Bei Sonnenschein oder Schneefall, morgendlicher Hektik auf dem Bahnhof oder abendlichem Feierabendverkehr: Seit rund 15 Jahren befindet sich am Hauptsitz der Firma Metron eine Webcam. Diese hält das Geschehen rund um das Zentrum fest. Täglich entstehen einige Dutzend Schnappschüsse sowie ein Panoramabild. Ab und zu wird sogar ein Zeitraffer-Video hergestellt. Darauf ersichtlich werden die grossen Veränderungen, zum Beispiel mit dem Campus-Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Die Zukunft der Webcam ist allerdings ungewiss. Der Informatiker Stefan Seiz, der das Gerät seinerzeit installierte und nach wie vor für den Unterhalt sorgt, setzt sich für den Erhalt des Standorts ein und hat eine Online-Petition lanciert.

«Es gibt keine wirklichen Argumente, die fürs Abschalten sprechen. Es wäre schade, wenn es mit der Kamera vorbei wäre», ist Seiz überzeugt. «Die in den letzten Jahren entstandenen Aufnahmen sind Zeitdokumente.» Überdies steht für Seiz fest, dass ein breites Interesse am Weiterbetrieb besteht. Über 130 Personen hätten seine Petition mittlerweile unterschrieben.

Erstes Bild entstand 1998

Metron habe ihm, so Seiz, eine Frist bis Anfang Dezember gesetzt, um die Kamera zu entfernen. Der Informatiker hofft auf ein Umdenken, darauf, dass der Betrieb der Kamera nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert wird. Metron könnte laut Seiz die Aufnahmen im firmeneigenen Internetauftritt integrieren. Er räumt gleichzeitig ein, dass sein Verhältnis zum Unternehmen angespannt sei. «Die Kommunikation ist nicht ganz einfach.»

Seiz begann während seines Informatikstudiums, in einem Teilpensum für Metron zu arbeiten. Später bezog er ein Büro im Stahlrain und installierte eine Videokamera am Fenster. Das erste Bild entstand am 14. Oktober 1998. «Mein Ziel war es, das Büro zu zeigen», blickt Seiz zurück. Denn: «Informatik ist kein Selbstzweck, Informatik soll den Menschen dienen.» Und sie dürfe Spass machen. Deshalb montierte er auch eine Kamera auf einem Spielzeuglastwagen im Raum. Die Bilder stellte er unter www.webtruck.org ins Netz.

2001 installierte Seiz eine USB-Kamera samt ausgedientem Computer an der Spitze des Geländers vorne am Metron-Gebäude. Der Informatiker spricht von einem sensationellen Standort mit einem prächtigen Rundblick. 2004 folgte das nächste Gerät, das Seiz in einem Glasgehäuse unter dem Dach anbrachte.

Die Qualität der Bilder stieg. Die Sujets sind übrigens vielfältig – je nachdem, in welche Richtung die Nutzer die Kamera gerade schwenken. «Der Zufall spielt eine grosse Rolle», sagt Seiz. Damit der Datenschutz gewährleistet werden kann, ist die Zoom-Funktion in gewissen Sektoren eingeschränkt. Fussgänger oder Velofahrer können also nicht identifiziert werden.

Kontakte in die ganze Welt

Sowohl Kamera als auch Gehäuse hat Seiz mittlerweile erneuert. Die Kosten von einigen Tausend Franken für die Geräte habe er stets aus dem eigenen Sack bezahlt, betont der Informatiker.

Durch den Betrieb der Kamera habe er viele Kontakte knüpfen können – nicht nur in der Region, sagt Seiz. Da sei der ausgewanderte Brugger, der die Wetterlage beobachte, wie der Bewohner der Insel Aruba in der Karibik, der sich dafür interessiere, ob die Züge am Bahnhof pünktlich eintreffen. Oder der Mann aus den USA, der sich einfach darüber freue, dass in Brugg die Sonne scheine, wenn er in der Nacht arbeiten müsse.