Stefan Baumann, Einwohnerratspräsident (SVP): «Wir genossen sogar die Strafarbeit»

Ich verbrachte meine Schulzeit im Stapferschulhaus und im Schulhaus Freudenstein. Im Keller des Freudensteins fand ich mit zwei Freunden – wir waren bereits in der Oberstufe – eine Linolpresse. Damit haben wir zwei, drei Rappenstücke flachgepresst. Peter Merz war damals mein Lehrer und wir hatten dann ziemlich schnell ein Disziplinarverfahren am Hals, als er herausfand, was wir angestellt hatten. Mit den Eltern mussten wir eines Abends in der Schule antraben und erklären, warum wir das gemacht haben. Und während die Disziplinarkommission lange verhandelte und sich eine Strafe für uns ausdachte, mussten wir in einem Gang des Stapferschulhauses warten. Das alte, leere Schulhaus war schon ziemlich eindrücklich während der langen Wartezeit. Am Ende hat uns die Kommission einen Mittwochnachmittag lang zum Putzen des Freudensteinschulhauses verdonnert. Allerdings war das dann gar nicht so eine grosse Strafe. Denn die Frau von Schulhausabwart Edy Zanin brachte uns wunderbare Sandwiches mit, und so genossen wir die Strafarbeit sogar.»

Dino Brandao, Musiker: «Ich war schwer verknallt in Mylène»

In der 5-Minuten-Pause rannte ich, mein erstes Skateboard unter dem Arm, die Treppen vom zweiten Stock hinunter, um auf der Rückseite des Schulhauses rund um den Brunnen herum im Kreis zu rollen. In der vierten Klasse versuchte ich dann, erstmals die 9er-Treppe hinunterzuspringen. Ich landete auf dem zweitletzten Tritt, schürfte mir den Arm auf und ging zurück in den Unterricht. Luca hatte damals am meisten Pokémon-Karten. Marina hat den ganzen Vortrag über Rüfenach geschrieben, ich habe wackelig vorgelesen. Cendrim wollte immer kämpfen. Tobi war leicht in Julia verknallt und ich, nach den Sommerferien, schwer in Mylène. Die anschliessend verschiedenen Oberstufen haben alle Kinder verschieden sozialisiert und so sind wir nun allesamt wunderbar unterschiedlich geworden, erwachsen.»

«Euse neu Palascht»: die Schüler singen das Stapferlied

«Euse neu Palascht»: die Schüler singen das Stapferlied

Erster Schultag im neu renovierten Stapferschulhaus.

Verena Häfliger, alt Einwohnerrätin (SP) und Lehrerin: «Vor der Eingangstüre hatte ich Angst»

Als ich im Stapfer zur Schule ging, roch es unglaublich ‹müffelig›. Ganz schrecklich fand ich als 9-Jährige auch die altmodischen WCs. Die hatten nicht etwa eine Klobrille, sondern einen Holzeinsatz im Porzellan. Schrecklich! Und so ging ich nicht im Schulhaus aufs WC, sondern rannte in der grossen Pause nach Hause. In Erinnerung geblieben ist mir auch die wahnsinnig schwere Eingangstüre. In meinen ersten Wochen als Schülerin im Stapferschulhaus hatte ich immer Angst, dass ich einmal von dieser Türe erdrückt werde. Besonders gerne mochte ich den Unterricht bei Lehrer Hans Müller, der mit uns viel gesungen und musiziert hat. Ich durfte jeweils die zweite Stimme singen.»

Hugo Schmid Unternehmer, alt Einwohnerrat (FDP), Ex-Präsident der Konfettispalterzunft und ehemaliger Kadettenmusikant: «Das schönste Schulhaus der Schweiz»

Das Schulhaus Stapfer habe ich in sehr guter, aber auch in schlechter Erinnerung. Die zwei ‹Rutschbahnen› links und rechts der imposanten Treppe wurden von uns rege benützt. Einmal rutschte ich in einem rasenden Tempo kopfüber hinunter, konnte nicht mehr bremsen und schlug meinen Schädel am Schluss der Bahn so heftig an, dass ich die Wunde beim Arzt nähen lassen musste. Man sieht die Spuren heute noch ...

Ich liebte das Schulhaus aber sehr, es hatte Charme! Am liebsten war ich im obersten Stock beim Singen oder Musizieren bei Lehrer Barth. Für mich war es immer das schönste Schulhaus der Schweiz.»

