Windischer Gemeindeschreiber unterstützt Ex-Spitzensportler aus Rumänien

Für Stefan Wagner (rechts) ist der rumänische Ex-Spitzensportler Marius Daniel Arsene wie ein Sohn. ZVG

Für Stefan Wagner (rechts) ist der rumänische Ex-Spitzensportler Marius Daniel Arsene wie ein Sohn. ZVG

Alles hatte mit Facebook begonnen: Der Windischer Gemeindeschreiber Stefan Wagner spielte gegen den rumänischen Ex-Spitzensportler Marius Daniel Arsene. Inzwischen ist aus der virtuellen Begegnung eine enge Freundschaft und ein Hilfsfonds entstanden.

Nein, er könne sich auch nicht genau erklären, warum er sich so sehr für einen fremden Menschen einsetze, sagt Stefan Wagner.

Der zweite Gemeindeschreiber und Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Windisch hat Anfang Mai einen Fonds gegründet, um den ehemaligen Kickboxer und Leichtathleten Marius Daniel Arsene aus Rumänien finanziell zu unterstützen: «Es ist, als wäre ich bestimmt für diese Aufgabe.»

Er wusste nicht mehr weiter

Marius Daniel Arsene lebt mit seiner Mutter und Grossmutter in einem Slumquartier ausserhalb von Bukarest. Bis vor zwei Jahren hatte er als Spitzensportler sein Geld verdient und an einer Sportuniversität studiert. Dann brach er sich bei einem Unfall Bein und Knie. Seither ist der 22-Jährige arbeitslos und musste wegen Geldmangels sein Studium aufgeben.

Im Herbst 2012 schickt er einen Hilferuf in die Facebook-Gemeinde. Er könne die Rechnungen nicht mehr bezahlen und wisse nicht mehr weiter.

Kontakt über Skype

Stefan Wagner sah die Nachricht. Er hatte den Ex-Sportler durch Online-Spiele kennen gelernt und mit ihm bereits mehrmals gechattet. In der Folge begann er, sich genauer über dessen Situation und Hintergründe zu informieren.

Die rumänische Familie lebte damals von einer kleinen Rente der Grossmutter. Ausserdem bebaut sie einen grossen Garten und hält Schweine und eine Kuh. Für Strom- und Holzkosten, sowie Arztrechnungen kann sie jedoch kaum aufkommen.

Bevor Stefan Wagner begann, Marius Daniel Arsene aus privater Kasse Geld zu schicken, kontaktierte er Markus Wirth. Dieser arbeitet bei der Stiftung Falcau, die in Rumänien Entwicklungsarbeit leistet.

Er prüfte die Angaben von dem Hilferufer und konnte alle bestätigen. Seither schreiben sich oder skypen der Windischer und der Rumäne fast täglich und Stefan Wagner schickt gelegentlich Geld in den Osten.

Staunen über die Sauberkeit

Im April dieses Jahres kam Marius Daniel Arsene für eine Woche in die Schweiz und wohnte bei Stefan Wagner. Sie besuchten den Legionärspfad das Gemeinde- sowie das Kirchgemeindehaus in Windisch.

Der Rumäne sei immer wieder erstaunt gewesen, wie sauber alles sei, erzählt Stefan Wagner. «Einmal kauften wir zwei Steaks zum Abendessen. Mein Gast zerschnitt die Fleischstücke so fein, dass sie für drei Tage reichten.»

Während der gemeinsam verbrachten Zeit konnte sich Stefan Wagner überzeugen, dass Marius Daniel Arsene «ein absolut sauberer Mann ist, der sorgfältig mit Dingen umgeht». Kurz darauf schrieb er einen Brief an etwa 100 Leute seines Bekanntenkreises mit dem Spendenaufruf für einen Hilfefonds.

Mit dem Geld soll der Lebensunterhalt der Familie Arsene gesichert werden. Der Ex-Spitzensportler plant, sein Studium zu beenden und später einen Secondhand-Shop zu eröffnen.

Meistgesehen

Artboard 1