Welchen Reiz hat eigentlich die Tradition des «Tüschle» am Zapfenstreich für die Jugendlichen im Zeitalter von Smartphones und Facebook noch? Ist der Rutenzug ein alter Zopf oder bedeutet er den Schülern etwas? Der Brugger Ortsbürger und FDP-Einwohnerrat Willi Wengi, der dieses Jahr die Festrede an der Morgenfeier im Freudenstein hielt, wollte es genau wissen: Er liess die Brugger Schüler Aufsätze schreiben, um zu erfahren, was für sie der Höhepunkt des Jugendfests ist. Mehr noch: Wengi forderte die Schüler während seiner Rede auf, gemeinsam ihren Favoriten zu nennen.

Besonders beliebt sind das Feuerwerk und der Heimzug. Letzterer für einen jungen Mann, der nicht namentlich erwähnt werden möchte, auch deshalb, weil danach die Ferien beginnen. Für Fabienne aber, weil es so schön bunt ist.

Trommelwirbel, Marschmusik, Glockengeläut und dann natürlich noch die Fontäne. So schön war der Brugger Rutenzug.

Trommelwirbel, Marschmusik, Glockengeläut und dann natürlich noch die Fontäne. So schön war der Brugger Rutenzug.

Leider sei die Festrede für keinen einzigen Schüler ein Höhepunkt, stellte Wengi verständnisvoll fest. Dennoch erinnerte der 61-Jährige daran, dass dank der Tradition des Rutenzugs Freundschaften entstanden, die sein Leben noch heute prägen. Er liebe die Stadt Brugg nicht wegen des Neumarkts. Sein liebster Ort sei der Hexenplatz. Für ihn seien es die Häuser und Plätze, die Geschichten aus seinem Leben erzählen.

«Was ist für euch das Schönste am Jugendfest?» Ausschnitte aus der Festrede. Und natürlich: Das Bruggerlied.

«Was ist für euch das Schönste am Jugendfest?» Ausschnitte aus der Festrede. Und natürlich: Das Bruggerlied.

Liebe am Jugendfest entdeckt

Vor genau 49 Jahren habe er als kleinster Kadett zuhinterst im Zug versucht, im Schritt am Umzug mitzulaufen, erinnerte sich der Festredner. Ebenso so präsent sind Wengi das «Tüschle» am Zapfenstreich und die gemeinsamen Erlebnisse während dem Jugendfest mit einer jungen Liebe. Von der Tagwache über den Umzug mit der Granate auf dem Hut, über das Tanzen am Nachmittag auf der Schützematt bis zum Heimzug und darüber hinaus: Er habe jeden Moment und Blickkontakt mit dem Jugendfestschatz genossen. Und genau diese Erinnerungen trage er tief im Herzen. Niemand könne sie ihm wegnehmen.

Von der Schülerin Loubna erfuhr das Publikum, dass das «Tüschle» in der Primarschule noch ein Thema war, aber in der Oberstufe nicht mehr verbreitet ist, weil viele Schüler von auswärts nach Brugg kommen. Grundsätzlich habe die persönliche Kommunikation gegenüber Facebook und Smartphone schon noch seinen Reiz, heisst es von Schülerseite.

Frank Powers, Ballon-Wettbewerb und der Stadtammann an der Klarinette: Brugg feiert.

Frank Powers, Ballon-Wettbewerb und der Stadtammann an der Klarinette: Brugg feiert.

Und auch wenn nicht mehr alles so gemacht wird wie früher, möchte die Brugger Schülerschar auf keinen Fall auf das Jugendfest verzichten und bekundet aktiv keine Änderungswünsche. Wengi zeigte auf, dass der Freudensteinplatz bedingt durch den Anbau des Stapferschulhauses in den nächsten Jahren umgestaltet wird. Dies habe dann möglicherweise Auswirkungen auf das Jugendfest.