Titus Meier, FDP-Grossrat und -Einwohnerrat, Historiker und Lehrer: «Die Fische im Brunnen waren ein Highlight»

Als Kindergärtler habe ich mich darauf gefreut, als Erstklässler endlich ins grosse Schulhaus gehen zu dürfen, nachdem ich zwei Jahre im Pavillon Weiermatt den Kindergarten besucht hatte. Entsprechend enttäuscht war ich, als ich realisieren musste, dass ich die 1. und 2. Klasse wiederum in einem Pavillon verbringen werde. Ich war denn auch neidisch, als mein Bruder ein Jahr später im Stapferschulhaus eingeschult wurde und ich noch im Pavillon in Sichtdistanz zum Schulhaus verblieb. Umso mehr freute ich mich, als ich als Drittklässler endlich ins Stapferschulhaus gehen durfte. Wenn ich an meine Schulzeit im Stapfer zurückdenke, so erinnere ich mich an die ‹Treppenrutschbahn› im Norden, die wir gerne und ausgiebig benutzten. Oder die schwere Eingangstüre: Hier konnten wir als ältere Schüler jeweils galant den jüngeren die Türe öffnen, denen sie zu schwer war. Dabei fühlten wir uns gleich noch einmal viel älter.

Ein weiteres Highlight waren für uns die Fische im Brunnen, die uns zeigten, dass unser Hauswart beim Angeln erfolgreich war. Insbesondere die Aale waren für uns spezielle Tiere. Speziell waren jeweils auch Tage, an denen es geschneit hatte. Einerseits konnten wir dann den Abhang zum Jugendfestplatz runterschlitteln, andererseits konnten wir auch eine Schneeballschlacht ums Schulhaus herum machen. Die Herausforderung dabei war, der Pausenaufsicht auszuweichen, die nicht überall sein konnte.»

Bea Weber, Geschäftsführerin gutschlafen.ch: «Beim Gummitwist kams zum Handgemenge»

Die 3. bis 5. Klasse verbrachte ich bei Lehrer Lüthi. Wir hatten das Eckzimmer im ersten Stock. Das war sehr praktisch, um aus dem Fenster zu schauen. Ich fühlte mich immer sehr wohl in diesem Schulhaus. Alles war so lebendig, obwohl das Schulhaus in unseren Augen uralt war. Am allerliebsten verbrachten wir die Pause mit Gummitwist. Die Jungs störten uns jeweils dabei, und es kam einmal zu einem Handgemenge. Am Nachmittag klingelte dann der Lehrer an unserer Haustüre. Er wollte meine Mutter sprechen. Sie kam danach ausser sich zu mir und sagte: ‹Nun hör dir das mal an: Da hat dich ein Junge in die Schulter geboxt und sich das Handgelenk gebrochen und nun soll unsere Versicherung zahlen?›»

Der erste Schultag im neuen Schulhaus

Der erste Schultag im neuen Schulhaus

Die Erstklässler wurden mit einem Spalier empfangen. Nachher durften sie zum ersten Mal – gemeinsam mit ihren Eltern – ins Schulzimmer.

Am Montag, 13. August, durften die Kinder pünktlich zum Schulbeginn endlich zurück ins frisch renovierte Schulhaus Stapfer. Rund eineinhalb Jahre wurde saniert und ausgebaut. Übermorgen Samstag wird das altehrwürdige Gebäude öffentlich eingeweiht. Von 10.30 bis 14 Uhr kann das Schulhaus frei besichtigt werden – die Zimmer und sogar das Türmli, von wo aus man einen wunderbaren Ausblick geniessen kann. Dazu gibts eine Gewerbeschau der an der Sanierung beteiligten Unternehmen, eine Festwirtschaft, Führungen von Schülerinnen und Schülern sowie Pausenplatzspiele.

Nebst dem Anbau mit den neuen Schulzimmern ist der markanteste Unterschied wohl, dass das Schulhaus einen neuen Anstrich erhalten hat. Wobei der gewählte Elfenbein-Farbton gar nicht neu, sondern das historische Erscheinungsbild des Schulhauses ist. Erst seit den 1980er-Jahren erstrahlte es in markantem Gelb. «Anhand von historischen Fotos, Beschreibungen sowie Farbanalysen vor Ort wurde versucht, die alte, ursprüngliche Fassadenfarbe herzuleiten», erklärte Jörg Steinhardt, Projektleiter Planung und Bau der Stadt Brugg Steinhardt, in einem früheren Artikel gegenüber der AZ. Es wurde eng mit der kantonalen Denkmalpflege und zwei Restaurationsmalerinnen zusammengearbeitet.

Neu ist auch die Steuerung der Turmuhr. Für diese mussten nicht nur die Zeiger saniert, sondern auch die Motorzeigerwerke umgebaut werden. Das Schulhaus Stapfer ist nun mit einer selbstrichtenden Uhrwerksteuerung versehen. Die Umstellung der Sommer- und Winterzeit erfolgt automatisch. Erbaut wurde das Schulhaus Stapfer übrigens in den Jahren 1909/10.