Mit einem «Versuchs-Kitz», bestehend aus Rehfell und Wärmeflasche, ist Raphael Stocker im Labor. Der angehende Ingenieur entwickelt an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) für Technik ein Sensorkonzept um Rehkitze vor dem Mähtod zu schützen. Die Rehkitze sollen anhand ihrer Wärmeausstrahlung von den Sensoren erkannt werden. Die Bedürfnisse und Anforderungen an ein solches Konzept hat Stocker bei den potenziellen Anwendern abgeklärt, wie der «General-Anzeiger» schreibt.

Die Infrarotsensoren stellen eine Alternative zu den Drohneneinsätzen dar, wie Joachim Villinger, wissenschaftlicher Assistent am Institut für Automation, sagt. Der Einsatz von Drohnen wird bereits jetzt zum Schutz von Rehkitzen eingesetzt. Villinger bereut gemeinsam mit Dozentin Silvia Mastellone das Studienprojekt. Beim Projekt bestanden vier Möglichkeiten, am Schluss wurde entschieden, mit der Sensorik zu arbeiten.

Sensoren am Mähwerk

Die Bedienung des Sensorkonzepts ist für die Landwirte einfach und zwischen dem Absuchen und Mähen besteht keine Zeitdifferenz. Das sind klare Vorteile. Jedoch hat auch der Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller Pöttinger ein ähnliches System entwickelt.

Diese Sensoren werden am Trägerarm des Mähwerks befestigt und mit einem Computer zur Datenauswertung verbunden. Aufgrund der erhaltenen Daten wird ein akustisches oder optisches Signal an den Fahrer gesendet und so vor Rehkitzen gewarnt. Die Herausforderung besteht in einer möglichst schnellen Reaktion des Systems, da die Mähfahrzeuge sich mit bis zu 20 km/h über die Wiesen bewegen. Für eine schnelle Reaktion ist die Einbindung in die Traktorentechnologie notwendig.

Wie eine rechnerische Simulation zeigt, erkennt das Infrarot das Rehkitz. Es hat die höchste Temperatur auf dem Feld. Allerdings können ab etwa 20 Uhr kahle Erdstellen eine ähnliche Temperatur wie die Rehkitze aufweisen.

Intelligenter Logarithmus

Die Unterscheidung zwischen Rehkitz oder kahler Erdstelle sollte grösstenteils von einem intelligenten Logarithmus getroffen werden, wie Stocker erklärt. Er testet seine Berechnungen im Labor. Neben dem «Versuchs-Kitz» aus Rehfell und Wärmeflasche wird er auf einer Heuwiese Feldversuche durchführen.

Rehkitze fallen immer wieder Mähmaschinen zum Opfer. Einerseits überschneiden sich die Heumahd und Setzzeit der Rehe. Andererseits flüchten die Rehkitze vor den Maschinen nicht, sondern verstecken sich im dichten Gras. Auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Rehkitze von Mähmaschinen tödlich verletzt.