Brugg

Wetter, Wind und Strömung wechseln ständig – doch sie wollen auf Platz eins

Bettina Schaffner (hinten) ist die Steuerfrau, Jasmin Marti die Vorderfahrerin.

Bettina Schaffner (hinten) ist die Steuerfrau, Jasmin Marti die Vorderfahrerin.

Mit dem Beginn der Saison steigen auch Bettina Schaffner und Jasmin Marti vom Pontonier-Sportverein Brugg wieder in den Weidling – und hoffen, dass sie als Team an ihre früheren Erfolge anknüpfen können.

«Bei uns gibt es kein schlechtes Wetter», meint Bettina Schaffner angesichts des einsetzenden Regens. Zusammen mit Jasmin Marti rüstet sie den Weidling für das Training aus – das erste offizielle der neuen Saison. Erst vor wenigen Tagen sind die Schiffe des Pontonier-Sportvereins Brugg in der Aare eingewassert worden.

Inzwischen haben die Brugger Pontonierinnen und Pontoniere bereits die «Chäschüechli-Fahrt», den traditionellen Auftakt zur Saison, mit Bravour gemeistert. Der Weidling wird losgemacht. Bettina Schaffner, als Steuerfrau hinten im Schiff, und Jasmin Marti als Vorderfahrerin im Bug greifen zu den Stacheln und bewegen den Weidling nahe dem Ufer entlang elegant flussaufwärts. Offensichtlich ist da ein eingespieltes Team am Werk.

Eingespielt und erfolgreich

Die beiden jungen Frauen sind aber nicht bloss ein eingespieltes, sondern auch ein sehr erfolgreiches Team. «Unseren ersten grossen Erfolg hatten wir an der Schweizer Meisterschaft 2008 in Schönenwerd», erklärt Bettina Schaffner. «Damals haben wir den dritten Rang belegt. Es war unser allererster Podestplatz.» Jasmin Marti sagt: «Einer unserer schönsten Erfolge war der dritte Rang bei den Frauen am Eidgenössischen Wettfahren in Klingnau 2012.» Sie hätten aber auch gute Vorbilder, stellt Bettina Schaffner fest. «Jasmins Bruder Christian und mein Bruder Pascal fahren ebenfalls zusammen im selben Boot und sind konstant erfolgreich.»

Dass Bettina Schaffner und Jasmin Marti zum Pontoniersport gekommen sind, dürfte kein Zufall sein. «Mein Vater ist ebenfalls im Pontonier-Sportverein Brugg», sagt Bettina Schaffner. «Er hat mich, als ich ein Kind war, oft mitgenommen. Jasmin und ich kannten uns vom Sehen. Wir haben gefunden, dass wir es gemeinsam versuchen könnten. Und wir haben von Anfang an gut harmoniert.» Der erste Eindruck vom Pontoniersport sei allerdings nicht so gut gewesen, räumt sie ein. «Ich fand das alles eher langweilig.» Sie habe von Beginn weg Freude am Pontoniersport gehabt, erklärt dagegen Jasmin Marti. «Wir haben 2002 angefangen. Es ist also schon eine Weile her. Wir mussten wohl auch etwas älter werden, um das Ganze ernster zu nehmen.»

«Der Pontoniersport gefällt mir, weil man in der freien Natur ist», sagt Bettina Schaffner, die als Pharmaassistentin arbeitet. «Für mich ist dieser Sport ein Mega-Ausgleich. Ich arbeite ja den ganzen Tag drinnen. Zudem kann man sich richtig auspowern.» Sie schätze es aber auch, dass es keine 08/15-Sportart ist. «Ich möchte auch keine reine Frauensportart betreiben», ergänzt Bettina Schaffner. «Mir gefällt, dass man ein Team ist. Man hilft einander. Das gilt nicht nur beim Fahren im Schiff, sondern überhaupt im Vereinsleben. Die Pontoniere sind offen und pflegen eine gute Kameradschaft.»

Jasmin Marti, die nach der KV-Ausbildung nun als Kauffrau arbeitet, schätzt die Abwechslung des Pontoniersports. «Auf dem Wasser ist es nie gleich», stellt sie fest. «Die Einflüsse von Wind und Wetter sowie die Strömung wechseln ständig. Man muss sich daher gut kennen, wenn man gemeinsam im Schiff Erfolg haben will.»

Auf die Frage nach den Vorurteilen, die früher gegenüber dem Pontonierwesen laut wurden – es gehe eher handfest zu und her und es würde viel Bier getrunken – entgegnet Jasmin Marti: «Das mag so gewesen sein. Heute wird vor Wettkämpfen nicht mehr gefeiert. Das wird sehr ernst genommen. Der Sport steht definitiv im Vordergrund.» Auch ist der Pontonier-Sportverein Brugg längst keine reine Männergesellschaft mehr. Den Beweis, dass sich Frauen in dieser Sportart gleichberechtigt behaupten können, liefert Bettina Schaffner gleich selber. «Ich bin während zweier Jahre zusammen mit einem Mann im Boot gefahren», sagt sie. «Am Eidgenössischen haben wir es immerhin ins gute Mittelfeld geschafft.»

Kombination von Kraft und Technik

Der Erfolg der beiden Pontonierinnen kommt nicht von ungefähr. Im Sommer wird zwei. oder dreimal in der Woche auf dem Wasser trainiert und im Winter in der Halle Kraft und Ausdauer. Beim Kampf gegen die Zeit und die Strömungen des Wassers sind Kraft und Ausdauer von nicht zu unterschätzender Bedeutung. «Beides – Kraft und Technik – spielt eine Rolle», betont Bettina Schaffner «Man kann zwar mit Technik viel herausholen. Bei der Stachelfahrt kann man aber mit Technik allein wenig ausrichten.» Und Jasmin Marti stellt fest: «Kraft hat uns schon oft geholfen.»

Nach einem rund zweijährigen Unterbruch – bedingt durch die Ortsabwesenheit von Jasmin Marti – startet das erfolgreiche Team jetzt wieder gemeinsam in die neue Saison. «Wir haben zwar letztes Jahr am Eidgenössischen Wettfahren in Mumpf den vierten Platz belegt, ohne gemeinsam trainiert zu haben», erklärt Bettina Schaffner. «Unser Ziel ist es aber schon, einmal einen ersten Platz zu belegen. Alles andere hatten wir bereits.»

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