«Stille fällt wie flüssiger Ton von der Decke.» – «Wenn ich mal gross bin, will ich eine Ampel werden.» – «Fahrrad fahren durfte ich – nur ohne Fahrrad.» Solche Sätze locken am Samstag so viele Menschen ins Dampfschiff, dass es «zu sinken» droht: Es war bis auf den letzten Platz besetzt, manche sitzen auf dem Boden, einige stehen. Was ist hier los? Poetry Slam.

Patti Basler, Slampoetin, Texterin und Kabarettistin, betritt die Bühne, das Publikum tobt. Sofort legt sie los. «Ich dachte immer, ich kann gar keinen Sport», sagt die Aargauerin und Gewinnerin des Salzburger Stiers 2019. Sie hat sich dann doch für Wortsport entschieden und führt durch den Slam-Abend. Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem die Autoren selbst geschriebene Texte vortragen – ohne besondere Kleidung, ohne Requisiten und in einer vorgegebenen Zeitspanne. Die Slam-Poetinnen und -Poeten füllen allein mit ihren Worten die Bühne und den Raum aus. Und das Publikum entscheidet mit Klatschen, welcher der Wortkünstler gewinnt.

«Wir bringen das Dampfschiff zum Kochen», heizt Patti Basler die Stimmung an. Es gibt schliesslich eine Flasche feinsten Irish Whisky zu gewinnen. Zunächst wird es allerdings ganz ruhig, als Beata Bereuter mit ihrer Gitarre die Bühne betritt und stimmgewaltig und gefühlvoll mit «Wunsch» Geld für ein Dach über dem Kopf sammelt.

Acht Slam-Poeten im Wettstreit

Dann kommen die acht Slam-Poetinnen und -Poeten auf die Bühne und verzaubern das Publikum mit ihren Worten. Sie bringen die Menschen zum Lachen, zum Nachdenken und zum lautstarken Klatschen, sodass das Dezibel-Messgerät an der Wand auf Hochtouren kommt. Toi-Toi-Toiletten messen sich dabei mit Mittagessenbingo, Warenausfuhrscheine für eine Zwiebel mit einem fünfstündigen Swica-Telefonat, ein todmüder Ferienbüromensch misst sich mit der Piratin Anna Sofie und ein norddeutsches Richtfest trifft auf eine nicht entscheidungsfreudige Thurgauerin. Es ist wirklich nicht leicht für das Publikum, sich unter jeweils zwei Wortkünstlern zu entscheiden.

Vier Slamer kommen weiter: Rhea Seleger, Gregor Stäheli, Bonny Lycen und Martina Hügi. Eine Liebeserklärung an die Eltern trifft nun auf den Mann aus Teflon und die Ausländerfrage wird mit Bauchtanz konfrontiert. Am Ende des Abends gewinnt Gregor Stäheli, der sich am liebsten mit einem Koala identifiziert, um von oben auf dem Eukalyptusbaum das Chaos zu bestaunen. Der Abend zeigte ihm, dass es sich lohnt, «kurz runter zu kommen, um das Glück zu berühren, oder einfach Boden zu spüren», so der Gewinner des Abends.