Ein Lehrer, der eben aus dem damaligen Lehrerseminar Wettingen entlassen worden war und seine erste Stelle in Windisch antrat, hatte 1963 in der hiesigen Lehrerschaft das Fussballtennis eingeführt. Interessierte Schulmeister erhielten damit die Möglichkeit, allwöchentlich in einer Randstunde in einer Randsportart etwas für die Fitness zu tun.

Davon wurde von Anfang an rege Gebrauch gemacht – mit dauerhaftem Erfolg. Denn noch heute, 50 Jahre später, treffen sich Windischer Lehrer, auch pensionierte, hin und wieder auch Lehrerinnen sowie «zugewandte Orte», allwöchentlich um 18 Uhr zum Spiel in der untern Turnhalle Dohlenzelg; Dutzende von Schulmeistern aus der Primar-, Sekundar- und Bezirksschule waren es in diesen fünf Jahrzehnten. Einige frühere Teilnehmer sind in der Zwischenzeit verstorben wie etwa der Windischer Ehrenbürger Ernst Birri. Drei Mitbegründer spielen noch immer mit: Walter Lüssi, Rolf Henrich und Frédéric Briner.

Faszinierender Sport

Wie es der Name sagt, stehen sich beidseits des über dem Boden aufgespannten Netzes zwei Mannschaften gegenüber. Entgegen dem später erlassenen internationalen Reglement besteht jede Mannschaft in Windisch nicht nur aus zwei Spielern, sondern je nach Teilnehmerzahl auch aus drei oder vier. Der übers Netz gespielte Fussball darf bei einem Spieler 1 Mal den Boden berühren, kann aber jongliert und einem Mitspieler weitergeleitet oder in die gegnerische Hälfte befördert werden. Es ist eine faszinierende, packende Sportart, die Technik, Intelligenz und Konzentration abverlangt.

Die Ballwechsel sind oft spektakulär. Ein besonderer Vorteil: Weil kein Kontakt mit dem Gegner erfolgt, ist die Verletzungsgefahr minim, zudem kann Fussballtennis von Jung und Alt betrieben werden. Dass die Faszination und der Fitnesswert hoch sind, beweist auch der Umstand, dass die Teilnehmer nicht in einen Verein oder Club eingebunden sind und dass gleichwohl in den 50 Jahren nie Auflösungserscheinungen eintraten.

Auch Messi und Federer...

Vor rund 80 Jahren war Fussballtennis, damals «Fussball über die Schnur» genannt, in der ehemaligen Tschechoslowakei erstmals gespielt worden. Er hat sich zunächst in Osteuropa ausgebreitet, dann sukzessive in weiteren Ländern. Die Windischer Lehrer zählten in unserem Land zu den Pionieren. Heute sind 13 Vereine im Welschland, 2 in Basel aktiv, jüngst ist der FTC Zentralschweiz hinzugekommen. 1987 ist auf Schweizer Initiative hin der Internationale Fussballtennis-Verband IFTA gegründet worden. Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaften gehören nunmehr zum Programm. Die Windischer Lehrer aber bleiben Plauschspieler ohne auswärtige Auftritte. Zu den Plauschspielern zählt übrigens auch Roger Federer, der mit Begeisterung Fussballtennis spielt. Der Fussballclub Young Boys Bern wählt diese Sportart im Training ab und zu zwecks Ballschulung. Selbst der weltbeste Fussballer Lionel Messi schätzt Fussballtennis als Abwechslung.

In Erinnerung geblieben ist den Windischer «Spielern der ersten Stunde» ein Spiel zu später Stunde. Am Vorabend des Jugendfestes pflegte die ganze Lehrerschaft jeweils ein Nachtessen einzunehmen. Im Anschluss daran beschlossen die Tennis-Fussballer, noch einen Match auszutragen. Allerdings hatten sie keine Turnschuhe mit dabei, weshalb sie barfuss spielten. Mit Folgen: Es stellten sich schmerzhafte Blasen an den Fusssohlen ein. Am Jugendfestumzug konnte man die Spieler leicht erkennen: Sie alle marschierten hinkend mit.