Die Baulandreserven nehmen ab. Werden in Brugg oder Windisch bald neue Hochhäuser erstellt, um künftig der Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum gerecht zu werden?

Erstmals in der Geschichte gehen die Stadt Brugg und die Gemeinde Windisch die Ortsplanungsrevision - unter dem Projektnamen «Raum Brugg Windisch» - gemeinsam an.

Ziel ist es, die Stossrichtung für die räumliche Entwicklung der beiden Gemeinden in den nächsten 15 Jahren zu definieren.

Eng damit verbunden ist das Thema verdichtetes Bauen und Wohnen. Die Vorstellungen darüber klaffen aber auseinander: Die Einen denken primär an Wohngettos mit grauen Hochhäusern, andere eher an die kreative Umnutzung in Quartieren mit Einfamilienhäusern und Gewerbebauten.

Die az hat sich mit Architekt Beat Klaus, Mitglied der Bau- und Planungskommission der Stadt Brugg, in den beiden Gemeinden umgesehen. Fazit nach drei Stunden: Verdichtet gebaut wird - mit markanten Überbauungen und qualitativ hochwertige Umnutzungen - sowohl in Brugg wie in Windisch seit Jahrzehnten. Das Potenzial ist nach wie vor gross. Der Bau neuer Hochhäuser ist dabei noch kein Thema, wird gemäss Klaus aber sicher im neuen Entwicklungsleitbild zur Sprache kommen.

Neubauten sind im Quartier angekommen

Gleich ausserhalb der ehemaligen Brugger Stadtmauer entstand neben dem Sitz des Schweizerischen Bauernverbands ein grosser Kubus mit exklusiven Mietwohnungen und dem neuen Bürogebäude in Holzbauweise. Raffiniert im Kubus integriert ist laut Beat Klaus das Einfahrtstor zur grossen Tiefgarage. «Diese Neubauten sind bereits im Quartier angekommen», sagt der Architekt.

Der Übergang zum öffentlichen Raum mit Spielplatz vor dem Stapferschulhaus erfolge harmonisch.
Im benachbarten Villenviertel sei das Verdichtungspotenzial besonders gross, so Klaus. Dabei gelte es aber, zu prüfen, welche Bauten unter Substanzschutz gestellt werden sollen und welche durch bis zu viergeschossige Bauten ersetzt werden könnten.

Am Bruggerberg entstehen aktuell gleich mehrere Überbauungen. Die Terrassen-Siedlung Mühlehalde war vor 50 Jahren der erste Teil eines visionären Projekts. Bis nach Aarau sollte der Jurasüdhang exemplarisch verdichtet werden, da die Hanglage für die Landwirtschaft ungeeignet ist. Heute sorgen unterhalb des Waldrands Trockensteinmauern und Naturschutzzonen für eine Abgrenzung zur Bauzone.

Hohe Auflagen

Für die neue Überbauung an der Habsburgerstrasse gab es hohe Auflagen. Gemeinschaftsraum, Spielplatz sowie Grünflächen tragen neben den Lärmschutzwänden entlang der Bahnlinie viel zur guten Wohnqualität bei. Die Überbauung Fehlmannmatte in Windisch wirkt kompakt und städtisch, obwohl sie nur wenige Schritte von der Amphiwiese entfernt ist.

«Diese maximale Verdichtung und Aufwertung des Dorfkerns wird sich noch beweisen müssen», sagt Beat Klaus. Es sei interessant zu verfolgen, wie der Innenhof gestaltet werde. Dasselbe gelte für die Wohnungen auf dem Campus-Dach.

Nach aussen wirkt die Wohnetage nicht sehr belebt. «Mit sorgfältiger Aussenraumgestaltung kann die Wohnqualität - oft mit wenig Geld - gesteigert werden», räumt Architekt Beat Klaus ein. Wichtig für die Qualität seien auch die Über- und Durchgänge vom privaten zum öffentlichen Raum.

Das markante Brugger Einkaufszentrum Neumarkt 1 wurde in der Boomzeit der 1970er-Jahre gebaut, als man mit einem enormen Bevölkerungswachstum rechnete und im Gebiet Bodenacker riesige Überbauungen aus dem Boden stampfen wollte, so Klaus. Der Bauboom schwächte sich aber schnell ab und flammte erst in den letzten Jahren wieder auf.

Weiterführende Links: www.raumbruggwindisch.ch und www.zeitraumaargau.ch.