Spital Brugg
Wie das aufstrebende Brugg sein eigenes Spital bekam

Das Spital startete mit zwei Ärzten und drei Schwestern. In den ersten 7 Monaten wurden 170 Patienten gepflegt und man musste ohne finanzielle Mittel des Kantons auskommen.

Titus J. Meier*
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Diese Luftaufnahme des Bezirksspitals datiert aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. zvg

Diese Luftaufnahme des Bezirksspitals datiert aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. zvg

Genau vor 100 Jahren, am 31. Dezember 1912, erlebte Brugg eine Premiere: Wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung konnte der erste Patient im neuen Bezirksspital empfangen und medizinisch versorgt werden. Der Patient, ein Bahnreisender, dessen Gesundheitszustand sich akut verschlechtert hatte, hatte Glück im Unglück: Noch ein Jahr zuvor hätte er bis Aarau oder Baden zum nächsten Spital transportiert werden müssen.

Am 5. Januar 1913 wurde in Brugg das letzte Bezirksspital im Kanton eröffnet, nachdem die Menschen es als grossen Mangel empfunden hatten, «dass in dem industriell aufstrebenden, zentral gelegenen Orte Brugg kein Spital vorhanden war». Treibende Kraft hinter der Verwirklichung eines eigenen Bezirksspitals war Edmund Schulthess (1868–1944), ab 1893 Brugger Gross- und ab 1905 Ständerat bis zu seiner Wahl in den Bundesrat 1912. Er war zugleich Präsident des Verwaltungsrates der Brugger Spar- und Leihkasse (heute Teil der NAB), die 1907 aus dem Jahresgewinn 10000 Franken als Gründungsbeitrag für ein Spital zur Seite legte. Im folgenden Jahr setzte der Verwaltungsrat eine Kommission unter dem Vorsitz von Schulthess ein, welche die Projektierungsarbeiten an die Hand nahm. 1909 erfolgte die Umwandlung der Bank in eine Aktiengesellschaft. Gleichzeitig wurde der Betrag von 225000 Franken für den Bau eines Spitals aus den Reserven ausgeschieden.

Nun trat die Kommission an die Gemeinde heran und ersuchte um die unentgeltliche Abtretung eines geeigneten Bauplatzes. Die Ortsbürgergemeinde offerierte einen solchen im Wert von 300000 Franken in der Herrenmatt und an der Fröhlichstrasse. Die Wahl fiel auf das Areal am Süssbach, nicht zuletzt aufgrund der Erweiterungsmöglichkeiten. In der Zwischenzeit trafen auch Spenden von Privatpersonen ein. Die mit 50000 Franken höchst dotierte stammte von John Zimmermann, einem nach New York ausgewanderten Brugger. Emil Fäsch aus Basel wurde als Architekt bestimmt.

170 Patienten in ersten 7 Monaten

Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Am 5. März 1911 wurde der Verein «Bezirksspital Brugg» gegründet und ein Initiativkomitee organisierte eine erfolgreiche Spendenaktion bei Privaten und Firmen. Die Gemeinden des Bezirks Brugg steuerten zusammen die stolze Summe von gesamthaft 100000 Franken bei. Ende 1912 war der Bau fertiggestellt: Spital- und Absonderungshaus umfassten insgesamt
62 Betten. Die Bauarbeiten schlugen mit 379000 Franken zu Buche und die Einrichtungen verschlangen noch einmal 70000 Franken. Am 5. Januar 1913 nahm das Spital mit zwei Ärzten, einer Oberschwester und drei Schwestern sowie weiteres Hilfspersonal den Betrieb auf. In den ersten sieben Betriebsmonaten wurden 170 Patienten versorgt und 55 Operationen durchgeführt. Zeitweise befanden sich bis zu 38 Patienten in Pflege.

So wie der Bau ohne finanzielle Mittel des Kantons auskommen musste, so musste auch das Betriebsdefizit in den ersten Jahren ohne Unterstützung des Kantons gedeckt werden. Wichtige Geldquellen waren neben den Beiträgen der Gemeinden auch Zuwendungen von Firmen und Privaten, was die Verbundenheit stärkte.

*Titus J. Meier ist Historiker und lebt
in Brugg.

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