Bevölkerungswachstum
Windisch, Brugg und Hausen wachsen im Bezirk am stärksten

Im letzten Jahr ist der gesamte Bezirk Brugg bezüglich Einwohnern um 1,6 Prozent gewachsen. Vor allem Gemeinden mit guter Anbindung an Autobahn und Schiene waren 2014 bei Zuzügern begehrt. Nur wenige Gemeinde verzeichneten ein Negativwachstum.

Matthias Hausherr
Drucken
Teilen
Überbauungen wie die fehlmannmatte in Windisch verhalfen der Gemeinde zu mehr Wachstum.

Überbauungen wie die fehlmannmatte in Windisch verhalfen der Gemeinde zu mehr Wachstum.

Claudia Meier

2014 ist Windisch unter allen Gemeinden im Bezirk Brugg am stärksten gewachsen. Unter dem Strich sind 287 Personen zugezogen. Dahinter folgen Brugg mit 200 und mit Lupfig und Hausen zwei weitere Agglomerationsgemeinden mit einem Zuwachs von je rund 100 Einwohnern. In Windisch und Lupfig ist diese Zunahme mit rund 4,5 Prozent im Vergleich zur Einwohnerzahl beträchtlich. Insgesamt verzeichnet der Bezirk Brugg ein Wachstum von 1,6 Prozent. Das ist etwas mehr als das gesamtschweizerische Bevölkerungswachstum im letzten Jahr von 1,2 Prozent.

Ländlich und doch stadtnah

Die Lage der am stärksten gewachsenen Gemeinden scheint kein Zufall zu sein. Sie alle liegen um die Zentrumsgemeinde Brugg und haben durch die nahe Autobahn und den Bahnhof Brugg gute Verbindungen nach Zürich und in die übrigen Schweizer Städte. Bei der Stadt Brugg sieht man die Nachfrage nach Wohnraum, die von der Stadt Zürich ausgeht, nun auch hier angekommen.

Darin sieht auch Heidi Ammon, Gemeindeammann von Windisch, die Attraktivität ihrer Gemeinde begründet: «Die zentrale Lage und die gute Anbindung an den öffentlichen und den motorisierten Individualverkehr führte sicher auch dazu, dass einige Neuzuzüger aus der weiteren Region hierher gezogen sind.» Nach der Einschätzung von Christian Wernli, Gemeindeschreiber von Hausen, ist «allgemein ein gesellschaftlicher Trend zu beobachten, dass die Leute zwar gerne in einem Dorf, aber trotzdem nahe von einem Zentrum wohnen wollen». Gemäss einer Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2013 sehen auch die Bürger den Standortvorteil von Hausen in den guten Verkehrsverbindungen und der gleichzeitigen Nähe zur Natur.

Ein weiterer Treiber des Bevölkerungswachstums ist in Brugg auch der noch neue Fachhochschulcampus, der Studierende und Dozenten gleichermassen nach Brugg lockt. Brugg und Hausen führen zudem auch die niedrigen Steuerfüsse als Pull-Faktoren –also Gründe, die zu einem Zuzug motivieren – an. Dieses Argument kann aber nicht schlüssig erklären, warum ausgerechnet Windisch, die Gemeinde mit einem der höchsten Steuerfüsse im Bezirk, am stärksten gewachsen ist.

Vor allem Brugg und Hausen sind in den letzten Jahren stetig gewachsen und gehörten immer zu den vordersten Gemeinden, wenn es ums Bevölkerungswachstum ging. Bei Windisch und Lupfig war das Wachstum im gleichen Zeitraum etwas unsteter. Beide verzeichneten in den letzten Jahren auch immer wieder Bevölkerungsrückgänge.

Nachhaltig wachsen

Der Wachstumstrend in Hausen wird laut Christian Müller auch zukünftig anhalten. Die Gemeinde stellt dies vor Herausforderungen. Neben dem neuen Schulhaus wird an der nächsten Gemeindeversammlung ein Kredit für eine Doppelturnhalle beantragt. Zudem stehen schon neue Bauprojekte in der Pipeline. «Die vielen neuen Wohnungen im Gebiet «Hausen West» generieren zudem ein Verkehrsaufkommen, das vom Dorf geschluckt werden muss» so Wernli. «Dies wird mittelfristig unweigerlich den Steuerfuss beeinflussen». Auch in Brugg entstehen momentan etliche neue Mehrfamilienhäuser und Treppenhaussiedlungen wie jene am Brugger Berg. Mangels unbebauten Wohnzonen bleibt der Stadt Brugg zukünftig jedoch lediglich die Innenverdichtung, um weiter wachsen zu können.

Auch in Windisch rechnet man dieses Mal nicht mit einem Abbruch des Wachstums. Grössere Überbauungen – etwa die Fehlmannmatte oder das ehemalige Spinnerei-Areal– werden schrittweise bezugsbereit. Mit dem Entscheid, den Dorfkern zu verdichten, wurden die Weichen auch deutlich in Richtung Wachstum gestellt. Mit dem räumlichen Entwicklungsleitbild gehen Brugg und Windisch denn auch gemeinsame Wege. Als nächster Schritt folgt die gemeinsame Revision des Ortsplans.

In Windisch und Hausen will man aber kein Wachstum um jeden Preis. In Windisch hat die Gemeinde, soweit möglich, bei den Bauprojekten mitgeredet. «So, dass der Umgebung grosse Beachtung geschenkt und die Bauten gut in die entsprechenden Zonen eingegliedert wurden», sagt Heidi Ammon. Auch Hausen will nicht zum Schlafdorf werden. Deshalb gilt es nach Christian Wernli, die Zuzüger möglichst gut zu integrieren und sie dazu zu bewegen, an Gemeindeanlässen und am Vereinsleben teilzunehmen.»

Keine Landflucht in Villigen

Am anderen Ende der Rangliste stehen Villigen, Bözen und Schinznach, das anfangs 2014 aus der Fusion der Gemeinden Schinznach-Dorf und Oberflachs entstand. In Villigen hat die Bevölkerung im vergangenen Jahr um 32 Personen abgenommen.

Laut der Einwohnerkontrollführerin Fabienne Wüst folgt der Rückgang in Villigen aber keinem Trend. «Die Schwankungen in den Einwohnerzahlen sind vermutlich auf die ausländischen Gastforscher im Paul Scherer Institut (PSI) zurückzuführen, deren Erstwohnsitz oftmals im Gästehaus des PSI in Villigen ist, bevor sie wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren oder sich in der umliegenden Umgebung niederlassen.» Für die Zukunft rechnet man in Villigen sogar mit einem Bevölkerungswachstum. Ein Bauprojekt, das noch dieses Jahr in Angriff genommen wird, soll rund 50 neue Wohnungen schaffen.

Aktuelle Nachrichten