Lupfig
«Widerstand gegen neue Strukturen» – Altersheim stellt acht Mitarbeiter frei

Ohne Vorwarnung hat sich der Vorstand des Altersheimvereins Eigenamt von acht Angestellten getrennt. Grund dafür soll sein, dass sie sich weigern, die moderne Strategie umzusetzen.

Claudia Meier
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Aus dem Altersheim in Lupfig wurde das Haus Eigenamt.

Aus dem Altersheim in Lupfig wurde das Haus Eigenamt.

Elisabeth Feller

Markus Treuthardt, Leiter Technischer Dienst im Haus Eigenamt, ist gestern Montagmorgen in Lupfig wie gewohnt zur Arbeit erschienen. Als er im Altersheim auf Tobias Kull, Vorstandspräsident Altersheimverein Eigenamt, und Irene Ulmann, im Verein zuständig für das Ressort Personal, trifft, denkt er nichts Böses.

Denn in der Nacht auf Sonntag wurde im Haus Eigenamt eingebrochen. Die Anwesenheit von Kull und Ulmann könnte in diesem Zusammenhang stehen, glaubte Treuthardt. Dass der Besuch unter anderem ihm galt, erfuhr er kurze Zeit später. Fast im Minutentakt seien mehrere Mitarbeitende einzeln in ein Büro gerufen worden, wo sie «ohne Angabe von Gründen» die Kündigung erhielten und per sofort freigestellt wurden, erzählt Treuthardt.

Er wurde aufgefordert, seine privaten Sachen zusammenzupacken und Schlüssel sowie Telefon abzugeben. Das vorgelegte Papier habe niemand der Betroffenen unterschrieben, so Treuthardt weiter. Insgesamt trifft es acht Mitarbeitende.

Der Vorstand des Altersheimvereins Eigenamt habe sich entschieden, sich von den Mitarbeitern zu trennen, die nicht bereit waren, die beschlossene Gesamtstrategie mitzutragen, heisst es in einer Medienmitteilung. Von diesem Entscheid betroffen sind unter anderen die Leiterin Pflege und Betreuung sowie die Bereichsleiterin Demenz, wie Präsident Tobias Kull auf Anfrage erklärt.

«Neuzeitliche Wohnformen»

Was ist geschehen? Im Jahr 2012 genehmigte die Generalversammlung des Altersheimvereins Eigenamt einen Umbau, der im August 2013 nach achtmonatiger Bauzeit abgeschlossen werden konnte. Der Verein setzt den Auftrag der vier Trägergemeinden Birr, Lupfig, Birrhard und Scherz um. Aus dem Altersheim in Lupfig wurde das Haus Eigenamt.

Der frühere Leiter Martin Hüppi suchte sich 2013 eine neue Stelle. In seine Fussstapfen traten die Co-Leiterinnen Christiane Serve und Doris Kohler. Das Haus Eigenamt habe sich verpflichtet, «als Kompetenzzentrum fürs Alter in die Zukunft blickend, den Bewohnerinnen und Bewohnern neuzeitliche Wohnformen mit entsprechendem Alltag anbieten zu können», teilt der Vorstand weiter mit. Für die Umsetzung dieser Aufgabe habe man befristet auf Ende 2014 eine externe Fachperson beigezogen, sagt Präsident Kull.

Das Haus Eigenamt verfügt über 53 Betten und rund 100 Arbeitsplätze. Als es darum ging, im Rahmen der modernen Strukturen einen Geschäftsführer zu suchen, habe dies beim Personal teilweise Widerstand verursacht. Kull sagt, dass der Vorstand in letzter Zeit auch operativ viel mitgeholfen habe, das neue Betriebskonzept umzusetzen, obwohl dies nicht zu seinen Kernaufgaben gehöre. Dabei habe er festgestellt, dass es bei der Umsetzung der neuen Strategie zum Teil hapert.

Neuer Leiter beginnt heute

Die Freistellungen am Montagmorgen haben eingeschlagen wie eine Bombe. «Das sind natürlich keine schönen Entscheide. Die Betroffenen haben gefasst, aber auch überrascht und enttäuscht reagiert», sagt Kull. Man gebe ihnen die nötige Zeit, den Arbeitsplatz zu räumen.

Ad interim kam gestern ein neuer Pflegedienstleiter aus dem Raum Zürich ins Haus Eigenamt. Bis eine neue Leitung bestimmt ist, werden die Aufgaben der Geschäftsführung interimistisch Martin Plüss übertragen. Plüss wurde letztes Jahr pensioniert. Er sei eine ausgewiesene Führungsperson – unter anderem als langjähriger Vebo-Heimleiter im Behinderten-Bereich, so Kull weiter. Mit diesen und weiteren vom Vorstand eingeleiteten Massnahmen sei im Haus Eigenamt ein reibungsloser Betrieb gewährleistet, schreibt der Vorstand. Kull betont, dass die Bewohner auch bisher immer gut betreut wurden.

Markus Treuthardt war seit August 2014 als Leiter Technischer Dienst im Haus Eigenamt angestellt. Ein Dokument mit einem entsprechenden Konzept habe er nie gesehen, sagt er. Auch Protokolle von Vorstandssitzungen, an denen er teilnahm, habe er nie erhalten. Als es in der Geschäftsleitung eine Vakanz gab, hat sich Treuthardt dafür interessiert.

Bis heute habe er keine Antwort vom Vorstand auf diese Bewerbung erhalten. Wie es für die Betroffenen weitergeht, kann der freigestellte Leiter Technischer Dienst noch nicht sagen. Nur so viel: Sie hätten sich gemeinsam einen Anwalt genommen.