Brugg-Windisch
Wie Brugg und Windisch die Chance packten, visionäre Ideen umzusetzen

Im Sommer erscheint das Buch «Visionmitte», Hauptautor ist der Scherzer Gemeindeammann Hans Vogel. Es greift die Debatten und Kontroversen rund um den Planungsprozess Vision Mitte, den Campus und sein städtebauliches Umfeld auf.

Elisabeth Feller
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Über 81 Prozent der Aargauer Stimmbürger sagen im Februar 2011 Ja zum Campus-Kauf: Die Vision Mitte bedankt sich – ihr Logo ziert das Landi-Silo. ksc/az-archiv

Über 81 Prozent der Aargauer Stimmbürger sagen im Februar 2011 Ja zum Campus-Kauf: Die Vision Mitte bedankt sich – ihr Logo ziert das Landi-Silo. ksc/az-archiv

Ein wiederentdecktes Werk des französischen Malers und Grafikers Victor Vasarely? Nein, aber für einen Moment glaubt man daran, weil der Blick auf ein gestreiftes Viereck fällt, auf dem wiederum kleinere, bunte Vierecke platziert sind.

Das sieht nach dem Umschlag eines Kunstkatalogs aus. In Tat und Wahrheit handelt es sich jedoch um das Vision-Mitte-Logo-Design, das nun auch das Buch «Visionmitte» ästhetisch prägt. Im Namen klingt an, was das Ende August erscheinende Werk thematisiert: Stadtentwicklung und die damit verbundenen Visionen.

Ein kurzer Rückblick

Im November 2002 wird die Stiftung Vision Mitte gegründet. Als Trägerschaft fungieren der Kanton Aargau, die Gemeinden Brugg und Windisch sowie die Brugger Berufsschulen. Laut Urkunde bezweckt die Stiftung Folgendes: die Initiierung und die Förderung eines nachhaltigen Entwicklungsprozesses als gemeinsame Strategie der Gemeinden Brugg und Windisch im Planungsgebiet; die Finanzierung der Planung und der Gesamtkoordination für die verschiedenen Projekte der Vision Mitte; die Sicherstellung der städtebaulichen Integration des kantonalen Projektes Campus und des Berufsbildungszentrums der Berufsschulen Brugg; die Generierung und Koordination des Austausches zwischen Kanton, Gemeinden, Berufsschulen, Fachhochschule, SBB, Verkehrsbetrieben, Grundeigentümern, Wirtschaft sowie den politischen Verantwortungsträgern.

Kritische Bilanz

Ende 2014 wird sich die Stiftung auflösen: Projekte wie insbesondere der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als grösstes Vorhaben sind realisiert oder werden – wie der Busterminal Süd und die verlängerte, durchgehende Personenunterführung – am Ende dieses Jahres in Betrieb genommen.

Vor allem der Bau des Campus im städtebaulichen Zusammenhang führte zu wegweisenden Debatten über das Verhältnis zwischen Hochschule und Öffentlichkeit. Das lebendige Gebiet rund um den Bahnhof Brugg soll künftig noch stärker akzentuiert werden durch einen attraktiven Mix aus Bildung, Kultur, Industrie und Wohnen.

Nun finden die spannenden Debatten und Kontroversen in der Öffentlichkeit rund um den Planungsprozess Vision Mitte, den Campus und sein städtebauliches Umfeld ihren Niederschlag im Buch «Visionmitte». Ein einzig und allein bloss die positiven Aspekte hervorhebendes Werk will der Band mit seinen 150 Seiten nicht sein; er ist laut seinem Hauptautor Hans Vogel vielmehr eine «kritische Bilanz, die für künftige Hochschulplaner ein instruktiver Erfahrungsbericht» sein könnte.

Visionäre Ideen umgesetzt

Der Politologe und Gemeindeammann von Scherz war Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung «Vision Mitte 2001–2013. «Die letzten zehn Jahre waren politisch eine einschneidende Zeit», sagt Hans Vogel: «Die Gemeinden Brugg und Windisch haben die Chance gepackt, visionäre Ideen umzusetzen. Das ist der Öffentlichkeit aber noch gar nicht so bewusst.»

Im Grunde, unterstreicht der Politologe, sei das politische System in der Schweiz nicht sonderlich geeignet für grosse Würfe, dennoch habe man solche in Brugg und Windisch umgesetzt. Dass die als Mausloch bekannte Unterführung zwischen Brugg und Windisch nicht dazu zählt, erwähnt Vogel als Fussnote. «Alles in allem ist das Organisationsmodell eine Erfolgsgeschichte.»

Dem komplexen Thema entsprechend – die lebendige Beziehung zwischen Hochschule und Stadt – setzt das Buch neben Hauptautor Hans Vogel auf Gastautoren, die 20 kürzere Artikel beigesteuert haben. «Visionmitte» ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil befasst sich mit der Planungsgeschichte, einzelnen Projektbeschrieben sowie den Gemeinden Brugg und Windisch als Bildungsstandorten; der Zweite wartet mit der Chronologie von 1991 bis 2013 auf.

Diese wird ergänzt durch einen Ausblick in die Zukunft («Wie geht es weiter?»), Seitenblicken («Wie funktionieren andernorts Stadt und Hochschulen?») sowie – als stellvertretendes Beispiel – auch ein Beitrag von Badens langjährigem, einstigem Stadtammann. Josef Bürge schildert, wie die Bäderstadt den Wettbewerb um den Standort der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) verlor – an Brugg-Windisch.

«Visionmitte» Die Buchvernissage findet vermutlich Ende August statt. Das 150-seitige Buch kostet 58 Franken; Subskriptionspreis 48 Franken bis 31. Mai unter dieser Adresse: www.buchvisionmitte.ch