Brugg-Eigenamt
«Wir in der Region stehen zu den Jugendlichen»

«Dass sich acht Gemeinden für regionale Jugendarbeit zusammenschliessen, ist auf politischer Ebene einmalig»: So brachte gestern Dominik Schenker (Büro West, Luzern) auf den Punkt, was im Kanton Aargau pionierhaft ist.

Elisabeth Feller
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Sprechen übers Jugendkonzept (oben, von links): Dominik Schenker, Fredy Bill, Stefan Wagner, Rosi Magon, Andrea Metzler; unten der Jugendtreff Point. EF./Wal

Sprechen übers Jugendkonzept (oben, von links): Dominik Schenker, Fredy Bill, Stefan Wagner, Rosi Magon, Andrea Metzler; unten der Jugendtreff Point. EF./Wal

Aargauer Zeitung

«Dass sich acht Gemeinden für regionale Jugendarbeit zusammenschliessen, ist auf politischer Ebene einmalig»: So brachte gestern Dominik Schenker (Büro West, Luzern) auf den Punkt, was im Kanton Aargau pionierhaft ist – die Realisierung des regionalen Jugendkonzepts BruggEigenamt (Birr, Birrhard, Brugg, Hausen, Mülligen, Lupfig, Scherz, Windisch). Mit diesem «Dach» wollen die acht beteiligten Gemeinden nicht zuletzt der Tatsache Rechnung tragen, dass die heutige Jugend «sehr beweglich ist», wie Rosi Magon, Gemeinderätin Windisch, betonte. Jugendliche suchen die ihnen gemässen Angebote längst nicht mehr nur dort, wo sie leben.

Jugendarbeit hat lange Tradition

Das Regionale Jugendkonzept Brugg-Eigenamt basiert auf einer Befragung des Luzerner Büros West (siehe unten stehenden Artikel). Dieses hatte im vergangenen Jahr Schüler aus der Region sowie weitere Schlüsselpersonen wie etwa Lehrpersonen und Schulhausabwarte befragt, um zu erfahren: Wie schätzen Jugendliche das Freizeitangebot in der Region Brugg-Eigenamt ein, die erwiesenermassen eine lange Tradition mit professioneller Jugendarbeit aufweist. Dazu zählt beispielsweise das PIC Brugg, welches 2013 sein 50-Jahr-Jubiläum feiert; der Point Windisch und das Juppi Birr. Resultat der Umfrage: Den Jugendlichen gefallen Region und Wohngemeinde recht gut – die Mehrheit fühlt sich auch wohl. Aber es fehlen Beteiligungsmöglichkeiten und: Es gibt Probleme im öffentlichen Raum (Schulhäuser, Tankstellen, Bereich Bahnhof-Neumarkt-Altstadt Brugg).

Konzept kennt drei Ziele

Nun wollen die acht Gemeinden «strategisch zusammenarbeiten, ohne das gut Funktionierende aufzugeben», sagte Fredy Bill (Präsident Trägerverein Piccadilly Brugg) und doppelte nach: «Wir in der Region stehen zu den Jugendlichen.» Es bleibt nicht bei Lippenbekenntnissen. Leitsätze verweisen auf die Stossrichtung eines Konzepts, das nun mit einer Übergangsphase an den Start geht. Diese peilt drei Ziele an. Erstens: Mit flächendeckenden Workshops sollen die Jugendlichen in den Gemeinden in die Entwicklung der regionalen Jugendarbeit einbezogen werden. Zweitens: Drei regionale Netzwerke werden im Jugendbereich ihre Arbeit aufnehmen, nämlich: die Trägerschaft der regionalen Jugendarbeit, die Task-Force «Öffentlicher Raum, Sicherheit und Prävention», der auch die Polizei angehört sowie das Netzwerk «Partizipation, Animation und Jugendkultur».

«Dieses letzte Netzwerk», so Rosi Magon, «wird vornehmlich die Situation im Freizeitbereich in den Gemeinden aktiv mitverfolgen sowie Lobby- und Vernetzungsarbeit betreiben.» Drittens: Die bestehende professionelle Jugendarbeit des PIC, Point und Juppi wird «in einem Organisationsprozess zur regionalen Jugendarbeit Brugg-Eigenamt weiterentwickelt».

Konzept in der Vernehmlassung

Bevor das Konzept umgesetzt werden kann, müssen ihm die Gemeinden jedoch zustimmen – derzeit befindet es sich in der Vernehmlassung. Stimmen die Gemeinden ihm zu, wird aus dem vorderhand erst auf dem Papier formulierten Jugendkonzept 2013 Realität.

Dannzumal wird die regionale Jugendarbeit Brugg-Eigenamt auch von einer Stellenleitung geführt und in die vier Leistungsbereiche Jugendtreffarbeit; Jugendkultur; Projekte, Anlässe und weitere Leistungen sowie aufsuchende Jugendarbeit unterteilt sein. Die bisherigen Standorte PIC in Brugg, Point in Windisch und Juppi in Birr bleiben bestehen.

Gesuch um kantonalen Beitrag

Bleibt die Frage: Wie wird das Ganze finanziert? Nun, für den Einbezug der Jugendlichen in der Start- und Übergangsphase wird eine befristete 40-Prozent-Stelle geschaffen. Diese übernimmt eine Drehscheibenfunktion zwischen Gemeinden, Jugendlichen und regionalen Institutionen, zu denen etwa kirchliche Jugendarbeit, Vereine und Jugendverbände zählen. Für die regionalen Netzwerke leistet diese Stelle die unabdingbaren Aufbauarbeiten.

Für die Aufbauphase ist 2012 mit Kosten von rund 94000Franken brutto (pro Einwohner Fr.3.30) zu rechnen. «Brutto meint im vorliegenden Fall ohne den etwaigen Beitrag des Kantons Aargau», sagt die Brugger Stadträtin Andrea Metzler dazu. Die Gemeinden haben an diesen nämlich ein Gesuch um finanzielle Unterstützung gerichtet. Im Idealfall könnte sich der Kanton bis zu einem Maximalbeitrag von 40 Prozent an den Kosten beteiligen.