Windisch
Warum die neue Kletterhalle für den SAC Brugg ein verfrühtes 100-Jahr-Jubiläumsgeschenk ist

Die Boulder- und Kletterhalle Blockchäfer ist das verbindende Glied der Stiftung Faro zur SAC Sektion Brugg. Gemeinsam wollen sie verschiedene Projekte für beeinträchtigte Menschen durchführen – die erste Aktion ist in Planung.

Janine Walthert
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Im Blockchäfer können nicht nur SAC Brugg-Mitglieder klettern: Schon bald sollen Anlässe für Menschen mit Beeinträchtigungen durchgeführt werden.

Im Blockchäfer können nicht nur SAC Brugg-Mitglieder klettern: Schon bald sollen Anlässe für Menschen mit Beeinträchtigungen durchgeführt werden.

Bild: zvg / Andreas Greth

Der «Blockchäfer» ist eine 157 Quadratmeter grosse Halle bei dem Wohnheim Spitzmatt der Stiftung Faro in Unterwindisch. Reges Treiben herrscht. Die Kletter- und Boulderhalle wird von dem Schweizer Alpen-Club (SAC) Sektion Brugg betrieben. Die Stiftung Faro kooperiert mit dem SAC Brugg. Daraus entstehen viele Projekte. Doch noch konnten die Klienten der Stiftung die Halle nicht benutzen.

Eine langjährige Zusammenarbeit soll angesteuert werden

Im Jahre 2018 wurde das Rekrutierungszentrum von Windisch nach Aarau verlegt. Kurz darauf zog die Stiftung Faro in das Gebäude und eröffnete dort das Wohnheim Spitzmatt. Die Stiftung Faro sichert Menschen mit Beeinträchtigungen und mit herausforderndem Verhalten Wohn- und Arbeitsplätze.

Dabei blieb die Doppelturnhalle ungenützt. Die Stiftung Faro nutzte diese Ausgangslage, denn die Bewohnenden sollten auch eine soziale Integration über Sportmöglichkeiten erhalten. «Die Stiftung hatte Interesse an einer langjährigen Kooperation mit einem sportlichen Partner, welcher sich für die Zusammenarbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigung begeistern lässt», sagt Pascale Steiner, Leiterin Wohnen und stellvertretende Geschäftsleiterin.

Unverbindlich ging der SAC Brugg, der eine neue Räumlichkeit für sein Kletter- und Boulderangebot suchte, auf die damalige Geschäftsleitung der Stiftung Faro zu und führte mehrere Gespräche. Auf das Klientel galt es stets Rücksicht zu nehmen. Es liess sich eine Gemeinsamkeit finden und die Zusammenarbeit wurde auf beiden Seiten angestrebt. Manuel Meier, Mitglied der Betriebskommission der Boulder- und Kletterhalle Blockchäfer, sagt:

«Die Kooperation ergab Sinn – zumal sich Bouldern und Klettern für Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen eignet.»

Das Projekt stiess, laut Meier, unter der breiten Masse auf viel Wohlwollen oder gar Begeisterung. Im September 2020 öffnete die Halle zum ersten Mal ihre Tore.

Die SAC Sektion Brugg feiert im Jahr 2022 ihren 100. Geburtstag. «Die neue Kletterhalle ist gewissermassen ein verfrühtes 100-Jahr-Jubiläumsgeschenk», sagt Manuel Meier.

Die Bauphase des «Blockchäfers» im Zeitraffer.

Quelle: Youtube

Beide können voneinander profitieren

Der SAC Brugg hat bereits früher Erfahrungen mit Kletter- und Boulderangeboten für beeinträchtigte Menschen gesammelt. «Davon können die Bewohnenden und die Stiftung nur profitieren», sagt Steiner und fügt an:

«Die Menschen erlangen durch diese Sportart Selbstsicherheit, bauen ihre Fitness aus und erhalten eine grossartige Sportmöglichkeit.»

Die Stiftung ist für die Sektion Brugg ein wichtiger Partner. Auch bei der Suche von Sponsorengeldern profitierte der SAC von dem Netzwerk der Stiftung Faro. «Wir sind glücklich, das Gebäude so mitbenutzen zu dürfen», sagt Meier und ergänzt:

«Deshalb ist es uns umso wichtiger, den Bewohnenden ein optimales Angebot zu bieten.»

Auch die Stiftung ist dieser Meinung: «Wir haben gemeinsame Interessen», sagt Pascale Steiner und fügt an: «Die Zusammenarbeit ist offen und befruchtend. Wir ziehen den Hut vor den vielen freiwilligen Helfern des SAC.»

