Brugg
Wie ein Welpe zum Schutzhund ausgebildet wird

Jürg Schäpper trainiert seinen Hund Joker für den Einsatz im Sicherheitsdienst.

Deborah Bläuer
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Gespannt wartet Joker auf die Anweisungen seines Besitzers Jürg Schäpper.Deborah Bläuer

Gespannt wartet Joker auf die Anweisungen seines Besitzers Jürg Schäpper.Deborah Bläuer

Deborah Bläuer

Er ist schwarz wie die Nacht, tollt und springt umher und hat eine Vorliebe dafür, Schuhbändel zu öffnen. Ab und zu blinzelt er aus treuherzig dreinblickenden Augen zwischen seinen Stirnfransen hervor. Die Rede ist von Joker, einem dreieinhalb Monate alten Riesenschnauzer. Es ist schwer vorstellbar, dass aus diesem süssen Welpen einmal ein furchtloser Schutzhund werden soll.

Doch schon in einem Jahr wird Joker bei der Sicherheitsfirma JMPS in Brugg, die seinem Besitzer Jürg Schäpper und dessen Söhnen gehört, arbeiten. Als Schutzhund wird er auf Patrouille mitgehen sowie an Grossanlässen und bei der Gebäudebewachung dabei sein. Neben dem Sicherheitsdienst werden Schutzhunde auch beim Grenzschutz, beim Militär und bei der Polizei eingesetzt. Geeignete Rassen sind Riesenschnauzer, Schäferhund, Malinois, Rottweiler und Dobermann.

Die Leute haben Respekt

Schäpper ist vom Nutzen eines vierbeinigen Mitarbeiters überzeugt: «Ein guter Schutzhund ersetzt zehn Mann.» Wenn etwas nicht stimmt, spürt das der Hund sofort. Versteckt sich jemand im Gebüsch, entgeht er vielleicht den Augen des Wachmanns, aber nicht der Nase des Hundes. Zur Prävention und zum Schutz ist ein Hund ebenfalls geeignet. Raufbrüder überlegen es sich zweimal, jemanden anzugreifen, der mit einem Schutzhund unterwegs ist. «Sobald ein Hund dabei ist, haben die Leute mehr Respekt und geben Ruhe», erzählt Schäpper.

Er hat Erfahrung, denn für ihn ist es bereits der vierte Hund, mit dem er arbeitet. Trotzdem holt er sich Rat von Profis und plant, mit Joker ab September zum Hundesport zu gehen. Schäpper legt grossen Wert darauf, dass sein Hund gut ausgebildet wird. Deswegen soll Joker die Schutzhundeprüfung ablegen, obwohl diese für Hunde im privaten Sicherheitsdienst nicht obligatorisch ist.

Später wird Joker auch als Zuchthund eingesetzt werden. Schliesslich hat er gute Gene. Der Riesenschnauzer stammt aus einer renommierten Zucht. Sämtliche seiner Geschwister sind bei der Polizei oder im Rettungsdienst tätig. Die Veranlagung ist entscheidend. Ein guter Schutzhund muss ruhig sein und einen friedlichen Charakter haben. Er soll zwischen Privatleben und Arbeit unterscheiden können. Denn zu Hause muss er nicht beim kleinsten Geräusch reagieren, sondern kann sich entspannen.

Serie: Hunde mit einem Auftrag

In dieser losen dreiteiligen Serie stellen wir Hunde und deren Besitzer aus dem Bezirk Brugg vor, die eine wichtige Aufgabe erfüllen.

Er kennt keine Angst

Ganz wichtig ist Furchtlosigkeit. Ein Schutzhund, der davonrennt, wenn es ungemütlich wird, ist keine grosse Stütze. Tatsächlich scheint Angst für Joker ein Fremdwort zu sein, wie sein Besitzer mit einem Beispiel verdeutlicht: «Am 1. August hat er das Feuerwerk angeknurrt. Wenn er gekonnt hätte, wäre er hochgesprungen und hätte die Raketen heruntergeholt.»

Zudem soll der Vierbeiner wachsam sein. Er muss spüren, wenn die Lage brenzlig wird. Vertrauen und eine gute Beziehung zum Hundeführer sind ebenfalls sehr wichtig. Schäpper würde seinen Hund nie mit jemandem, den dieser nicht kennt, losschicken. Deshalb ist beim heutigen Training im Grünen Lisa Faes dabei. Sie arbeitet bei JMPS und wird auch einmal an Einsätzen mit Joker unterwegs sein.

Es werden Fährtenarbeit und Gehorsamkeitsübungen gemacht. Faes geht mit Joker in den Wald, während Schäpper im Gras herumläuft und so eine Spur für seinen Hund legt. Mit gesenktem Kopf folgt Joker der Fährte. Es klappt schon ganz gut, der Welpe macht mit viel Elan mit.

Danach hat er sich eine Abkühlung im Brunnen verdient. Eigentlich ist Joker eine richtige Wasserratte, aber heute scheint er nicht in Badelaune zu sein und planscht nur mit der Schnauze im Wasser herum.

Auch sein Interesse an Pferden, Kühen und anderen Hunden ist eher mässig. Lieber konzentriert er sich auf seinen Chef. Erwartungsvoll schaut er zu ihm hoch, als würde er fragen: «Und was kommt jetzt?»

Das Training geht weiter. Es werden das Apportieren und der Befehl «Komm!» geübt. Joker ist mit Begeisterung dabei und legt einen flotten Sprint hin. Allerdings rückt er sein Spielzeug noch nicht so gerne heraus. «Momentan ist das alles noch sehr spielerisch», erklärt Schäpper, «Der Hund soll Spass haben. Druck und Gewalt bringen nichts». Auch an die Einsätze soll der Hund gerne hingehen. Schliesslich dauern diese acht bis neun Stunden. Deswegen muss ein Schutzhund über eine gute Kondition verfügen.

Ein richtiger Frechdachs

Zum Abschluss wird an einem der Einsatzorte Treppensteigen geübt. Die Stufen sind hoch und bestehen lediglich aus einem dünnen Gitterrost – nicht nur für Hunde eine Herausforderung. Obwohl der Welpe manchmal noch ein wenig ungelenk und tapsig unterwegs ist, schreitet er ohne zu zögern hinauf. Mittlerweile ist er allerdings ein wenig müde geworden, und kaum zu Hause, legt er sich quer ausgestreckt auf den Fussboden. Die Ruhe wird aber nur von kurzer Dauer sein. Gestern sei er nämlich mitten in der Nacht herumgelaufen und habe das Bügelbrett umgeschmissen, der freche Hund, schimpft Brigitta Schäpper. Ihr Ehemann schmunzelt. Er beugt sich zu Joker herunter, streichelt ihn und flüstert ihm verschwörerisch zu: «Mer zwöi mached halt gärn echli Seich, gäll. Ond wenn mängisch öppis däbi zBroch goht, denn esch das doch gar ned eso schlemm.»

Später geht Schäpper mit dem Hund noch einmal nach draussen. Joker ist ganz ruhig und konzentriert. Wie eine schwarze Statue sitzt er da und beobachtet die Umgebung. Er observiert sie geradezu. Bald schon wird er mit gespitzten Ohren auf Patrouille mitgehen, die Leute an Festivals im Auge behalten und sich bei den bösen Buben mit einem Knurren Respekt verschaffen.