Brugg-Windisch
Wie Brugg und Windisch die Zersiedlung bereits gebremst haben

Verdichtetes Bauen ist nicht nur ein Schlagwort, sondern seit 50 Jahren Realität in Brugg und Windisch. Es besteht aber auch noch ein grosses Potenzial. Die zwei Gemeinden nahmen nun die Ortsplanungsrevision gemeinsam in die Hand.

Claudia Meier und Michael Hunziker
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So wird die Zersiedlung im Raum Brugg-Windisch gebremst
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Die Spinnerei III wurde 1864 direkt an der Reuss in Unterwindisch als dritter Teil der Spinnereifabrik Kunz errichtet. Nun wird das Kunz-Areal umgenutzt. Das Gebäude wurde auf die ursprüngliche Struktur reduziert. Neu entstehen 50 Lofts im Edelrohbau mit unterschiedlichen Grundrissen und fast vier Meter hohen Räumen.
Suedtor: Hier sind Antike und Moderne vereint. Die Wohnsiedlung Südtor an der Scheuergasse in Windisch wurde zwischen 2004 und 2007 erstellt. Sie umfasst zwei Mehrfamilienhäuser mit fünf Gartenwohnungen und neun Attika-Maisonettewohnungen. Der Legionärspfad Vindonissa führt über dieses Areal. Privatzonen sind klar markiert.
Hauptstrasse 66 Die Genossenschaft Altstadt Brugg erwarb vor kurzem die sanierungsbedürftige Liegenschaft mit Baujahr 1925 an der Hauptstrasse 66 mit dem Ziel, die historischen Gemäuer als attraktiven Wohn- und Lebensraum wieder fit zu machen. Seit wenigen Tagen erstrahlt das Haus mit drei Wohnungen und einem Barbetrieb in neuem Glanz.
Campus-Neubau Seit September 2013 sind die 48 Attika-Mietwohnungen mit 1,5 bis 5,5 Zimmern sowie 4 Ateliers auf dem Campus-Dach bezogen. Die Architektur zeigt sich modern und schlicht. Jede Wohnung – mit Ausnahme der kleinsten – verfügt über einen Innenhof. Die Bewohner teilen sich eine Sonnenterrasse. Der Bahnhof Brugg ist nur wenige Schritte entfernt.
Die Metronsiedlung an der Ländestrasse 25 und 27 in Unterwindisch umfasst 15 Reihenhäuser im Stockwerkeigentum. Es gibt keine Garagen. Der Unterstand entlang der Strasse dient zudem als Arbeits- und Spielplatz. In diesem Quartier wird seit 40 Jahren verdichtet gebaut.
Auf der Fehlmannmatte im Zentrum von Windisch entsteht eine städtische Neubausiedlung mit Wohn- und Gewerberaum: Die 52 Eigentums- und 88 Mietwohnungen werden etappenweise erstellt und bis Juli 2014 bezogen. Der Innenhof dient als Spiel- und Begegnungsraum.
Zwischen Bahndamm und Siedlungsrand im Brugger Quartier Altenburg ist vor einem Jahr die Überbauung Habsburgerstrasse erbaut worden. Entstanden sind 64 Mietwohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern. Kernstück der Anlage ist der abgebildete Gemeinschaftsraum.
Mühlehalde - Terrassensiedlung statt Einfamilienhäuser auf einer Ebene. Die Wohnanlage Mühlehalde in Umiken wurde bereits 1958 in einer Ausstellung als «utopisches Regionalmodell Brugg 2000» vom Team 2000 propagiert, und kurz darauf in drei Bauetappen von 1963 bis 1971 erbaut.
Blumenstrasse: Die frühere Strickwarenfabrik in Brugg wurde 2010 umgenutzt. Entstanden sind sechs Eigentumswohnungen und ein Atelier. Ergänzend wurde ein Neubau mit drei Wohnungen gebaut. Garten und Sitzplätze sind für alle nutzbar. Alle Wohnungen entsprechen dem Minergie-Standard.
Laur-Park: Der Schweizerische Bauernverband wollte das Gelände an seinem Hauptsitz an der Laurstrasse in Brugg räumlich und wirtschaftlich besser nutzen. Der neue Bürokomplex ist ein Holzbau. Die Zufahrt zur neuen Tiefgarage ist im modernen Kubus mit den 15 Mietwohnungen integriert.
Beat Klaus: «Mit sorgfältiger Aussenraumgestaltung kann die Wohnqualität gesteigert werden.»