Erste gemeinsame Projekte sind im Herbst geplant

Über hundert herausfordernde Boulderrouten können geklettert werden.

Über hundert herausfordernde Boulderrouten können geklettert werden.

Bild: zvg / Andreas Greth

Doch aufgrund der Pandemie war es bisher nicht möglich, betreute Gruppenaktivitäten mit den Bewohnenden des Wohnheims durchzuführen.

Ein erster Event ist coronabedingt erst im Herbst geplant. Bald werden Gespräche geführt und ein Konzept erarbeitet, in welcher Form die Kletterhalle für die Bewohnenden der Spitzmatt genutzt werden kann. Steiner sagt:

«Dabei stehen Sicherheit und agogische Begleitung für uns an erster Stelle.»

Weiter will die Stiftung Faro mit dem SAC Brugg Angebote für Klienten und Klientinnen anderer Behinderteneinrichtungen durchführen können. Diese sollen den Bewohnenden Begegnungen und Erlebnisse schaffen, die sonst nicht gemacht werden können.

Veränderungen im «Blockchäfer» während der Pandemie

Die Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen erforderten diverse Änderungen im «Blockchäfer». Manuel Meier sagt:

«Wir haben die Zeit genutzt, um neue Routen zu schrauben und die Ausstattungen der Halle zu verbessern.»

Dies machte der SAC Brugg basierend auf den Erfahrungen aus den ersten Betriebsmonaten. Zusätzlich wurde im November ein Online-Reservationssystem eingeführt, um die Besucherzahl zu limitieren.

Die Besucherzahlen pendelten sich nach der Wiedereröffnung Mitte April wieder auf das Niveau des letzten Herbsts ein. Das durch die Pandemie notwendige Reservationssystem stiess auf positives Echo. So sagt Meier:

«Einige Besucher schätzen es, eine Uhrzeit auszusuchen, zu der die Halle weniger genutzt wird.»

Die Stiftung Faro hofft auf viele Besucher. «Die Begegnungen, welche durch das Klettern geschaffen werden, sind ein wichtiger Schritt für eine gelingende soziale Integration unserer Bewohnenden», sagt Steiner.

Der «Blockchäfer» von innen: Die farbigen Griffe zeigen unterschiedliche Routen an.

Der «Blockchäfer» von innen: Die farbigen Griffe zeigen unterschiedliche Routen an.

Bild: zvg

Die Boulder- und Kletterhalle Blockchäfer

Bereits im Jahr 1990 eröffnete die Sektion Brugg des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) die Kletterwand Dägerli in Windisch – eine der ersten in der Nordwestschweiz. Zusätzlich übernahm der SAC Brugg 2014 den Boulderraum Gravity vom damaligen Sportgeschäft Arcta in der Brugger Altstadt.

Die Stiftung Faro unterstützen die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und soziale Integration von Personen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen und bietet diesen Menschen Wohnungen und Arbeitsmöglichkeiten. Das Angebot umfasst 89 Wohnplätze mit Beschäftigung und 100 geschützte Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten.

Auf 600 Quadratmetern kann geklettert werden

Nach der Zusage der Stiftung Faro im Jahr 2018 begann ein langer Weg von der Planung bis hin zur Realisierung der Boulder- und Kletterhalle. Die 3500 Griffe montierte der SAC Brugg eigenhändig ab Anfang August. Die Halle öffnete am 1. September 2020 zum ersten Mal ihre Tore.

Es kann geklettert und gebouldert werden. Auf 600 Quadratmeter Wandfläche lassen sich über 30 verschiedene Routen mit Seil klettern, 120 bouldern. Beim Bouldern wird ohne Seil und auf Absprunghöhe geklettert.

Zutritt erlangen Besuchende durch einen QR-Code

Die Halle wird ehrenamtlich und freiwillig geführt, kann auch von Aussenstehenden benutzt werden. Weiter wird die Boulder- und Kletterhalle unbeaufsichtigt betrieben. Besuchende kaufen ihr Ticket oder Abo online und erhalten mit einem QR-Code Zugang zur Halle. Dank diesem System ist die Halle die ganze Woche von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Über die 15 Stunden verteilt, verzeichnet der SAC Brugg rund 60 Besuchende pro Tag.

Der «Blockchäfer» im Bau: Die 3500 Griffe montierten die SAC Brugg Mitglieder alle selbst.

Der «Blockchäfer» im Bau: Die 3500 Griffe montierten die SAC Brugg Mitglieder alle selbst.

Bild: Janine Müller
(29. Juli 2020)

Mehr zum «Blockchäfer» des SAC Sektion Brugg oder der Stiftung FARO finden Sie auf deren Websites.