Brugg
Wie die Kleinen den Senioren eine Freude bereiteten

An der 82. Seniorenweihnacht in der Schulanlage Au-Lauffohr nahmen 275 Gäste teil. Die Stimmung war gut und der Schülerchor kam ebenfalls sehr gut an.

Elisabeth Feller
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Seniorinnen und Senioren freuen sich über die Lieder, die der Schülerchor so toll singt. Elisabeth Feller

Seniorinnen und Senioren freuen sich über die Lieder, die der Schülerchor so toll singt. Elisabeth Feller

«Letztes Jahr hätte ich fast den Bus verpasst»: Die ältere Dame schüttelt den Kopf. Doch dann erhellt ein Lächeln ihre Züge: «Heute bin ich pünktlich.» Ringsum nickt man der Dame zu. Jeder Platz im Spezial-Postauto ist belegt. Alle haben dasselbe Ziel: die Turnhalle der Schulanlage Au-Lauffohr.

Dort findet die Seniorenweihnacht Brugg statt. Die Stimmung ist aufgeräumt. Selbst der Motor des Postautos klingt an diesem Tag freudvoll. Die kurze Fahrt endet vor dem Schulhaus. «Viel Vergnügen», ruft der Chauffeur den Davoneilenden nach.

Der Chor kommt bestens an

Drinnen, an der Wärme, haben bereits viele Gäste an den langen, mit Tannenzweigen und roten Schokolade-Herzchen dekorierten Tischen Platz genommen. Wie viele Senioren sind da? Wir erfahren, dass 275 köstlich duftende Zöpfli auf den Tellern liegen. Rolf Geissbühler, Brugger Bäcker-Legende, ist um 1 Uhr morgens aufgestanden, um diese zu backen.

Mittlerweile ist der letzte Platz besetzt. Stadtammann Daniel Moser wirft noch einmal einen Blick auf seinen Zettel. Dann wird es dunkel – der Saal ist nur noch von Kerzen illuminiert; bloss vorne, auf der Bühne, steht der über 100-köpfige Schülerchor im Rampenlicht. Kirchenpflegerin Margrit Eichler tritt ans Mikrofon und empfiehlt allen: «Geniessen Sie es einfach.»

Diese Worte sind Signal für den Schülerchor, in Szene zu treten. Und wie! Schon das erste Lied klingt frisch, fröhlich – mit einem Wort: herzerwärmend. Die gespannte Erwartungshaltung von vorhin macht einer gelösten, freudigen Stimmung Platz – der Chor kommt beim Publikum an. Sein Erfolg inspiriert auch Daniel Moser. Das «fehlende Überbrückungskabel» bringt den Brugger Stadtammann jedenfalls nicht aus der Fassung.

Es geht (zuerst) auch ohne Mikrofon weiter und zwar mit einem Bethlehem-Gedicht von Sophie Hämmerli-Marti. «Gedichte von ihr haben mich stets begleitet», sagt Moser und bekennt: «Für mich ist die heutige meine erste Seniorenweihnacht. Dabei hat der Brugger Anlass bereits 81 Mal stattgefunden.» Die Gäste applaudieren – auch später, als Moser von seinem «ersten Lehrjahr als Stadtammann» spricht: «Da war einiges los – beispielsweise die Einweihung der Mülimatt-Halle.»

Wie die Glocke tönte

Ein richtiger Habitué punkto Seniorenweihnacht ist Pfarrer Wolfgang Rotfahl. Seit elf Jahren besucht er diese schon und nun stellt er fest: «Wenn ich sehe, wie viele junge Menschen heute anwesend sind, spreche ich lieber von einem Fest der Generationen.» «Wer ist 5, 6, 7, 8, 9 oder 10 Jahre alt?», fragt Rotfahl und schon werden Hände gestreckt.

Minuten später reckt sich nur eine Hand. Nämlich diejenige der mit 99 Jahren ältesten Teilnehmerin. Wie Moser mit Hämmerli-Marti verweist auch Rotfahl mit Carl Spitteler auf eine bedeutende Figur der Literatur. Carl Spitteler, Schweizer Literatur-Nobelpreisträger von 1919, formuliert in seinem Gedicht «Das bescheidene Wünschlein», was Rotfahl ein Anliegen ist: weg von den ichbezogenen Wünschen – hin zu den einfachen.

In der letzten Strophe von Spittelers Gedicht heisst es: «Heute wünscht ich bloss ein kindisch Wünschlein, dessen der Verstand sich schämte: Möchte wissen, wie die Glocke, die mich in den Schlaf gewöhnte, damals, ganz zuerst am Anfang, möchte wissen, wie sie tönte.»