Zwar hat die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Villnachern nach einer ausgiebigen Information und Diskussion die Gesamtrevision der Nutzungsplanung mit grosser Mehrheit angenommen Mitte März dieses Jahres. Nach wie vor nicht einverstanden mit der Planung ist aber Pro Natura Aargau, konkret: mit der vorgesehenen Arbeitszone an der Aare am östlichen Dorfrand. Diese soll ausgeschieden werden an der Stelle der bisherigen Spezialzone Annamatt, damit Kleingewerbe angesiedelt werden kann. Pro Natura reicht beim Regierungsrat Beschwerde ein.

Schon während der öffentlichen Auflage der Nutzungsplanung im letzten Jahr setzte sich die Naturschutzorganisation mit einer Einwendung dafür ein, die Parzelle in der Landwirtschaftszone zu belassen (die AZ berichtete).

Fremdkörper in der Umgebung

Es handle sich um eine bundesrechtswidrige Kleinstgewerbezone, «die leider unnötigerweise wertvolles Kulturland zersiedelt und in die nahe Flusslandschaft eingreift», hält Pro Natura in einer Medienmitteilung von gestern Montag fest. Die Kleinstgewerbezone sei – mitten im Kulturland – ein Fremdkörper in der ökologisch, landschaftlich und landwirtschaftlich wertvollen Umgebung.

Die Naturschutzorganisation weist gleichzeitig auf die zahlreichen geschützten Naturwerte hin in Villnachern. Die Gemeinde sei sehr attraktiv, habe als Wohnort wunderschöne Landschaften und Naherholungsgebiete zu bieten, wird Matthias Betsche zitiert, der Präsident von Pro Natura Aargau. «Mit ihren besonderen Hängen, Wiesen-Landschaften, Föhrenwäldern und den vielen Rebmauern als Zeugnis der Weinbau-Kultur ist sie ein Hotspot der Biodiversität.»

Auch wenn Präsident Betsche Verständnis hat für den Wunsch nach der Arbeitszone Annamatt aus kommunaler Sicht, bestreitet er den Bedarf der Region nach einer «landschaftlich problematischen, isolierten Arbeitszone am Dorfrand». Eine fundierte Bedürfnisabklärung fehle. «Hier wäre eine gute Gelegenheit, an bester Stelle Landschaft und Landwirtschaft zu schützen und zu fördern», führt Betsche weiter aus.

Kein Verständnis hat der Pro-Natura-Präsident zudem für den Kanton: Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) kritisiere zwar die bundesrechtswidrige Kleinstbauzone im Vorprüfungsbericht, «gaukelt dann aber der Gemeinde vor, dass sie doch irgendwie rechtskonform sei. Das hat Villnachern nicht verdient.» Anders ausgedrückt: Die Gemeinde habe sich in ihrer Planung auf das BVU verlassen. «Dieses hätte anzeigen müssen, dass eine solche Kleinstgewerbezone gegen das Raumplanungsrecht verstösst.»

Regierungsrat hat letztes Wort

In solchen Fällen müsse Pro Natura durch die Anrufung höherer Instanzen dann leider mithelfen, eine stringente Rechtspraxis zu finden, denn: «Der Schutz der wertvollen Landschaften und des Kulturlands wird die Attraktivität der Gemeinde Villnachern weiter steigern», ist Betsche überzeugt.

Welche Bedeutung die Beschwerde von Pro Natura auf die Nutzungsplanung in Villnachern hat, kann das BVU auf Nachfrage noch nicht beantworten. «Inhaltlich kann zu einem laufenden Verfahren keine Stellung genommen werden», sagt Giovanni Leardini, Leiter Kommunikation. Grundsätzlich könne gemäss Baugesetz gegen einen Beschluss der Gemeindeversammlung zur Nutzungsplanung beim Regierungsrat Beschwerde geführt werden, ergänzt Leardini. Eine von der Gemeinde beschlossene Nutzungsplanung wird – nach Prüfung der Beschwerdeanträge – vom Regierungsrat genehmigt.