Windisch
Wie sich diese Windischerin für die Jugendpolitik einsetzt

Geht es um Politik, um die grossen Fragen wie Flüchtlinge oder Umwelt, kommt sie ins Reden: Joya Kirchhofer (20) aus Windisch setzt sich für Jugendpolitik ein und will die Welt verbessern.

Janine Müller
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Joya Kirchhofer (20) setzt sich für Jugendpolitik ein und will die Welt verbessern
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Joya Kirchhofer hinten Mitte im Tessin an der Jugendparlamentskonferenz
Joya Kirchhofer (links) mit Milo Stutz (Mitte), Präsident des Jugendparlaments Aargau und Melanie Monhart
Joya Kirchhofer (rechts) war an der Jugendparlamentskonferenz im Tessin

Joya Kirchhofer (20) setzt sich für Jugendpolitik ein und will die Welt verbessern

Alaex Spichale

Fragt man Jugendliche nach den sieben aktuellen Bundesräten kommt meistens ... nichts. Auf die Frage, ob sie wählen und abstimmen gehen, antworten sie: «Es nützt ja sowieso nichts» oder: «Das interessiert mich gar nicht.»

So jedenfalls erlebt es Joya Kirchhofer (20) immer wieder. Ein Gespräch mit der Windischerin, die auf der Einwohnerkontrolle der Gemeinde arbeitet und Co-Präsidentin der Jugendkommission ist, gibt aber Hoffnung, dass die Jugend doch nicht ganz so politikverdrossen ist, wie man es vielleicht denken würde.

Die fröhliche 20-Jährige mit ihrer gewinnenden Art hat es nämlich so richtig gepackt. Geht es um Politik, um die grossen Fragen wie Flüchtlinge oder Umwelt, kommt sie ins Reden.

Dass Jugendliche häufig nicht an die Urne gehen, hat für sie mehrere Gründe. «Sie haben oft das Gefühl, dass sie mit ihrer Stimme nichts ausrichten können», sagt Joya Kirchhofer.

«Viele Themen betreffen zudem die Jugendlichen heute noch nicht direkt. Beispielsweise die AHV-Revision.» Dazu kämen auch Vorurteile gegenüber der Parteien und der Polarisierung von links und rechts in den letzten Jahren.

Die Windischerin nimmt aber auch die Medien in die Pflicht und findet, dass nicht ständig die grossen Parteien wie SVP oder SP die Schlagzeilen beherrschen sollten. Sie fände es wichtig, dass an der Berufsschule das Fach Politik eingeführt wird, damit die jungen Menschen einen besseren Zugang dazu haben.

Politik am Zmittagstisch

Sie selber wurde am Zmittagstisch politisiert. «Wir haben in der Familie oft über aktuelle Themen diskutiert», sagt sie. So richtig den Ärmel reingezogen hat es ihr dann an der Jugendsession 2013 in Bern.

Ihr Vater hörte von diesem Anlass im Radio und motivierte seine Tochter, da hinzugehen. Eine gute Entscheidung. «Das war wirklich ein cooles Erlebnis», schwärmt Joya Kirchhofer.

«In verschiedenen Gruppen haben wir brennende Fragen behandelt und Postulate ausgearbeitet.» Sie war in einer Gruppe, die sich mit der Dauer des Militär- und Zivildiensts auseinandersetzte. «Am Ende reichten wir als Gruppe eine Petition ein, die Dauer des Zivilschutzes auf die Dauer des Militärdiensts zu kürzen», erklärt sie, schweigt dann kurz und fügt an: «Dieser Meinung war ich zwar nicht, aber wenn die Mehrheit dafür ist, ist das Demokratie.» Sie versuche bei einer verlorenen Debatte («die führe ich bis zum bitteren Ende»), jeweils etwas Gutes aus der Entscheidung zu ziehen.

Heute ist sie im Vorstand des Jugendparlaments des Kantons Aargau, wo sie für Spenden verantwortlich ist und ständig neue Sponsoren finden muss, die die Jugendpolitik unterstützen möchten. Für eine Partei hat sie sich bisher nicht entschieden, politisiert aber «eher rechts», wie sie sagt.

Wichtig sei ihr, einen Konsens zu finden, eine moderate und pragmatische Politik zu betreiben. Was sie nicht ausstehen könne, wenn bereits Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren das Parteibuch runterleiern und eine Meinung vertreten, «die sie in ihrem Alter irgendwie gar noch nicht haben können». «Es ist zum Beispiel schwierig, mit Jungsozialisten zu debattieren», gibt sie ein Beispiel. Für Joya Kirchhofer ist Politik dazu da, sich eine Meinung zu bilden und mittels Politik einen Lösungsweg zu finden, der für möglichst viele stimmt.

Sie vermisst den Zusammenhalt

Eine Weltverbesserin möchte sie sein; die Probleme der heutigen Zeit an der Wurzel packen. So sagt sie: «Es sterben unnötig so viele Menschen auf der Flucht. Es besteht Handlungsbedarf in den Herkunftsstaaten dieser Menschen.

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist nur Symptombekämpfung.» Zudem handle es sich häufig um Wirtschaftsflüchtlinge, dagegen müsse man strikt vorgehen.

Oder: «Es nützt nichts, wenn die Schweiz Milliarden von Franken in die Entwicklungshilfe buttert, wenn die Bevölkerung selber nichts an der Situation ändert. Auch funktionieren politische Systeme, wie wir sie aus Europa kennen, selten in solchen Ländern.»

Staaten wie Deutschland und die Schweiz hätten auch eine Verpflichtung gegenüber ihres eigenen Volks. Den Bürgern gegenüber, die Steuern zahlen. «Es darf nicht so weit kommen, dass sich die Völker zu hassen beginnen, weil sich die Einheimischen benachteiligt fühlen», findet Joya Kirchhofer.

In der Schweiz selber vermisst sie den Zusammenhalt in der Bevölkerung und auch in der Politik. «Der einzelne Mensch nimmt sich viel wichtiger. Die Gesellschaft ist egozentrischer geworden, der eigene Erfolg kommt vor den Mitmenschen oder den Bürgern», meint sie. «Den Zusammenhalt der Bünzli-Schweizer gibt’s nicht mehr. Heute wird viel mehr auf die eigenen Interessen geschaut.» Sie wünsche sich von der Politik ein besseres Miteinander. Eine Politik, die über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam etwas erreichen will. Sie kann sich vorstellen, dereinst auch mal für den Nationalrat zu kandidieren. Oder vielleicht auch mal für den Gemeinderat in Windisch. «Das wäre eine fordernde, aber spannende Aufgabe», meint sie.

Wenn sie neben ihrem politischen Engagement dazu kommt, treibt Joya Kirchhofer Sport. Im Moment trainiert sie auf den Gigathlon im nächsten Sommer hin, wo sie als Schwimmerin einer Gruppe an den Start geht. Auch das braucht, wie die Politik, langen Atem, um erfolgreich zu sein.