So wird die Zersiedlung im Raum Brugg-Windisch gebremst

Alex Spichale

Die Baulandreserven nehmen ab. Werden in Brugg oder Windisch bald neue Hochhäuser erstellt, um künftig der Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum gerecht zu werden?

Erstmals in der Geschichte gehen die Stadt Brugg und die Gemeinde Windisch die Ortsplanungsrevision - unter dem Projektnamen «Raum Brugg Windisch» - gemeinsam an.

Ziel ist es, die Stossrichtung für die räumliche Entwicklung der beiden Gemeinden in den nächsten 15 Jahren zu definieren.

Eng damit verbunden ist das Thema verdichtetes Bauen und Wohnen. Die Vorstellungen darüber klaffen aber auseinander: Die Einen denken primär an Wohngettos mit grauen Hochhäusern, andere eher an die kreative Umnutzung in Quartieren mit Einfamilienhäusern und Gewerbebauten.

Die az hat sich mit Architekt Beat Klaus, Mitglied der Bau- und Planungskommission der Stadt Brugg, in den beiden Gemeinden umgesehen. Fazit nach drei Stunden: Verdichtet gebaut wird - mit markanten Überbauungen und qualitativ hochwertige Umnutzungen - sowohl in Brugg wie in Windisch seit Jahrzehnten. Das Potenzial ist nach wie vor gross. Der Bau neuer Hochhäuser ist dabei noch kein Thema, wird gemäss Klaus aber sicher im neuen Entwicklungsleitbild zur Sprache kommen.

Neubauten sind im Quartier angekommen

Gleich ausserhalb der ehemaligen Brugger Stadtmauer entstand neben dem Sitz des Schweizerischen Bauernverbands ein grosser Kubus mit exklusiven Mietwohnungen und dem neuen Bürogebäude in Holzbauweise. Raffiniert im Kubus integriert ist laut Beat Klaus das Einfahrtstor zur grossen Tiefgarage. «Diese Neubauten sind bereits im Quartier angekommen», sagt der Architekt.

Der Übergang zum öffentlichen Raum mit Spielplatz vor dem Stapferschulhaus erfolge harmonisch.
Im benachbarten Villenviertel sei das Verdichtungspotenzial besonders gross, so Klaus. Dabei gelte es aber, zu prüfen, welche Bauten unter Substanzschutz gestellt werden sollen und welche durch bis zu viergeschossige Bauten ersetzt werden könnten.

Am Bruggerberg entstehen aktuell gleich mehrere Überbauungen. Die Terrassen-Siedlung Mühlehalde war vor 50 Jahren der erste Teil eines visionären Projekts. Bis nach Aarau sollte der Jurasüdhang exemplarisch verdichtet werden, da die Hanglage für die Landwirtschaft ungeeignet ist. Heute sorgen unterhalb des Waldrands Trockensteinmauern und Naturschutzzonen für eine Abgrenzung zur Bauzone.

Hohe Auflagen

Für die neue Überbauung an der Habsburgerstrasse gab es hohe Auflagen. Gemeinschaftsraum, Spielplatz sowie Grünflächen tragen neben den Lärmschutzwänden entlang der Bahnlinie viel zur guten Wohnqualität bei. Die Überbauung Fehlmannmatte in Windisch wirkt kompakt und städtisch, obwohl sie nur wenige Schritte von der Amphiwiese entfernt ist.

«Diese maximale Verdichtung und Aufwertung des Dorfkerns wird sich noch beweisen müssen», sagt Beat Klaus. Es sei interessant zu verfolgen, wie der Innenhof gestaltet werde. Dasselbe gelte für die Wohnungen auf dem Campus-Dach.

Nach aussen wirkt die Wohnetage nicht sehr belebt. «Mit sorgfältiger Aussenraumgestaltung kann die Wohnqualität - oft mit wenig Geld - gesteigert werden», räumt Architekt Beat Klaus ein. Wichtig für die Qualität seien auch die Über- und Durchgänge vom privaten zum öffentlichen Raum.

Das markante Brugger Einkaufszentrum Neumarkt 1 wurde in der Boomzeit der 1970er-Jahre gebaut, als man mit einem enormen Bevölkerungswachstum rechnete und im Gebiet Bodenacker riesige Überbauungen aus dem Boden stampfen wollte, so Klaus. Der Bauboom schwächte sich aber schnell ab und flammte erst in den letzten Jahren wieder auf.

Weiterführende Links: www.raumbruggwindisch.ch und www.zeitraumaargau.ch.

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