dem Amphitheater. Als die Familie Jeremic hier vor sechs Jahren einzog, liess sie das Haus renovieren und neue Fenster einbauen. Deshalb sei für sie der Verkehrslärm auch kein Störfaktor, sagten Mutter Ana und Tochter Sandra im Juli dieses Jahres, als sich die Aargauer Zeitung vor Ort ein Bild machte.

Liegenschaft wäre weniger wert

Was sie aber sehr störe, sei die Tatsache, dass sie für den Bau der Lärmschutzwand Land von ihrem gepflegten Vorgarten ohne Entgelt zur Verfügung stellen müssten. Die Rede ist von gut 30 Quadratmetern, die sie dem Staat abtreten müssten, sowie von Wertverminderung für die Liegenschaft. «Immer wird gejammert, der Kanton und die Gemeinde hätten kein Geld, und dann gibt man so viel für etwas aus, das die Leute nicht wollen», wunderte sich die Familie im Sommer, als der Fall beim Verwaltungsgericht hängig war. Die Kosten für die Lärmschutzwände in Windisch belaufen sich auf unter 4 Millionen Franken. Der Gemeindeanteil beträgt zirka 1 Million Franken.

Eine Rolle spielt auch die Nähe zum ältesten Amphitheater der Schweiz. Denn auf Verlangen der kantonale Denkmalpflege und des kantonalen Ortsbildschutzes musste das Lärmschutzprojekt an der Hauserstrasse in Windisch geändert werden. Neu sind mehr Flächen zur Begrünung der Lärmschutzwand vorgesehen, teilte das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) im Sommer mit. Dabei gelte der Grundsatz der Dienstbarkeitsverträge. Die Grenzen werden dabei nicht verändert und die Eigentümer nicht enteignet.

Für die Familie Jeremic hatte diese Anpassung eben zur Folge, dass die Lärmschutzwand nicht an der Stelle der bestehenden Gartenmauer, sondern zurückversetzt erstellt und zur Strasse hin mit Linden und Kletterpflanzen begrünt würde.

Weiterzug ans Bundesgericht?

Letzte Woche nun hat das Verwaltungsgericht zu diesem Fall einen Entscheid gefällt. «Alles wurde abgelehnt», sagt die 27-jährige Tochter auf Nachfrage der Aargauer Zeitung. «Wir sind unglaublich enttäuscht, traurig und frustriert.» Am Freitag unterhielt sich die Familie mit ihrem Anwalt. Sie überlegt sich einen Weiterzug ans Bundesgericht. Der Kanton habe trotzdem das Recht, mit dem Bau der Lärmschutzwand anzufangen, sagt Sandra Jeremic.

Hanspeter Gloor, Leiter Sektion Lärmsanierung beim BVU, erklärt: «Wir werden die Rechtskraft des Verwaltungsgerichtsentscheides abwarten oder zur Kenntnis nehmen, wenn der Fall an das Bundesgericht weitergezogen wird.» Mit anderen Worten: Bevor beim Kanton nicht ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, würde mit dem Wandbau an der Hauserstrasse 31 sicher nicht begonnen. Da die Gemeinde Windisch in diesem Verfahren nicht involviert ist, verzichtet Gemeindepräsidentin Heidi Ammon auf eine Stellungnahme.

(Artikel vom 14. Dezember 2017)