Neu haben in Brugg junge Asylsuchende die Möglichkeit, eine Vorlehre zu machen, um später eine Berufslehre anhängen zu können. Bis anhin scheiterte dies oft an den Sprachkenntnissen. Auch am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) in Brugg kennt man solche Fälle, in denen Asylsuchende ihre Lehre abbrechen mussten, weil es sprachlich nicht reichte.

Nun geht das BWZ einen neuen Weg und engagiert sich in einem auf vier Jahre befristeten Projekt des Bundesamts für Migration. Zurzeit besuchen 15 Asylsuchende mit legalem Aufenthaltsstatus zweimal pro Woche den Berufsschulunterricht in Brugg. Die restlichen drei Tage verbringen sie in einem Betrieb und absolvieren ein Berufspraktikum. Diese Vorlehre soll die jungen Menschen auf eine zweijährige EBA- oder eine drei- beziehungsweise vierjährige EFZ-Berufslehre vorbereiten.

Vorlehre für Asylsuchende: Im Unterricht der Gartenbauklasse im BWZ Brugg.

Im Unterricht der Gartenbauklasse: Andreas Ambühl, Lehrer für Garten- und Landschaftsbau, nimmt mit seinen Schülern das Thema Arbeitssicherheit durch.

Bereits vor zwei Jahren bemühte sich das BWZ darum, bei diesem Projekt mittun zu können. Einerseits, weil es eben in Vergangenheit Asylsuchende gab, die scheiterten, andererseits aber auch, «weil es für die Schulentwicklung spannend ist», wie Rektor Alex Simmen erklärt. Es sei für die Lehrpersonen sowie für die anderen Lernenden an der Schule ein interessantes Projekt.

Vier Lehrpersonen – Fachunterricht, Deutsch, Allgemeinbildung und Sport – kümmern sich seit letzter Woche um zwei Klassen mit Asylsuchenden. Insgesamt 15 Männer haben einen Ausbildungsplatz erhalten; das BWZ arbeitet in diesem Projekt eng mit Jardin Suisse Aargau zusammen. Denn Gartenbau-Unternehmen bekunden immer wieder Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen. Ähnlich sieht es in der Landwirtschaft, der Logistik und im Gastrogewerbe aus. «Die Asylsuchenden sind nun mal da und wir haben Branchen, die Lehrlinge brauchen», sagt Alex Simmen. «Unter den Asylsuchenden hat es junge Männer, die gewillt sind, zu arbeiten. Sie müssen irgendwie den Einstieg schaffen.»

Keine Flipflops auf der Baustelle

Andreas Ambühl, Inhaber eines Garten- und Landschaftsbau Unternehmens sowie Teilzeit-Lehrperson am BWZ, unterrichtet im Bereich Gartenbau. Sozialpädagoge ist er nicht, speziell auf seine neue Aufgabe vorbereitet wurde er auch nicht. Das ist beabsichtigt. Denn Ambühl weiss, was auf der Baustelle von den Lernenden erwartet wird und darauf will er sie vorbereiten. Die Aufgabe reizt ihn, weil er im Unterrichtsplan flexibler ist und mehr eigene Gestaltungsmöglichkeiten hat.

Gestern Donnerstagmorgen stand Basiswissen bezüglich Arbeitssicherheit auf dem Unterrichtsprogramm, vor einer Woche lernten die Männer, was lange Unterhosen sind, was man auf einer Baustelle anziehen soll – beispielsweise, dass Flipflops nicht das richtige Schuhwerk sind im Gartenbau.

Die Männer lernen, was ein Kapsel-Gehörschutz ist und wo der Unterschied zum Gehörschutz Stöpsel liegt. Konzentriert machen sich die Lernenden – die meisten sind zwischen 20 und 25 Jahre alt – Notizen auf ihren Blättern, lauschen den Ausführungen des Lehrers. Anschliessend müssen sie rekapitulieren, was sie soeben gehört haben. Dabei hapert es beim einen oder anderen an den Sprachkenntnissen. Geduldig erklärt Andreas Ambühl einem Asylsuchenden nochmals die Aufgabe.

«Das Gefälle bezüglich Deutschkenntnisse ist gross», bestätigt Andreas Ambühl. «Aber sie sind voll dabei, wollen mitmachen. Die Motivation ist da.» Rektor Alex Simmen ergänzt: «Letzte Woche standen die Ersten bereits um 6.30 Uhr vor dem BWZ, dabei begann der Unterricht erst um 8.30 Uhr.»

Die Vorlehre dauert ein Jahr. Geplant ist, dass die jungen Männer im Anschluss von ihrem Praktikumsbetrieb übernommen werden, um eine Lehre zu absolvieren.