SRG-Publikumsrätin
Wie die Villnacherin Susanne Hasler Grundsatzdiskussionen in den Medien anregen will

Rebecca Knoth
Merken
Drucken
Teilen
Sie hat schon immer gerne Medien konsumiert: Susanne Hasler.

Sie hat schon immer gerne Medien konsumiert: Susanne Hasler.

Alex Spichale

Obwohl ein Profi darin, bei den Medien genau hinzuschauen, stand Susanne Hasler selbst noch kaum im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. «Hände entspannen!», ruft der Fotograf, als er die frisch im Amt stehende Präsidentin des Publikumsrats SRG Deutschschweiz ins Visier nimmt. Die Villnacherin folgt der Anweisung und beäugt die professionelle Ausrüstung mit dem Belichtungsschirm. «Aha, jetzt verstehe ich, warum für die Fotografie ein eigener Medienpreis existiert!»

In der Schulpflege, in der Programmkommission SRG AG/SO und nun auch noch im Publikumsrat – die Lehrerin und Psychologin bekleidet bereits zum dritten Mal ein Präsidentenamt. «Ich suche das nicht explizit», sagt Susanne Hasler mit einem Lächeln. Jedes Mal wurde sie dazu angefragt. Vielleicht, weil sie ein wohlwollend kritischer Mensch ist, wie sie sich selbst bezeichnet? «Ich übe eine Integrationsfunktion aus und in Sitzungen lasse ich immer zuerst die anderen reden.»

Verlässliche Quellen sind wichtig

Bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft ist die gebürtige Solothurnerin per Zufall reingerutscht. Schon immer hatte sie gerne Medien konsumiert. Zu ihren Lieblingsformaten gehört «Echo der Zeit» und in ihrem Auto läuft stets SRF 4 News. Eines Tages fragte sie eine Kollegin, ob sie nicht die Produktionen des SRF Studio Aarau in einem Feedbackgremium begleiten wolle. Das tat sie und geriet regelrecht in den Strudel der Medien. «Eine spannende Materie», findet Susanne Hasler.

Mit der Initiative zur Abschaffung der Billag-Gebühren steht das Medienhaus SRG auf dem Prüfstand. Gespannt verfolgt die Medienbeobachterin die Debatte darüber, was gebührenfinanzierte Programme künftig machen und kosten dürfen. Phänomene wie Filter Bubbles und Fake News sind für Susanne Hasler ein Zeichen dafür, wie wichtig verlässliche Quellen sind. «Und dafür braucht es einen Player, der nicht auf möglichst viele Klicks und Werbeeinnahmen angewiesen ist», argumentiert sie.

Die SRG ist ein solcher Player und der Publikumsrat sorgt für einen Teil der Qualitätskontrolle. «Wir schauen zum Beispiel die Arena an», erklärt die neue Amtsvorsteherin. Die Ratsmitglieder füllen ein Beobachtungsraster aus und diskutieren die Ergebnisse während 50 Minuten mit den SRF-Verantwortlichen. Die Rückmeldungen stellen oftmals die Alltagsroutine einer Redaktion infrage. «Trotzdem schätzen die Journalisten unsere Arbeit, sie wollen sich stets verbessern.»

Es macht der 57-Jährigen Spass, das gut gemischte 26-köpfige Gremium zu leiten, das nun seit bereits 25 Jahren existiert. Die Öffentlichkeit soll anlässlich des Jubiläums noch stärker mitkriegen, dass der Publikumsrat die SRG-Programmgestaltung im Interesse der Konsumenten eng mitverfolgt. Ausserdem möchte Susanne Hasler vermehrt Grundsatzdiskussionen anregen. «Wo ist zum Beispiel die Grenze zum Voyeurismus, wenn ein schwer kranker Patient gefilmt wird?»

Zur Erholung gehts in den Garten

Viel profitiert für ihre Arbeit in der Medienbranche hat Susanne Hasler von ihrem Zweitstudium in der Organisationspsychologie. Eine Frage interessierte sie besonders: «Wie gestaltet man Kommunikation so, dass sie beim Empfänger gut ankommt?»
Im Selbststudium beschäftigt sie sich gerade mit der gewaltfreien Kommunikation. Und wenn sie sich vom Medienrummel erholen will, erweitert sie ihre riesige Rezeptsammlung, werkt kreativ im Garten oder trainiert auf dem Tennisplatz.