Riniken
Wie sich der gemischte Chor neu erfunden hat

Der Gemischte Chor Riniken schlägt ein neues Kapitel auf und arbeitet jetzt vermehrt projektbezogen. Der neue Stil kommt bei den Mitgliedern gut an, wie ein Probebesuch zeigt.

Irene Hung-König
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Meldungen über Gemischte Chöre, die Mitglieder suchen, gibt es viele. Derjenige in Lauffohr musste gar ganz aufhören. In Riniken passiert das Gegenteil: Der Chor hat sich quasi neu erfunden, steht heute – nach einer Baisse vor sieben Jahren – mit 37 Mitgliedern da. Ein Augenmerk gilt dem projektbezogenen Arbeiten: Im November treten die Riniker gemeinsam mit dem Gemischten Chor aus dem freiburgischen Muntelier auf und präsentieren «Rendez-vous der Tiere».

Es sind Werke aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, die Tiere oder Tierstimmen zum Thema haben. So studiert Chorleiterin Isabelle von Arx mit den Frauen und Männern Lieder wie «Le Ranz des Vaches», «Die Nachtigall» von Mendelssohn oder «Die launige Forelle» von Franz Schöggl ein. «Wenn man die Leute gut ans Thema heranführt und erklärt, kann man alles machen», meint sie, die an der Fachhochschule für Musik in Basel studiert. Die anspruchsvolle Chorliteratur ist bewusst ausgewählt: «Ich schaue, dass alle gleich gefordert sind, denn die Sängerinnen und Sänger sollten profitieren». Das Programm sei anspruchsvoller und der Chor zugleich besser geworden, sagt Isabelle von Arx.

Fleissig proben die Mitglieder für das gemeinsame Projekt mit einem fribourgischen Chor.
7 Bilder
Der Gemischte Chor Riniken probt für den Herbst ein neues Projekt "Rendez-vous der Tiere". Hier singen die Männer ihren Part.
Chorleiterin Isabelle von Arx gibt Anweisungen.
Von Arx schaut, dass alles Sängerinnen und Sänger im Chor gefordert sind.
Es folgen weitere Bilder von der Probe.

Fleissig proben die Mitglieder für das gemeinsame Projekt mit einem fribourgischen Chor.

Irene Hung-König

Jeweils am Donnerstagabend proben die Frauen und Männer im Zentrum Lee. Beim Probenbesuch der AZ musste der Chor allerdings mit dem Pavillon hinter dem Zentrum vorliebnehmen: Im Lee gastierte der frühere Tagesschaumoderator und Redaktor Heinrich Müller mit seiner Band.

Der Kopf sagt «Nein»

Lockerungsübungen stehen zu Beginn der Probe auf dem Plan: mit gestreckten Beinen, den Oberkörper nach vorne hängend, werden die Arme ausgeschüttelt und mit dem Kopf sanft «Nein» gesagt. Wieder in aufrechter Position angelangt, vermittelt von Arx singend das geschlossene und das offene «O». «Man muss die Oktave schleifend singen, das kommt später im Stück vor», sagt sie. Eine gute Viertelstunde später können sich die Frauen und Männer setzen. Allerdings nur auf die Stuhlkante.

Die Mitglieder sind in «Bass», «Tenor», «Alt» und «Sopran»-Stimmen unterteilt. Isabelle von Arx gibt am Klavier die Töne vor, zeigt auf den Bass, wenn sie nur diese Stimme hören will. Sie schlägt Takt 47 des Liedes «Le Ranz des Vaches» an, hebt den Arm und sagt «tutti» – alle stimmen mit ein.

Verein wird aktiv gestaltet

Auch wenn Sprechgesänge wie «Süsser Tod» einstudiert werden, die einem als Gast das Gefühl geben, von lästigen Fliegen umgeben zu sein, fehlen die Standards nicht. Die Riniker singen weiterhin Volkslieder oder beglückwünschen die 80- oder 85-jährigen Jubilare mit einem Ständchen. Auftritte wie derjenige an der 40-Jahre-Feier des Zentrums Lee gehören ebenfalls zum Programm des Chors.

Seit diesem Jahr amtet Richard Wullschleger als Präsident. Als Sänger gehört er dem Chor bereits 26 Jahre an. «Wir sind dran, den Verein aktiv mitzugestalten. Mittels Sponsoring, Zeitungsberichten und dem Aufbau einer Homepage wollen wir auf uns aufmerksam machen», erklärt der frühere Schulleiter in Hausen, der schon zu Beginn der 1990er-Jahre das Präsidentenamt innehatte. An der neuen Ausrichtung des Chors gefallen ihm die anspruchsvollen Arrangements. Am Chorgesang zu feilen behage ihm, zumal die Leiterin Isabelle von Arx den Stil der aufbauenden Kritik pflege.

Seit über 20 Jahren singt Regina Rohr im Chor. «Das ist super, ich kann zur Türe raus und im Dorf singen gehen.» Sie war es sich gewohnt, Schlager und Volkslieder zu singen, nun werden klassische Arrangements geprobt: «Man wächst mit der Aufgabe», sagt sie dazu. Bernadette Schön singt auch noch im Brugger Stadtchor und ist dem Riniker Chor seit 46 Jahren treu: «Ich singe bewusst im Dorf, denn das ist Kulturgut. Singen fördert auch die Harmonie.»

Interessierte können noch ins Chorprojekt einsteigen. Ansprechperson ist Präsident Richard Wullschleger, Tel. 056 442 54 13.