Brugg
Wie zwei Frauen kämpfen lernten

Vreni Wächter und Angelika Kaeding entdeckten Combat Arnis für sich und gründeten in Brugg einen Verein dafür.

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Trainer Fritz-Bodo Kaeding zeigt den drei Frauen, wie sie mit dem Stick richtig schlagen und abwehren.

Trainer Fritz-Bodo Kaeding zeigt den drei Frauen, wie sie mit dem Stick richtig schlagen und abwehren.

Désirée Ottiger

Der Trainer und die drei Frauen bleiben im Türrahmen stehen und verbeugen sich, die Begrüssung des Raumes gehört dazu bei Combat Arnis, einer Stockkampfkunst. Im Bewegungsspielraum an der Kirchgasse riecht es nach Räucherstäbchen, an der Wand hängen bunte Bilder und durch die Dachfenster kommt viel Licht hinein. Es geht ans Aufwärmen. Schon da lässt sich die Komplexität dieser Kampfsportart erkennen.

Die linke Hand kreist vorwärts, die rechte rückwärts, was banal klingt, erfordert viel Konzentration. Aber die Frauen sind geübt und kreisen ihre Hände als machten sie dies schon jahrelang, doch dem ist nicht so. Vreni Wächter (58) und Angelika Kaeding (62) haben erst vor einem Jahr mit Combat Arnis begonnen, Regula Stoll stiess vor wenigen Monaten hinzu.

Wächter betrieb früher schon mal Kampfsport, doch es kam ihr etwas in die Quere: «Ich habe früher mal Judo gemacht, dann sollte ich an eine Prüfung gehen, bekam den Bammel und hörte auf, mit Karate dasselbe. Aber jetzt gehe ich an Turniere, dieses Mal laufe ich nicht davon.» Und das macht sie auch nicht. Seit einem Jahr besucht sie das Training und seit Kurzem ist sie Präsidentin des neu gegründeten Vereins für Asiatische Kampfkunst Brugg (VAKAB). Die Vereinsgründung war ein pragmatischer Entscheid. Denn gerne wollen sie in Zukunft zusätzlich auch in der Tunhalle trainieren. Um eine Halle zu bekommen, muss man in Brugg aber ein Verein sein.

Richtiges Umfallen will gelernt sein

Nach dem Aufwärmen folgt das Falltraining. Trainer Fritz-Bodo Kaeding zeigt auf Gymnastikmatten eine Abfolge von Fallübungen, Rollen und Sprüngen vor. Die Frauen machen es nach, springen, rollen, hüpfen. Es klappt nicht alles einwandfrei, doch das stört die Frauen nicht weiter. Sie nehmen die Tipps des Trainers an und versuchen es wacker weiter. Es sei doch erstaunlich, was sie schon alles könne, sagt Vreni Wächter und fügt mit einem Lachen an: «Vor ein paar Monaten brachte ich noch keine einzige Liegestütze zustande.»

Die nächsten Übungen, diesmal mit dem Stick, sind nicht minder komplex. Der Stick ist ein 70 Zentimeter langer Bambusstock und ist ein wichtiger Bestandteil von Combat Arnis. Arnis ist eine philippinische Kampfsportart, Combat Arnis vereint diese mit Elementen der modernen Selbstverteidigung. Die Stockkampfsportart hat sich in Europa hauptsächlich in Deutschland etabliert, in der Schweiz ist der Sport kaum verbreitet. Europaweit gibt es nur rund 50 Trainer für Combat Arnis.

Die Sportart fördert verschiedenste Fähigkeiten: Kondition, Konzentrationsvermögen, Ausdauer und Bewegungsfähigkeit sind nur einige davon. Im Training wird all das geübt. Mit den Stöcken führen die Trainierenden verschiedenste Schläge und Blöcke aus, immer so, dass niemand verletzt wird. «Denn», sagt Vreni Wächter, «manchmal haut man sich den Stock selber um die Ohren.» Der Stock ist aber nicht zwingend. Bei Combat Arnis kann auch ohne Waffe, oder bei den Fortgeschrittenen mit einer Machete gekämpft werden. Die Sportart eignet sich gut als Selbstverteidigungsvariante, weil sie jederzeit auch mit einem Alltagsgegenstand, zum Beispiel einem Regenschirm, ausführbar ist. Zurzeit üben die Frauen aber mit dem Stick. Denn, schon bald will ihr Trainer sie mitnehmen an eine Prüfung in Freiburg, wo sie das Gelernte erstmals zeigen können.

Dass Vreni Wächter und Angelika Kaeding vor einem Jahr zu Combat Arnis kamen, ist Zufall. Wächter arbeitet bei der Pro Senectute und hat viel mit älteren Leuten zu tun. Oft auch mit solchen, die infolge einer Sturzverletzung ihre Selbstständigkeit verlieren. Damit ihr nicht dasselbe passiert, wollte sie ein Falltraining absolvieren. Sie fand aber keinen geeigneten Anbieter und erzählte dies Angelika Kaeding. Sie konnte Wächter weiterhelfen.

Ihr Sohn Fritz-Bodo Kaeding, der Meistergrade in verschiedenen Kampfsportarten besitzt, bietet solche Kurse an. Die beiden Frauen gingen von da an ins Falltraining, das auch ein Bestandteil von Combat Arnis ist. Weil Fritz-Bodo Kaeding Trainer für diese Sportart ist, begann er mit den Frauen auch das zu Trainieren – mit Erfolg. Weitere Leute kamen dazu. Im Moment sind es zwei Männer und drei Frauen, die das Training besuchen. Interessierte dürfen jeweils am Freitag von 15.45 bis 17.45 Uhr im Bewegungsspielraum an der Kirchgasse 3 in Brugg zum kostenlosen Probetraining kommen.

Am Ende des Trainings packen der Trainer und die drei Frauen ihre Sachen zusammen, gehen aus dem Raum und verabschieden sich von diesem mit einer Verbeugung.

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