«Das ist die Stube unseres Quartiers», sagt Dave Roth und zieht die imposante Holztür zum Diesellokal auf. Wir blicken in die Industriehalle in Unterwindisch, wo früher die Dieselmotoren die Spinnerei mit Energie versorgten, wenn das Wasserkraftwerk zu wenig Leistung brachte.

Das Diesellokal ist der Ort, wo Dave Roth (47) in seiner Freizeit aktiv ist. Besonders gerne erinnert er sich an die Theateraufführung von Hinz & Kunz. Er war Gründungspräsident des Startvereins Diesellokal. Im hinteren Teil wurde ein Café eingerichtet, regelmässig finden in der Halle auf dem Kunzareal Ausstellungen oder Märkte statt. Zudem ist Dave Roth Vizepräsident des Quartiervereins Unterwindisch.

Das Kunzareal ist jeweils am Mittwoch auch sein Arbeitsort. Im Coworking Space «Village Office» kann der Architekt seine Arbeit erledigen und ist gleichzeitig in der Nähe der Familie. «So kann ich spontan auch mal mit den Kindern etwas unternehmen.» Der Sitzungstisch im «Village Office» ist denn auch Ort unseres Gesprächs.

Besonnen, unaufgeregt und dennoch konkret gibt Dave Roth Auskunft. Er ist kein Mann der lauten oder provozierenden Worte. Eine Eigenschaft, die ihm wohl auch zu den vielen Stimmen bei den Einwohnerratswahlen verholfen hat.

Spross einer FDP-Familie

Seit 2002 wohnt er mit seiner Familie – der Frau, einem Sohn (17) sowie einer Tochter (13) – im Unterdorf, dem Windischer Quartier, das sich in den letzten Jahren enorm entwickelt hat, das als hip, urban und modern gilt. «Es ist Heimat für mich», sagt der 47-Jährige. Dass er mit seiner Familie ausgerechnet ins Unterdorf gezogen ist, ist mehr einem Zufall, beziehungsweise Windischer Freunden, zu verdanken.

Nachdem die Familie aufgrund des Hochwassers 2005 aus dem ersten Haus ausziehen musste, erhielt er die Möglichkeit, als Architekt an einem Mehrfamilienhaus mitzuarbeiten. Gemeinsam mit vier anderen Parteien wohnt die Familie nun in diesem Haus.

Dave Roth ist im Alter von fünf Jahren nach Windisch ins Klosterzelgquartier gezogen. Roths Vater war Dozent an der HTL, seine Mutter Italienisch- und Französischlehrerin an der Bezirksschule Windisch. Und: Beide Elternteile waren in der FDP. Die Mutter war sogar für eine Legislatur im Einwohnerrat.

Dass Dave Roth vor acht Jahren dann für die SP-Fraktion als Einwohnerrat kandidierte, ist ebenfalls mehr ein Zufall gewesen. Er wurde damals von Christian Bolt (SP) angefragt, ob er nicht für den Einwohnerrat kandidieren möchte. «Und weil es in der SP viele Leute gab, die mir sympathisch waren, sagte ich zu», erzählt Roth.

Der Partei ist er allerdings nicht beigetreten. Er findet: «In der Lokalpolitik ist und sollte die Parteizugehörigkeit nicht so relevant sein.» Letztlich würde er sich auch nicht als einen typischen SPler bezeichnen. «Ich bin sicher links der Mitte, unter SPlern aber eher im rechten Flügel anzusiedeln.» Denn am Ende sei er auch Unternehmer. Und er gewichte Eigenverantwortung höher als Kontrolle, beispielsweise seitens des Staats.

Obwohl er sich eher spät lokalpolitisch zu engagieren begann, wurde er schon als Kind politisiert. Im Elternhaus diskutierte der Vater schon früh mit ihm und seinem Bruder über den UNO-Beitritt. «Dabei wussten wir nicht einmal, wer oder was die UNO ist», sagt Dave Roth und lacht.

Respekt vor dem Amt

Und nun dürfte er, der mit 1023 Stimmen der mit Abstand bestgewählte Einwohnerrat ist, am 24. Januar zum Einwohnerratspräsidenten erkoren werden. Ein Amt, vor dem er Respekt hat. «Herausfordernd ist, dass die SP-Fraktion nochmals gewachsen ist und mit 18 Sitzen beinahe die Hälfte des Einwohnerrats ausmacht», sagt Dave Roth.

Herausfordernd für ihn deshalb, weil er einer ist, der dazu neigt, Schwächere oder Untervertretene zu unterstützen. «Mir ist es wichtig, dass wir im Einwohnerrat Entscheide diskutieren, aber danach mit einem guten Gefühl fällen. Ich möchte nicht, dass sich die Fronten verhärten.»

Als Einwohnerratspräsident will er die Gemeinde Windisch als «offen, integrativ und kommunikativ» repräsentieren. Zudem wünscht er sich, dass sich das Verhältnis zwischen Brugg und Windisch wieder verbessert.

«Die Chance auf eine Fusion ist noch intakt», ist Dave Roth überzeugt. Hoffnung setzt er dabei auch in die teilweise neu gewählten Vertreter in den beiden Exekutiven. Beim Thema Fusion oder auch erweiterte Zusammenarbeit denkt er aber nicht nur an die Stadt Brugg, sondern auch an Mülligen, Habsburg, Hausen und das Eigenamt. Insgesamt findet er: «Windisch könnte sich besser verkaufen.»

Ein Theaterprojekt als Chance

Allerdings blickt er nicht nur über die Gemeindegrenzen hinaus. Auch innerhalb der Gemeinde findet er Themen, die angegangen werden sollten. «In der letzten Zeit war das Unterdorf-Quartier stark im Fokus. Es wird als sehr offen wahrgenommen», sagt Dave Roth. «Dabei gilt das für die ganze Gemeinde.»

Tatsächlich sei es so, dass die Einwohner von Unterwindisch als Gruppe wahrgenommen werde «und sich selber manchmal schon genug ist und sich daher nicht gross mit der ganzen Gemeinde identifiziert», wie es Roth ausdrückt.

Er vergleicht es mit einer Familie mit fünf Kindern: «Da lädt man auch nicht unbedingt noch mehr Kinder zu sich nach Hause ein, weil schon so genug Rambazamba herrscht.» Deshalb findet er: «In Windisch besteht sicher noch das Potenzial, um ein besseres Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.» Das sei eine Herausforderung, da Windisch mehrere Zentren besitze und historisch auch so gewachsen sei.

Ein Projekt, das zu einem besseren lokalen und regionalen Zusammengehörigkeitsgefühl verhelfen soll, ist das Theaterprojekt «Zufall regiert» über das Zusammenleben in der Region Brugg-Windisch, in das auch Dave Roth involviert ist. Das Theater soll während dem Brugger Stadtfest zur Aufführung gelangen. «Dieses Projekt ist eine Chance für Windisch und die Region», ist er überzeugt.

Zwei Jahre lang wird Dave Roth höchster Windischer sein. Einige würden ihn nach dem guten Resultat bei den Einwohnerratswahlen gerne als künftigen Gemeinderat sehen. Er winkt aber ab. «Das kommt nicht infrage. Ich habe ein Architekturgeschäft in Zürich gemeinsam mit einem Partner, beschäftige sechs Angestellte. Das vereinnahmt mich zu sehr, um ein Amt als Gemeinderat in Betracht zu ziehen.»