Windisch
«Die Idee entstand bei einem Glas Wein unter Freunden»: Wie aus diesem Bauingenieur ein Buchautor wurde

Am 27. Juli veröffentlicht Philipp Brutschi sein erstes Werk «Grandhotel Giessbach». Warum der Windischer sich für einen historischen Roman entschieden hat.

Maja Reznicek
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Die Dampfmaschine Sulzer auf dem Campus Brugg-Windisch stammt aus der Zeitepoche, in welcher der Roman von Philipp Brutschi spielt.

Die Dampfmaschine Sulzer auf dem Campus Brugg-Windisch stammt aus der Zeitepoche, in welcher der Roman von Philipp Brutschi spielt.

Sandra Ardizzone

Einfach drauflosschreiben. Das würde Philipp Brutschi wohl nie. «Ich bin etwas zwiegespalten als Person», sagt der 44-Jährige mit einem Lachen. Einerseits habe er eine planerische, geradlinige Seite. Ganz der Bauingenieur eben, der sich nach einer Lehre als Geomatiker für ein Fachhochschulstudium entschied und nun seit 18 Jahren in Brugg arbeitet.

Andererseits verfügt Brutschi auch über eine ausgeprägt kreative Ader. Angefangen habe es bereits während seiner Studienzeit, wie der gebürtige Fricktaler sagt:

«Weil sie jemanden brauchten, der ausreichend Englisch kann, schrieb ich Songtexte für die Band meines Bruders.»

Es folgten Sketches und Drehbücher. Einmal durfte Philipp Brutschi im Rahmen des Treatment Awards, einer Initiative zur Förderung des Drehbuchschaffens in der Schweiz, sein eigenes Skript am Zurich Film Festival präsentieren. «Ein Highlight», erklärt Brutschi.

Ein weiteres wartet auf ihn am 27. Juli: Dann veröffentlicht der Windischer seinen Erstling «Grandhotel Giessbach».

Historischer Roman hat gegenüber Science-Fiction einen Vorteil

Der historische Roman spielt kurz vor dem Ersten Weltkrieg, während der Belle Époque, im Schweizer Grandhotel Giessbach. Protagonist ist der junge Ingenieur Carl Lohser. Er will der «Orion-Gesellschaft für Fortschrittsfragen», einer elitären Verbindung, sein neuartiges Elektroautomobil vorstellen. Doch die Mitglieder der Gesellschaft sind nicht das, was Lohser glaubt.

Drei Jahre lang arbeitete Brutschi an dem historischen Roman.

Drei Jahre lang arbeitete Brutschi an dem historischen Roman.

Sandra Ardizzone

Wenn man Philipp Brutschi fragt, wie er auf die Geschichte kam, erklärt er: «Die Grundidee stammt nicht von mir. Sie entstand bei einem Glas Wein unter Freunden.» Der Windischer spann den Gedanken eines «Verschwörungsromans» weiter und fand schnell den idealen Schauplatz für das fiktive Geschehen: das reale Grandhotel Giessbach.

Dieses kannte er von den Familienferien im Berner Oberland. «Die Räume versetzen einem direkt in eine andere Zeit», schwärmt Brutschi. Er unternahm Führungen, las sich in die Vergangenheit des Unternehmens ein, das um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Hochkonjunktur erlebte.

Dass der 44-Jährige sich bei seinem Erstling ebenfalls für diese Zeitepoche entschieden hat, ist nicht verwunderlich. Brutschi erklärt:

«Die Zeit unserer Ururgrosseltern mit den damaligen technischen Errungenschaften fasziniert mich.»

Es gebe viele Ähnlichkeiten zur Gegenwart. «Damals war das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Elektroauto und Benzinauto ein grosses Thema. Jetzt gerade sprechen wir wieder darüber», nennt der Autor als Beispiel.

Zudem, so findet der Bauingenieur, sei der Vorteil eines historischen Romans gegenüber von Science-Fiction, dass die Leser «in eine andere Welt versetzt werden, die tatsächlich existierte und in diesem Fall sogar noch besichtigt werden kann».

Nur 20 Manuskripte musste der Windischer verschicken

Drei Jahre liess sich Brutschi Zeit, um sein Buch zu finalisieren. Für ihn stand dabei fest: «Ich schreibe für den Leser, nicht für mich.» Um seinen Schreibstil zu verbessern, konsultierte er Lehrbücher – und las vor allem selbst viel. «Dabei kann man dem Autor bei der Arbeit über die Schulter schauen», erklärt der 44-Jährige.

Philipp Brutschi, Bauingenieur und Buchautor.

Philipp Brutschi, Bauingenieur und Buchautor.

Sandra Ardizzone

Beim «Grandhotel Giessbach» entschied er sich vor dem Schreiben, die Meilensteine der Geschichte festzulegen. «In der Zwischenzeit habe ich gelernt, dass man Details noch offenlassen muss.» Denn:

«So kann man die Figuren zusammenführen und erst einmal schauen, welchen Weg sie einschlagen.»

2018 begann der Bauingenieur mit der Suche nach einem Verlag. Nach nur 20 verschickten Manuskripten sagte ihm der Emons Verlag in Köln zu. Der Erfolg ist für Brutschi jedoch kein Grund zur Rast: Inzwischen entwickelt er bereits das nächste Buchprojekt.

Dieses sei schon fast fertig. «Ich arbeite noch am Showdown, der ‹chlöpft› aber noch nicht richtig.» Auch dieser Roman hat einen historischen Bezug. Im Zentrum steht eine Persönlichkeit des 15. Jahrhunderts, die in die Gegenwart gelangt. Der Autor verrät: «Die Leser sollen die heutige Welt durch die Augen eines Bergbauern aus der alten Eidgenossenschaft sehen.»

Es wird nicht das letzte Buch von Philipp Brutschi sein. Denn auch das übernächste Projekt ist längst in Planung.

«Grandhotel Giessbach» Historischer Roman. Veröffentlichung 27. Juli 2021. Emons Verlag.

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