Brugg

Wieso zwei Brugger Restaurants in den 60er-Jahren schliessen mussten

Zwei Geschichten aus der damaligen Gastroszene: Das «Brugger Original» Rosalie Strössler bewirtete in ihrem Restaurant nur jene Gäste, die sie kannte. Und das Ehepaar Füchslin machte ihr «Füchslin» zu einem legendären Treffpunkt.

Wie die Ansichtskarte zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts zeigt, führte die Verbindung zwischen Brugg und Windisch jahrhundertelang über den heutigen Neumarkt. Links und rechts der Strasse standen zwei Wirtschaften: westlich das Restaurant Füchslin, östlich das Restaurant Bahnhof. Mit dem Bau der Bahnunterführung 1927 wurde nicht nur der Bahnübergang aufgehoben, sondern auch das grosse Grundstück, das zum Restaurant Bahnhof gehörte, in vier Teile zerschnitten.

Diese Teilung setzte der Wirtin, Rosalie Strössler, arg zu. Sie blieb ledig und weigerte sich bis zu ihrem Lebensende 1962, das Grundstück zu verkaufen. Sie galt als «Brugger Original» und war in ihrer Art recht eigenwillig: Sie bewirtete nur jene Gäste, die sie kannte und die sie – wie sich selber auch – zu den «besseren Bruggern» zählte. Wenn ihr jemand nicht passte, so schloss sie kurzerhand das Restaurant. 1964 wurde das Restaurant dem Erdboden gleichgemacht.

Legendär: das «Füchslin»

Auf der anderen Seite der Strasse, ungefähr beim heutigen Eingang in den Neumarkt II, stand das «Füchslin»: 1877 als Café eröffnet, wurde es 1910 zu einem Hotel mit Saalbau erweitert. Eine Kegelbahn sowie ein Tennisplatz, der im Winter als Eisbahn genutzt wurde, machten das Hotel «Füchslin» rasch weitherum bekannt. 1950 übernahm das Ehepaar Suzanne und Hansruedi Füchslin den Betrieb und verstand es, mit ihrer Gastfreundschaft und einer guten Küche das «Füchslin» zu einem legendären Treffpunkt zu machen.

Da die Eigenmittel für einen grösseren Umbau und Neubau nicht ausreichten, wurde 1966 mit dem Coop ein Baurechtsvertrag geschlossen. Aus gesundheitlichen Gründen mussten sie 1968 den Betrieb aufgeben. Während vier Jahren führte anschliessend ein Pächter den Betrieb. 1974 wurde das «Füchslin» abgebrochen.

Lesen Sie auch, wie die Neumarkt-Gebäude entstanden sind, die heute das Stadtbild prägen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1